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Borreliose

Dr. ...
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Borreliose

1. Sollte in jedem Fall, in dem eine Borrelieninfektion nicht durch eine Untersuchung der Zecke ausgeschlossen werden kann, eine Prophylaxe mit Doxycyclin 200 durchgeführt werden?
2. Ist die Dosierung 200 mg/die sowie eine Behandlungsdauer von 3 Wochen ausreichend?
3. Wie ist der Antikörpernachweis zu bewerten?
4. Wie wird allgemein in der Praxis verfahren, speziell in Endemie- und Nichtendemiegebieten?

Diskussion

10 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 260 Ärzte verfolgen diese Diskussion
25 von 25 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Laboratoriumsmedizin

Zu 1.)
Nein, denn das Risiko einer Borreliose beträgt dann nur etwa 3 % (in Deutschland). Die Prophylaxe wurde für Hochendemie-Gebiete in den USA entwickelt (z. B. New York, Connecticut). Dort ist die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien teilweise noch viel höher als bei uns. Die Prophylaxe basiert auf dieser Arbeit von Nadelman et al.:
http://content.nejm.org/cgi/content/abstr ... /2/79

zu 2.)
Dosierung von 200 mg/d ist Standard in der Borrelientherapie. Die Prophylaxe in o. g. Arbeit wurde allerdings nur mit einer einzigen Dosis von 200 mg durchgeführt. 3 Wochen ist für eine Prophylaxe viel zu lang.

zu 3.)
Die Sensitivität beträgt in der Frühphase (Erythema migrans) nur ca. 50 %, daher ist hier die Serologie nicht empfindlich genug. Bei der Spätborreliose liegt die Sensitivität der Serologie sehr nahe bei 100 %. Die Spezifität ist bei Verwendung einer 2-Stufen-Diagnostik (erst ELISA, dann Immunoblot) mit entsprechender Indikation (Klinik!) gut, insbesondere für den IgG-Nachweis. Isoliertes IgM ist häufiger mal auch unspezifisch. Durch Immunoblot bestätigtes IgG ist fast immer spezifisch, aber nicht gleichbedeutend mit Krankheit (auch nach erfolgreicher Therapie oder spontan ausgeheilter Infektion lange nachweisbar).

zu 4.)
In Deutschland ist die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien relativ homogen. Es gibt daher keine Unterscheidung in Hoch- und Niedrigendemiegebiete. Die Borreliose ist in ganz Deutschland endemisch. Es macht auch keinen Sinn, das Management unterschiedlich zu gestalten. Standardvorgehen für die Praxis: Bei typischem Erythema migrans nach Zeckenstich sofort mit Doxycyclin 200 mg/d für 10-21 Tage beginnen, keine Serologie (unnötig). Bei atypischem EM Serologie, bei positivem IgM-Nachweis Therapie, bei negativer Serologie Verlaufskontrolle nach 3-4 Wochen. Bei Zeckenstich ohne Symptome Beobachtung der Stichstelle durch den Pat. über 6 Wochen, bei Auftreten einer Rötung sofort Wiedervorstellung, falls EM durch Arzt bestätigt, Therapie wie oben; falls atypisches EM, Vorgehen wie oben; falls unspezifische Rötung, keine Therapie. Offen ist die Vorgehensweise, wenn kein EM auftritt: Dann kann man zuwarten und klinisch beobachten oder eine Serologie nach 3 Monaten machen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Offiziell wird erstere Vorgehensweise empfohlen (keine Serologie ohne Klinik).

7 von 8 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

I. Therapie immer, wenn entsprechende Klinik!
III. Antikörper in der Akutphase sinnlos.Kontrollen zwecklos.
II. Doxy völlig ausreichend in Stadium I.

2 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

völlig überzogen. Niemals. Und die Zecke aufBorrelien untersuchen? na, auch mehr PAnikmache aber gutes Geschäft und MArketing. In Endemiegebieten haben 30 % alte Antikörper=Serunnarbe. Nur keine Beschwerden..... Bei Erythema migrans natürl. Therapie anzuraten.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Ein toller Beitrag, Frau/Herr FataMorgana! Vielen Dank!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

sehr prägnanter artikel,
die meisten laborärzte eiern nur rum und fordern zweit-titerbestimmung

Dr. ...Dr. ...(1)
FA für Allgemeinmedizin

Ich möchte noch anfügen, dass man schon enorme Kosten produziert, die wenig schützenden Effekt für den Patienten haben, wenn man bei jedem Zeckenbiss, der 6 Wochen ohne EM bleibt, eine Serologie nach 3 Monaten macht.

Gibt es eigentlich noch andere nennenswerte Kreuzreaktionen bei den Antikörpern außer Hepatitis B? Oder ist das auch nur andersrum kreuzreaktiv?

