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Erfahrungen mit Kyphoplastien bei Osteoporose?

Dr. ...
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Erfahrungen mit Kyphoplastien bei Osteoporose?

Ich habe jetzt öfter Patienten behandelt die aufgrund von Wirbelkörpersinterungsfrakturen eine Kyphoplastie erhalten haben. Ich bin kein Orthopäde sondern in der Inneren tätig. Wir haben diese Patienten meist aufgrund des chronischen Schmerzsyndroms.
Oft erlebe ich, dass die Intervention kein Schmerzminderung zur Folge hat, die Patienten klagen über die gleichen Beschwerden, die Schmerzskala bleibt gleich.
Wie sind Ihre Erfahrungen? Habe ich einen falschen Eindruck?

Diskussion

7 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 145 Ärzte verfolgen diese Diskussion
3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Neurologie

Ich bin in einer neurologischen Abteilung einer Klinik tätig, in der es auch eine auf Wirbelsäulen spezialisierte Orthopädie gibt. Verallgemeinern kann man natürlich nichts, aber im groben glaube ich sagen zu können, dass bei Patienten mit postoperativ unveränderten Beschwerden ("failed-back surgery") oftmals die Indikationsstellung nicht gestimmt hat. Man sollte natürlich nicht nur den im MR eindrucksvollsten Befund operieren, sondern denjenigen, der die Klinik des Pat erklärt; leider ist gerade das nicht immer der Fall! Nicht selten sehen wir Patienten mit multifokal schwerst veränderten Wirbelsäulen, bei denen die Beschwerden mitnichten durch den eindrucksvollsten Befund zu erklären sind! Umgekehrt ist es natürlich auch nicht immer mit dem kleinsten Eingriff getan, da je nach Befund die postoperative Dekompensation der anderen -noch nicht klinisch auffälligen- WS-Segmente vorprogrammiert ist. Fazit: Wirbelsäulen OPs gehören meines Erachtens in ein Zentrum in dem gerade die chronischen Fälle fachgebietsübergreifend diskutiert werden. Zu ihrem Fall: Es soll auch den "osteoporotischen" Schmerz geben, wobei mit dessen pathogenese nicht so richtig klar ist. Ferner ist an chronifizierte Schmerzpatienten mit nicht zuletzt somatisierender Beteiligung zu denken; -dann gibt es natürlich noch die selteneren DD, wie z.b ein Plasmozytom mit diffusen Knochenschmerzen etc...

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Neurochirurgie

Über den Link: http://www.spine-health.com/Videos/Treatm ... .html
können Sie die Verfahrenstechnik anschauen.
Natürlich sind multilokalisierte Osteoporose-induzierte Wirbelkörperfrakturen nur in der groben WK-Struktur durch eine Formrekonstruktuon der WK kyphoplasty-erreichbar. Die "Mikrofrakturen" der knöchernen Trabekel sowie die noch nicht formändernden Veränderungen der WK`s auch Grund / Deckplat- teneinbrüche, foraminale Stenosen sowie Bandscheiben-Läsionen werden von einer solchen chirurgischen Maßnahme nicht erfasst. Gute Erfahrungen sind mit der Verabreichung von Bisphosphonaten 1X 14-Tägig IV und unterstützend: Paracetamol/Codein in Saftform (ohne Konservierungs- stoffe!)geben eine gut erträgliche Verlaufsform für die Patienten. Fentanyl-Pflaster, Morphinderivate, Tramal u.ä. bringen keine erträgliche Schmerzkompensation und verschlechtern eher die Lebensqualität der Patienten.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Orthopädie und Unfallchirurgie

Sehr geehrter Kollege/Kollegin Neurosurgeryhi

Ich stimme völlig mit Ihnen überein, dass Paracetamol bei alten Menschen ein gut verträgliches Analgetikum ist, das auch ordentlich wirkt, wenn die Dosierung ausreichend ist. Außerdem gibt es praktisch keine relevanten Interaktionen mit anderen evtl. eingenommenen Pharmaka. Hier sind große Vorteile der Patientensicherheit gegenüber den üblicherweise eingesetzten NSAR, - welche unbestritten gut gegen den wimmernden Dauer-Ruheschmerz im eingebrochen geschwollenen Wirbel wirken. Gegen massive nozizeptive Belastungsschmerzen, das teilweise vernichtend heftige Stechen bei der Mobilisierung, helfen weder das Paracetamol, noch die NSAR befriedigend.

