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"Dr. med. Flachforscher"?

Dr. ...


"Dr. med. Flachforscher"?

Der Titel ist ein Zitat aus der Zeit-Online, auf das ich kürzlich gestoßen bin und mich seitdem gedanklich beschäftigt hat. Den Link dazu habe ich Ihnen hier angefügt: http://www.zeit.de/2011/35/Doktorarbeit-M ... chung

Seit Guttenbergs Plagiatsvorwürfen im letzten Jahr, wurden auch in meinem Bekanntenkreis des Öfteren hitzige Diskussionen über die zwei – für manch einen - wichtigsten Buchstaben im Namen geführt. Die Nicht-Mediziner unter uns vertreten dabei zunehmend die Meinung, dass den Medizinern ihr Doktortitel doch nur so hinterher geworfen wird. Wofür Natur- und Geisteswissenschaftlern rund 3 Jahre Vollzeit investieren, benötigen Mediziner oft nur 1 Jahr und das sogar häufig studienbegleitend.

Ist die Aussage „Dr. med. Flachforscher“ ihrer Meinung nach ungerechtfertigt?

Was haben Sie für Erfahrungen mit ihrer eigenen Promotion gemacht (Dauer? „wissenschaftlicher
Anspruch“? Probleme?)?

Diskussion

2 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 10 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Diese Betitelung ist absolut unangebracht. Ich gestehe gerne ein, dass die Arbeit für eine medizinische Doktorarbeit weitaus geringer sein KANN als in einem anderen wissenschaftlichen Studiengang. Aber ist eine Doktorarbeit, die zum Beispiel auf das Zusammenschreiben von Patientendaten unter einer einfachen Fragestellung beruht, deshalb objektiv "schlechter"?

Nein, natürlich nicht. Diese kleinen Doktorarbeiten in der Medizin sind doch oftmals nur kleine „Unterarbeiten“ einer großen Fragestellung. Würde man die vollständige Fragestellung allein beantworten wollen, würde dieses Jahre beanspruchen und den Staat doch nur noch mehr Geld kosten. Das Medizinstudium dauert bereits 6 Jahre. Noch weitere 3 Jahre auf zum Teil Staatskosten an einer Doktorarbeit verbringen? Wohl eher nicht.

Es ist meiner Meinung nach gerechtfertigt, dass es für Mediziner, die nicht in die Forschung gehen wollen, die Möglichkeit gibt ihre Doktorarbeit während des Studiums abzuschließen.

Innerhalb meines Medizinstudiums wurde bereits das Verfassen einer Hausarbeit gefordert, um die Studenten an das wissenschaftliche Arbeiten heranzuführen. Dieser Umstand hat meiner Meinung nach auf jeden Fall zu der Qualität unserer späteren Doktorarbeiten beigetragen.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Warum denn immer nur dieses "alle über einen Kamm geschere" und die lieben Vorurteile?
Auch im besagten ZEIT Artikel wird natürlich von einem extrem schlechten Beispiel ausgegangen.
Generell halte ich medizinische Dissertationen nicht grundsätzlich für Flachforschung. Es gibt natürlich große Varianz im Grad der Wissenschaftlichkeit oder des zu investierenden Arbeitsaufwandes, aber dies schlägt sich z.T. meiner Information nach ja auch in der Notengebung wieder. Eine Veröffentlichung erreicht dann ja auch nur eine Arbeit, die die Forschung voran treibt, wenn man so möchte. Und wie der Kollege vor mir schon erwähnte, ist der Zeit- & Geldfaktor auch noch in Relation zu setzen. Ein 6,5 Jahre Regelstudienzeit Studium, welches durch den z.T. eheblichen Mehraufwand von bspw. experimentellen Doktorarbeiten neben dem ohnehin sehr zeitaufwendigen Studium ganz schnell auch noch verlängert werden muss, kommt am Ende fast an die ca. 3 Jahre zusätzlich anderer Studiengänge heran. Hier jedoch fehlt die Bezahlung und der "Luxus", sich voll und ganz dem selbstgewähltem Dissertationsthema zu widmen sowie unliebsame Aufgaben zu delegieren, statt Klausuren, Praktika, Famulaturen, Praktisches Jahr oder das ein oder andere Examen zu bestreiten. Soviel zum Thema "nebenbei" die Doktorarbeit verfassen. Zugegebener Maßen ist es uns Medizinern schon vereinfacht. Aber im Gesamtkontext lässt sich das wie eben gezeigt schnell abwägen. Eine gute oder schlechte Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten ist dann wohl auch noch Betreuer oder Universtätssache, aber wer sich diesen zusätzlichen Stress aufbürdet und die Fähigkeiten zur Verfassung einer solchen Arbeit erlernt, der hat das in meinen Augen auch verdient. Und schließlich landet man am Ende durch bereits aufgeführte diverse Pflichten des Studiums oder von Seiten der Professoren und deren zeitlicher Verfügbarkeit doch sehr schnell bei 2-3 Jahren im Schnitt für experimentelle/ klinische Arbeiten, was ich aus meinem Bekanntenkreis berichten kann. Eine Verallgemeinerung "unserer" medizinischen Doktorarbeiten finde ich ungerechtfertigt und niemand möchte gern sich oder seine Leistung in Schubladen verurteilt sehen. Mich würde auch interessieren, wie Sie als Kollegen das sehen. Hat sich das vielleicht auch im Laufe der Zeit gewandelt? Gibt es ganz baweichende Erfahrungen als meine berichteten?

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Informationen zum Beitrag

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Allgemeines

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Promotion, Doktorarbeit, Plagiat, Studium

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23