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Behandlung von Burnout-Syndrom

Dr. ...


Behandlung von Burnout-Syndrom

Liebe Kollegen

Befreundeter Patient berichtet mir, er habe ein Burnout-Syndrom.
Psychotherapie und SSRIs helfe ihm nicht, habe er schon probiert.
Er wolle auch keine medikamentöse Behandlung mehr, da er darunter nur zunähme. Er hasse seinen Job und wolle schon seit Jahren etwas ändern, es fehle aber der entscheidene Impuls.

Wie würden Sie verfahren?
MfG

Diskussion

5 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 71 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Welchen Job hat er denn ?
Arbeitet er in einem großen Betrieb mit Arbeitsmediziner(n) ?
Es kann durchaus sein, dass die Ursache beseitigt werden muss, also der Job, wenn er dem Patienten nicht gefällt. Da helfen dann auch keine Tabletten.

Dr. ...Dr. ...
FA für Pathologie

Wenn ich Schmerzen im Fuß habe, weil ein Pferd darauf steht, werde ich sicher keinen Schmerztherapeuten aufsuchen und auch kein Voltaren einnehmen, sondern schauen, daß das Pferd vom Fuß heruntersteigt. Wenn der Patient seinen Job haßt und er ihn vermutlich nur mit Widerstand ausüben kann, ist es sicher besser, wie auch Arzt 5961 schon meinte, den Job zu wechseln, als ein Medikament zu nehmen. Psychotherapie kann auch nicht die Lust am Job herbeizaubern und somit das Burnout rückgängig machen, sondern allenfalls klären, weshalb Ihr Bekannter so entscheidungsunfreudig ist, und ob seine Ambivalenz einen rellen unveränderbaren Hintergrund hat, den er lernen muß zu akzeptieren, oder ob es mehr die Angst vor Veränderung und Ungewißheit ist, die ihn lähmt. Wenn er noch nicht mutig genug ist, sich seinen Konflikt bewußt zu machen, wird ihm Psychotherapie auch nicht helfen.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie

Patient arbeitet als Wirtschaftsprüfer für ein großes Unternehmen, trotz seiner Abneigung gegen die Arbeit ist er erfolgreich (Beförderungen). Auffällig sind seine Schimpftiraden gegen die unmoralischen Kollegen seiner Brange, überhaupt im unternehmerischen Sektor.
Sicher lähmt ihn die Angst vor Veränderung und Ungewißheit, andereseits betont er ständig seine psychisch ernst zu nehmende Lage.
Kann man hier wirklich von einem Burnout sprechen?

LG

Dr. ...Dr. ...
FA für Orthopädie und Unfallchirurgie

Sehr geehrte Frau Keller

Vielleicht ist diese Ihre Frage teil IHRES persönlichen Dilemmas Ihrer Doppelrolle als Psychiaterin und gleichzeitig befreundete Person?
An Ihre Stelle versetzt, könnte ich mir schwer vorstellen, in diesem Dilemma die DD Unzufriedenheit mit Unmut und Erschöpfung und/oder Anteilen einer zugrundeliegenden Affektstörung mit agitiert-depressiven Zügen von einem sogenannten "Burnout" zu stellen, zu vermitteln und zu behandeln.

Ähnliche Probleme kenne ich selbst bei chronifiziert Schmerzkranken aus meinem Bekanntenkreis. Schwierig genug selbst den Überblick zu behalten, fast unmöglich dies auch zu vermitteln und die Freundschaft nicht zu riskieren.
Mir hat es geholfen, einen klaren Strich zu ziehen: "Ich helfe Dir gerne beim orthopädisch-organischen Teil der Beschwerden. Zur Frage, ob und wie sehr deine Seele unter dem chronischen Schmerz zermürbt und ob es da zusätzliche Möglichkeiten gibt, wende dich bitte an ...

MfG


MfG

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Pathologie

Bei einem echten burnout würde ich schon erwarten, daß ein Patient beruflich eher nichts mehr auf die Reihe bekommt, für Vorgänge ungewöhnlich lange braucht, erschöpft und auch erschöpfbar ist, Konzentrations- und Arbeitsstörungen entwickelt. Die auffälligen Schimpftiraden, wie sie es beschreiben, klingen mir erst mal nicht danach. Könnte evtl. auch eine narzißtische Kränkung im Rahmen einer Neidproblematik, evtl. auch bei Geschwisterrivalität in der Biographie vorliegen?

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Psychiatrie

Lieber Kollege Müller,
Dass ich in meiner Doppelrolle keinen sicheren Stand habe ist richtig (und den Gedanken hatte ich auch schon).
Es ging mir primär darum, die Selbstdiagnose "Burnout" etwas zu beleuchten, da ich damit noch gar nicht vertraut bin. Denke ohnehin daran den Pat. zu jemanden zu schicken, der sich mehr mit "beruflicher Selbstfindung" beschäftigt.

MfG

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie

Wenn es sich um einen Freund handelt würde ich mich auch aus der Behandlung und mit konkreten Vorschlägen heraus halten und das damit begründen, dass es zwischen "Freund" und "Therapeut" einen nicht überbrückbaren Rollenkonflikt gibt, aber ...

... ich würde diesem Freund einen Kollegen empfehlen, den ich persönlich für kompetent halte. Falls mir zu einem speziellen Thema niemand spontan einfallen würde, würde ich mich - als Freundschaftsdienst - umhören, da ich als Psychiater mehr Einblick in die Szene habe. Die vergleichbare Hilfe würde ich von einem Freund (Wirtschaftsprüfer) auch erwarten, wenn ich ein ernstes betriebliches Problem hätte. Auch dann wäre es nicht gut, wenn er selbst mich dazu beraten würde.

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23