Aber: warum empfehlen Sie die Fixkombination des Paracetamol mit Codein? Bei getrennter Gabe ist doch ein fixer Sockel Paracetamol und nach konkretem Bedarf addiertem Codein besser wirksam zu steuern. Auch die Argumentation, dass Morphin im Gegensatz zu Codein "keine erträgliche Schmerzkompensation" bewirke, mag mir nicht so recht einleuchten, da erst die hepatische Umsetzung des kaum wirksamen Prodrug Codein zu seinem aktiven Metaboliten Morphin die gewünschte Wirkung macht.

Völlig einig bin ich wiederum mit Ihnen hinsichtlich Tramadol : Dieses setze ich bei alten Menschen ungern ein, da die gelegentlich auftretende dysphorisch-agitierende Komponente in der Aktuschmerzbehandlung massiv stören kann und Tramadol mit seiner NW "SRI" bei alten Menschen (andere SRI, hier auch Johanniskraut, sowie Parkinson-Komedikation?) immer wieder Ärger macht.

Insofern gehe ich in meiner Praxis bei der ambulanten Betreuung alter Menschen mit osteoporotischen WK-Impressionen mit erhaltener Wirbelhinterkantenhöhe von folgendem Schema aus:
1. Lumbalstützbandage mit Pelotte, um von lumbal mehr Muskelstabilität zu schaffen, stabilere Korsette nur im Einzelfall
2. Paracetamol z.B. 1g bis 3x/24h, zusätzlich nach Bedarf Tilidin Trpf zB bis 4x 20, ggf (nur zur Nacht!) ein NSAR kurzer Substanz-HWZ in retardierter Form (zB Ibu 800, Diclo 75)
3. KG mit Hausbesuch, sofort organisiert, damit noch am gleichen Tag Aufstehen, Niederlegen, Anlage der Bandage, Hinsetzen und Aufstehen, und leichte Spannungsübungen erlernt wird
4. Einschaltung der Bezugspersonen, je nach sozialer Situation ambulante Pflege zur sicheren Körperpflege

Jetzt hat uns der Faden ziemlich weit weg geführt von der Kyphoplastie, aber so sind "Gespräche" halt. Mit freundlichem Gruß!

Dr. ...Dr. ...
Orthopädie und Unfallchirurgie

Sehr geehrter Kollege,
wie immer, muss die Indikation stimmen: also Klopfschmerz ber dem radiologisch gesinterten WK mit Ödem im MRT. Ich habe aber auch schon 2 Pat kyphoplastiert, die 3! Jahre nach Sinterungsfraktur mit rez. Beschwerden trotz intensiver kons. Therapie, bei neg. Ödem im MRT, nach der Kyphopl. VÖLLIG beschwerdefrei wurden. Seitdem habe ich die Indikation für mich erweitert. Wichtig ist das Versagen der kons. Therapie (incl. Inj.-Therapie etc.)
MfG

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Zahnmedizin

Ich kann die Erfahrungen meiner Vorredner nur bestätigen: Wir sehen in der Klinik eindrucksvolle Beschwerdebesserungen nach Kyphoplastie - wenn die Indikation stimmt. Voraussetzung ist daher bei uns auch ein stimmiges Bild aus klinischer Untersuchung, Beschwerdeverlauf und Bildgebung. Bei Unklarheiten führen wir auch zunächst eine Injektionstherapie durch. Bei chronifizierten Schmerzen / "Schmerzsyndrom" kann die Kyphoplastie aber sicher nur ein Teil eines multidisziplinären Therapieansatzes sein.

Mit besten Grüßen

Dr. ...Dr. ...
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Bei den o.g. Verfahren zur Behandlung des Schmerzbildes einer Osteoporose mit Beteiligung der WK kann ergänzend Calcitonin (50i.E. - 100i.E./d)injiziert werden. Es kam bei einigen Pat. zu einer weiteren Remission der Beschwerden. Insbesondere bei der Nachbehandlung nach Kyphoplastien b. d. meist älteren Patienten. In Studien zeigt sich eine höhere Wirksamkeit b. der i.V.-Applikation (cave:diff. Dosierung), allerdings rät die Erfahrung u. Praxis zu einer i.m.-Gabe um NW (wie Schwindel,Übelkeit u. Kreislaufaffektionen)zu umgehen.

Dr. ...Dr. ...
FA für Neurochirurgie

Auch ich sehe deutliche Besserungen seitens der Schmerzen nach Kypho- oder Vertebroplastien- selbst nach 2 Jahren, so dass sich der Eingriff wohl doch bei unveränderten Beschwerden trotz Med u.ä. lohnt.

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Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Orthopädie und Unfallchirurgie, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt),

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
wirbelkörpersinterung, kyphoplastie, osteoporose

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23