5 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

leider gibt es keine direkte Korrelation zwischen
Serologie und Beschwerden der Patienten. Dies führt dazu,
dass viele KollegenInnen Patienten, die an Borreliose erkrankt sind, nicht adäquat behandeln. Gibt es Studien, die eine
exakte therapeutische Vorgehensweise belegen ?
Fallbeispiel: 40-jährige Patientin, häufig im Garten,
multiple Zeckenbisse, klagt über Akkomodationsstörungen,
glaubt Lesebrille benutzen zu müssen. Bekommt sie, nutzt nichts. Serologie vage.21 Tage Doxy 2x100 mg /die. Nach 8 Wochen keine Besserung, mittlerweile nächtliches Herzrasen. 21 tägige Therapie mit Rocephin,
keine Linderung der Beschwerden. Im Hinblick auf den
langen Vermehrungszyklus der Borrelien, Entschluß zu
folgender Therapie : 5 Tage Claforan 2,0, 2 Tage Pause, erneut 5 Tage Claforan, 2 Tage Pause über insgesamt 7 Wochen.
Danach absolut beschwerdefrei. Ncht Leitliniengerecht, aber
evidenzbasiert, wenn auch auf niedrigem Evidenzniveau.
p.s. die Patientin ist eine sehr nahe Anverwandte.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Hoffentlich bleibt sie das auch Herr Schöll ;)

4 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Lieber Kollege Schöll,

solche Zweifelsfälle kennt jeder Arzt, der am Thema interessiert ist.
Ich hatte einen ca. Mitte 60jährigen Patienten, der mir ohne weitere Hinweise (wie üblich) zur Demenzabklärung mit Kurzzeitgedächtnisstörungen und Wortfindungsstörungen vorgestellt wurde. In der Anamnese vor 7 Jahren hoch positives Borrelien IgG und IgM durch HA, der nichttherapierte aber ca. 1/Jahr kontrollierte.Im Verlauf verschwand IgM und IgG war niedrig positiv. Im gleichen Zeitraum stellten sich wechselnde Schmerzen in verschiedenen großen und kleinen Gelenken und im Rücken ein. 7! Orthopäden stellten verschiedene degenerative Diagnosen und therapierten weitgehend erfolglos (deswegen häufige Arztwechsel).
Nach den damaligen Leitlinien war das bei Vorstellung bei mir keine Borreliose.
Nach Rocephin 2gr iv 21 Tage verschwanden die kognitiven Symptome und 90% der Schmerzen innerhalb von 2-3 Monaten.

In der Regel kommen die Patienten aber ohne eine solche eindeutige Vorgeschichte. Inzwischen habe ich eine ganze Sammlung solcher von mir therapierter Patienten, teils mit eindeutiger Besserung nach Antibiose, teils ohne Besserung und damit initial wohl auch ohne Borreliose.
Solange die Diagnostik hierfür nicht verbessert wird das wohl so weiter gehen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Notfallmedizin

ad 1. jedes erythema chron. migrans - eigentlich klinisch sehr typisch - muss antibiotisch behandelt werden - kann auch durch andere Insekten ( ausser Zecken ) verursacht werden.
ad 2. Penicillin V 3 x 1,5 Mill E über 21 Tage Doxycyclin 200 mg/d 14 T.,
Azithromycin 1 x 500/d mg 7 Tage
ad 3. Serologie bringt in der Praxis nicht sehr viel, ECM muss ohnedies behandelt werden, als Nachweis einer ausreichenden Antibiotikatherapie m. E. nach nicht sehr hilfreich
ad 4. s. Punkt 1

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Die Frage, die sich bei der Borreliose m.E. ausschließlich stellt ist, ob eine Borreliose im Stadium II bzw. III ohne ein Erythema migrans im Stadium I auftreten kann?

Die Borreliose im Stadium I muss natürlich immer nur anhand der Klinik behandelt werden, wobei ein Erythema migrans eigentlich immer typisch ist, mit einem zentrifugal ausbreitenden, scharf begrenzten Erythem, dabei gibt es auch keine Differentialdiagnose!

Im Zweifelsfällen kann man sich mit einer kleinen Hautprobe behelfen, histologische müssen beim Erythema migrans Plasmazellen zu sehen sein, die es sonst nur noch bei der Lues gibt.

Gelegentlich können auch multiple Erythmata migrantia auftreten.

Unterschieden werden muss eine sofort nach dem Stich auftretende lokale kontaktallergische bzw. toxische Reaktion, die es auch bei anderen Insekten geben kann von einem Erythema migrans, das nach meiner gesamten Literaturkenntnis allerfrühestens 5 - (7) Tagen (bis 11 Monaten) nach Zeckenbiss auftritt.

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Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Dermatologie, Infektiologie, Neurologie,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
borrelien, doxycyclin, antikörpernachweis, borrelieninfektion, endemiegebiet

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04