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Antibiotika und Candida-Kolpitis bei jungen Frauen

Dr. ...
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Antibiotika und Candida-Kolpitis bei jungen Frauen

Nicht Gynäkologe bin ich auf das Thema im Rahmen einer fachl.Fortbildung für Tagesmütter gestoßen. Dort wurde von den Damen unisono die Gewissheit formuliert, dass nach so ziemlich jeder Behandlung mit Antibiotika, quasi als Nebenwirkung, eine Pilzinfektion der Vagina drohe.
Frage: Ist das eigentlich wissenschaftlich belegtes medizinisches Wissen oder eine von diesen medizinpraktischen Traditionen, die seit Jahrzehnten tradiert, aber nie mehr kritisch hinterfragt wurden? Es ist offensichtlich festgefügter Bestandteil des Laienwissens und von Heilpraktikern usw. Pathophysiologisch leuchtet dieser enge Zusammenhang mir jedenfalls nicht ein. Ich danke für Aufklärung.

Diskussion

5 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 70 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Zumindest kommt es in Zusammenhang mit Antibiotika recht häufig zu einer Candida-Infektion der Scheide, zumindest, wenn die Döderlein-Bakterien durch das Antibiotikum "mit" beseitigt werden.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Gynäkologie, TCM

Vorbeugend hilft die Gabe von Milchsäurebakterien in Form von Scheidenzäpfchen während der Antibiotika Einnahme und 3 Tage länger.Der Pathophysiologische Zusammenhang könnte also lauten
:Eradikation der normalen Vaginalflora als unerwünschte Nebenwirkung-dadurch optimale Wachstumsbedingungen für Candida, der in geringen Mengen fast immer vorhanden ist. Ob dies nun in irgendwelchen Studien bewiesen ist, kann ich nicht sagen, es kommt aber in der Tat sehr häufig vor.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendmedizin

Man behandelt doch aber sonst eine bakterielle Kolpitis mit lokaler Applikation des Antibiotikums und nicht systemisch. Doch wohl aus gutem Grund, d.h. wegen zu geringer Wirkstoffkonzentration. Ist die Döderleinflora so viel empfindlicher? oder ist da vielleicht noch ein anderer Zusammenhang denkbar, z.B.Alter und Lebensweise?

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeine Gynäkologie

Ist ja vollkommen richtig, aber die nicht-pathogene Bakterien reagieren i.A. viel empfindlicher auf Antibiotika, ausserdem werden Antibiotika haeufig zu viel, zo oft und zu hoch dosiert. Pilze reagieren nicht auf Antibiotika und leben in "Symbiose" mit den Bakterien. Werden Bakterien getoetet, koennen Pilze wachsen. Haeufig findet man auch eine relative Immunschwaeche durch den zu oft und zuviel vorgeschriebenen Antibiotika.
Oft spielt auch einen uebermass an Hygiene eine Rolle.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Herr Prof. W. Mendling (Autor des Buches "VAginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis" 2. Aufl. 2007) hat mir freundlicherweise dazu folgenden Kommentar übermittelt:
Antibiotika fördern per se nicht das Wachstum von Hefepilzen der Gattung Candida. Aber die von Bakterien beladene Scheide bei bakterieller Vaginose (BV)bekommt oft nach der Therapie mit Metronidazol eine Woche danach eine Candida albicans-Vaginitis. Auch Frauen mit Zystitis kriegen oft nach Antibiotika eine Vaginalkandidose.
Aber: dazu bedarf es einer lokalen Abwehrschwäche, gelegentlich vererbter Genpolymorphismen usw., da die Vaginalkandidose wie fast jede Pilzerkrankung eine "Erkrankung der Erkrankten" ist (Infektion = Kolonisation +Disposition). Das ist länst nicht bei jeder Frau der Fall.

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04