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Antiphlogistische Therapie bei Otitis Media

Dr. ...
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Antiphlogistische Therapie bei Otitis Media

Ist diese zur Schmerzbehandlung als symptomatische Therapie gedacht oder gibt es EBM-Daten, die bestätigen, dass Otitis Media schneller oder besser ausheilt (geringeres Komplikations-Risiko)? Mein Gedanke dazu: Die Entzündung ist vom Körper als Abwehrreaktion gedacht. Sollte die Entzündung überhaupt gebremst werden?

Diskussion

4 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 77 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Eine Otits media sollte erst dann antibiotisch behandelt werden,wennder spontane Heilungsverlauf sich verzögert. Während der Zeit des Abwartens empfiehlt sich eine homöopathische Therapie, oder wenn sich der Behandler nicht damit auskennt ggf. die Therapie mit Otovowen, oder antiphlogistisch. Die Dauer der Otits media verkürzt sich statistisch unter antibiotischer Terapie lediglich um einen Tag. ich habe bereits mehrere Kinder gesehen, die nach insgesamt über 15 Antibiotika in Folge immer noch eine putride otorrhoe hatten. Im Abstrich waren multiresistente Pseudomonas nachweisbar. Aufgrund der ziemlich darniederliegenden Immunabwehr erfolgte die Heilung erst nach mühevoller und langwieriger ( von der Kasse nicht honorierter) homöopahtischer Therapie. Wenn jede Otits media sofort antibiotisch behandelt wird werden diese Verläufe zunehmen. Mittlererweile liest man das auch als "Nichthomöopath" in jeder Ärztzeitschrift. Unbedingt erforderlich ist jedoch bei abwartender Haltung die engmaschige Kontrolle des Verlaufs.

5 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Hallo!
Hier aus der Leitline Ohrenschmerzen bei AWMF:

"Symptomatische Therapie

Systemische Analgetika
Eine randomisierte, doppelblinde, placebo-kontrollierte Multicenterstudie vergleicht den Einsatz von Ibuprofen, Paracetamol und Placebo."... "Es zeigt sich ein Unterschied bezüglich der Schmerzen am 2. Behandlungstag." "Eine Neuberechnung der Arbeit aus Originaldaten zeigt [ebenfalls] einen signifikanten Unterschied zwischen der Wirksamkeit von Paracetamol und Placebo".
"Wegen der Gefahr des – sehr seltenen – Reye-SyndromsI bei Virusinfekten wird Acetylsalicylsäure zur Analgesie bei Kindern nicht empfohlen."

Es scheint also, das NSAID eher wegen der analgetischen als der antiphlogistischen Komponente gegeben werden sollten.

Zur Antibiose:
"Antibiotikatherapie – Stand der aktuellen Forschung zum Einsatz von Antibiotika bei der akuten Otitis media
Trotz der Häufigkeit der Erkrankung sind die Therapieregime nicht einheitlich. Die Antibiotikaverschreibung variiert in den Industrieländern zwischen 31% in den Niederlanden und 98% in den USA und Australien22. Die akute Otitis media zeigt eine Spontanheilungsrate von 81%. Zum geringeren Teil verläuft die Krankheit länger, geht mit einer Trommelfellperforation einher oder tritt beidseitig auf, wobei sich die behandelte kaum von der Kontrollgruppe unterscheidet. Schwerwiegende Komplikationen treten selten und unabhängig von der Behandlungsart auf.

Im aktuellen Cochrane Review von 2004 wurden die Daten anhand von 2202 Kindern erneut bestätigt: Es gibt keine Schmerzreduktion in den ersten 24 Stunden durch die unverzügliche Gabe von Antibiotika. Innerhalb der folgenden 2-7 Tage kommt es zu einer 28%-igen relativen Schmerz- Risiko-Reduktion. Da ohnehin ca. 80% der Kinder innerhalb von 24 Stunden schmerzfrei sind, ergibt sich eine absolute Risiko-Reduktion (ARR) der Schmerzen von lediglich 5% (ARR II = 5%, NNT III = 17). (T I a)

II ARR= absolute Risikoreduktion beschreibt die Differenz der Ereignisraten (hier: 5% weniger Schmerzen innerhalb von 24 Stunden) zwischen zwei Vergleichsgruppen (hier: sofortige Antibiotikagabe vs. keine)
III NNT=numbers needed to treat bedeutet, dass die genannte Anzahl an Menschen (hier: 17 Kinder) behandelt werden muß, damit ein erwünschtes Ereignis (hier: Vermeidung von Schmerzen) eintritt.

