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Borreliendiagnostik

Dr. ...
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Borreliendiagnostik

60-jährige,sportliche,internistisch absolut beschwerdefrei Frau ,geht wegen einer über 10 Jahre bestehender Daumengrundgelenksarthrose zum Orthopäden--es könnten auch die Zecken sein!
Obwohl die Patientin keine hatte,wird Diagnostik gemacht und ein auf 49 erhöhtes IgG gefunden.Das IgM ist mit 8 im Normbereich.Es werden auch noch diverse Immunoplots bestimmt,die alle positiv,oder sogar stark positiv sind-ohne Quantifizierung.Das Labor empfiehlt dringend eine Antibiotikatherapie durchzuführen,um eine drohende Neuroborreliose abzuwenden.
Jetzt benötige ich dringend Hilfe!!
Spätestens bei dem normalem IgM hätte ich bei der beschwerdefreien Frau die Diagnostik beendet und die IgG als abgelaufene Serumnarbe abgetan.
Muß ich jede bestehende IgG-Erhöhung zur Freude der Labore weiter abklären??
Gibt es eine zuverläßige Diagnostik-Leitlinie??

Diskussion

7 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 91 Ärzte verfolgen diese Diskussion
2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Es gab über die Borrelien-Diagnostik mal eine Ausführung dazu im Deutschen Ärzteblatt von einem Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes mit dem Fazit für mich: Sicher ist bei der Diagnostik, daß Nichts sicher ist. In ihrem Fall würde ich die weitere Diagnostik beenden und zur eigenen Absicherung die Antibiotika-Therapie durchführen, denn hierbei gehen Sie das geringste Risiko ein und die Betroffene ist nicht nur beruhigt, sondern bei einem sicherlich mal durchgemachten Kontakt und einem vielleicht nicht aufgefallenem Erythema migrans durch eine suffiziente Therapie mit DOXY 200 über 20 Tage (Verträglichkeit vorausgesetzt) ausreichend behandelt. Die Rhizzarthrose hat sicherlich nichts mit der Borrelieninfektion zu tun und man kann Ihren Unmut verstehen, evtl. nur als Erfüllungsgehilfe zu fungieren, jedoch sollten Sie selbst die Therapie in die Hand nehmen, Kontrollen in größeren Abständen anbieten (3-6 Monate z.B.) um nicht eine unendliche Geschichte ,vielleicht mit noch mehr eingebundenen Kollegen, daraus zu machen.
P.S. Die Selbsthilfe-Gruppen mokieren sich inzwischen auch darüber, daß sich die Experten über diese Thema ständig widersprechen.
Discender

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Vielen Dank für Ihre Mithilfe.Ich kenne den sehr guten Artikel aus dem Ärzteblatt und war mir bis zu meinem Fall sicher, nichts Dramatisches übersehen zu haben.
Die eigene Meinung bestätigt zu bekommen tut gut.

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Es freut mich, wenn ich Sie in Ihren Entscheidungen bestärken konnte. Hier zeigt sich auch der Vorteil eines solchen Forums, daß man ohne Umwege Meinungen und Erfahrungen austauschen kann.
Discender

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Das Fazit, daß bei der Borelliendiagnostik nichts sicher ist, kann ich nur bestätigen! Es werden meiner Erfahrung nach durch große Verunsicherung sowohl der Patienten als auch vieler Ärzte insgesamt sicher ettliche nicht dringend indizierte antibiotische Therapien durchgeführt.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Laboratoriumsmedizin

Ja, es gibt eine Art Diagnostik-Leitlinie für Deutschland. Diese ist allerdings leider schon etwas veraltet, aber momentan immer noch das beste deutsche Dokument dieser Art: die MiQ 12/2000 (Qualitätsstandards in der mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik: Lyme-Borreliose).

Gut brauchbar finde ich auch die Schweizer Leitlinien (3 Teile):
http://www.saez.ch/pdf/2005/2005-41/2005- ... 4.PDF
http://www.saez.ch/pdf/2005/2005-42/2005- ... 5.PDF
http://www.saez.ch/pdf/2005/2005-43/2005- ... 6.PDF

Den aktuellsten Stand hat die USA-Leitlinie:
http://www.journals.uchicago.edu/CID/jour ... .html

Wie man es im vorliegenden Fall auch dreht und wendet, die Borrelienserologie hätte besser gar nicht gemacht werden sollen. Falls bisher nie therapiert wurde, ist eine Antibiotikabehandlung "zur Sicherheit" meines Erachtens ebenso vertretbar wie keine Therapie - Geschmackssache sozusagen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Wir sind in unserer Praxis mittlerweile übereingekommen,daß wir nach jedem(!) Zeckenbiß Blut abnehmen,um Ausgangswerte für IgG und IgM zu haben.Nur aufgrund dieser Grundlage können wir nach dem heutigen Stand der Diagnostik festlegen,wie die Ausgangswerte sind und nur dann können wir bei Titerveränderungen entsprechend(mit Antibiotika) reagieren.Ändert sich nichts,wird nichts gemacht!

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Immer wieder interessant, dieses Thema. Ich darf mal auf die Suchfunktion hinweisen, einfach "Borrelien" eingeben und lesen. Dieses Problem wurde hier schon häufig diskutiert

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

I. Ich denke die Beschwerden der Patientin kommen nicht von einer Borreliose.
II. Da Sie aber den Titer bestimmten, denke ich, dass SIe jetzt trotzdem behandeln müssen. Früher was das Rocephin 14 Tage i.v., jetzt gibt es glaub' ich auch ne Möglichkeit oral. Und bitte nach der Therapie KEINE KONTROLLEN, weil die Titer sehr lange positiv sein können.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Infektiologie (KuJ)

Ich muss nun doch eine Lanze dafür brechen, nicht unsichere Titer kreuzreagierender Antikörper und deren Bewegungen zu behandeln, sondern eine Klinik, die zu einer Borreliose passt. Besteht eine PASSENDE Klinik, sollte ggf. eine Antikörper Diagnostik veranlasst werden (im Falle des Erythema migrans ist eine Diagnostik überflüssig), die im positiven Falle über den Western-Blot bestätigt wird. Aber bei unpassender Klinik oder bereits nach geschildertem Zeckenstich Antikörperbestimmungen abzunehmen, vor dem Hintergrund, dass 50% der Zeckenstiche gar nicht bemerkt werden, führt zu einer Fülle fragwürdiger Laborergebnisse. Schließlich sollte gezielt der erkrankte Patient und nicht der unsichere Antikörperstatus behandelt werden.

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04