Die Dauer des Fiebers, der otoskopische Untersuchungsbefund und die Ergebnisse tympanometrischer Messungen unterscheiden sich nicht signifikant, wenn auf den primären Einsatz von Antibiotika verzichtet wird (T I b) 24. Allerdings entwickelt ein Kind von 20 antibiotisch behandelten Kindern Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (T I a) 25.

Auch Del Mar kann in einer weiteren Arbeit keine schnellere Schmerzreduktion durch den Einsatz einer Antibiotikatherapie zeigen. Unterschiede bei Fehlzeiten in Kindergärten und Schulen treten nach seiner Untersuchung nicht auf. (T I a) 6 Dem gegenüber stehen das Risiko einer möglichen Resistenzbildung durch Antibiotika, die Bestärkung des ärztlichen Verschreibungsverhaltens im Einsatz eines Antibiotikums und die Förderung des elterlichen Glaubens, eine akute Mittelohrentzündung müsse stets mit einem Antibiotikum behandelt werden.

In einer großen Untersuchung zeigt Little (2001), dass der sofortige Antibiotikaeinsatz im Vergleich zum verzögerten Antibiotikaeinsatz bei akuter Otitis media im Kindesalter hauptsächlich einen Nutzen nach 24 Stunden zeigt, wenn in den allermeisten Fällen die Symptome bereits wieder abklingen. Bei Kindern, deren Allgemeinbefinden nur geringfügig eingeschränkt ist, ist ein abwartendes Offenhalten möglich. Dies ist auch für die Eltern akzeptabel (ebd.). Durch diese Vorgehensweise kann der Einsatz von Antibiotika zur Behandlung der akuten Otitis media reduziert werden. Bei lediglich 36 von 150 Kindern wurde das vorsorglich ausgestellte Rezept tatsächlich eingelöst, so dass 76% der verordneten Antibiotika eingespart werden konnten (T I b) 26. [...]

In einer Subgruppenanalyse versucht Little (2002), diejenigen Kinder zu ermitteln, die den größten Nutzen von der unverzüglichen Antibiotikagabe zu haben scheinen. Als Prädiktoren finden sich: Kinder mit Fieber (über 37,5°C) und Erbrechen (i.e. „krankes Kind“). Für Kinder ohne diese Symptome wird ein NNT von 23 errechnet. Kinder mit diesen Symptomen profitieren möglicherweise von einer frühzeitigen Antibiose (NNT = 3), obwohl auch bei ihnen eine 1-2-tägige Beobachtung ohne Antibiotika-Therapie möglich zu sein scheint. "



Interessanterweise "therapiert" mein neuer Klinikleitfaden Pädiatrie die Otitis media acuta in erster Linie antibiotisch behandelt, mit Ausnahme einer nur leichten Rötung des Trommelfells, die ja gut viral bedingt sein kann.

Zum Link bei AWMF: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWM ... 30 />
Entschuldigen Sie, daß ich soviel aus der Leitlinie kopiert habe, aber es ließ sich schlecht kürzen, da ich es alles für interessant und relevant halte.

Viele Grüße!

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Sehr geehrter Herr Wiesner, habe mich über Ihren Beitrag gefreut. Bin aber immer noch erschreckt, weil ich noch soviele Kinder mit bereits begonnener antibiotischer Therapie beim ersten Anflug einer otits media sehe. Sehr oft bekommen diese Kinder dann auch sofort das Reserveantibioticum Amoxyclav..... Ich hoffe, es wird bald überall zur Kenntnis genommen, daß dies nicht erforderlich ist. MFG

Dr. ...Dr. ...
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Leider sieht der Kinderarzt und Allgemeinmediziner nur selten eine akute Mastoiditis oder toxische Innenohrschädigung als Folge einer akuten Otitis media.

Wenn eine Antibiose bei O.m.a gegeben werden muß, ist amoxicillin + clavulansäure das Mittel der 1.Wahl und keinesfalls ein Reserveantibiotikum.

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Allgemeine HNO, Homöopathie, Naturheilkunde,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
otitis media, ebm-daten

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23