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ESBL in Operationswunde

Dr. ...


ESBL in Operationswunde

Ein Patient mit Zustand nach iatrogenem Arteria femoralis Aneurysma nach Herzkatheteruntersuchung hat im Rahmen einer langen Hospitalisierung nun in der Leistenwunde (es wurde ein Bypass eingesetzt) einen ESBL Keim, die Wunde ist reizlos, es tritt minimal Sektret aus, evtl. über einen kleinen Fistelgang.

Abgesehen von dem Befund weisst er paraklinisch keine Hinweise auf eine Entzündung auf - kein Fieber etc.

Muss/ Kann/ Soll man diesen Keim nun behandeln? Das Problem ist ja auch, dass er während des weiteren Aufenthaltes die ganze Zeit isoliert sein muss und so weitere Komplikationen , z.b . durch mangelnde Mobilisation zu erwarten hat.

MFG

Diskussion

3 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 12 Ärzte verfolgen diese Diskussion
Dr. ...Dr. ...
Hygiene und Umweltmedizin

Bei ESBL_bildenden Erregern handelt es sich um eine Form der Multiresistenz, solange der (multiresistente) Erreger keine Infektion macht sondern den Patienten "nur" kolonisiert, ist keine spezifische Therapie bzw. "Sanierungsversuch" erforderlich. Im Gegensatz zu MRSA gibt es bei ESBL auch kein etabliertes Vorgehen zur Sanierung. Behandlung der Wunde z.B. aseptisch so wie üblich - die klinische Konsequenz aus der ESBL-Besiedlung ist also:
1.) für den Patienten: bei Infektionszeichen - zB. Sepsis - an den ESBL denken und initial die Behandlung mit einem ESBL-wirksamen Antibiotikum (z.B. Imipenem) in Erwägung zihen
2.) für Mitpatienten (im Akutkrankenhaus): Hygiene! ggf. Einzelisolierung, damit der ESBL nicht auf andere (gefährdete) Patienten übertragen wird, was med. und rechliche Konsequenzen haben könnte. Gefährdet sind Patienten mit anstehenden Operationen, beatmete, ZVK-Träger, Immunsuppression (Onkologie) usw.
Personal und die meisten mehr oder weniger gesunden sind duch ESBL nicht speziell gefährdet.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Im gleichen Sinne wie Kollege Brandt finden sich auch sehr ausführliche Maßnahmeempfehlungen beim niedersächsischen Landesgesundheitsamt:

http://www.nlga.niedersachsen.de/master/C ... .html

Dr. ...Dr. ...
Kardiologie, Pulmologie

Vielen Dank für die Antworten. MFG

Dr. ...Dr. ...
Hygiene und Umweltmedizin

Vermutlich befinden sich die ESBL-bildenden multiresistenten gramnegativen Bakterien (kurz ESBL) nicht nur in/an der Wunde sondern ein typisches Reservoir ist auch der Darm. Eine aktive "Sanierung" oder "Dekolonisation" wie bei MRSA ist bei ESBL nicht möglich - es besteht die Chance dass der Patient die ESBL aus dem Darm spontan verliert, erfahrungsgemäß dauert das eher Wochen als Tage und gelingt nur, wenn zwischenzeitlich keine antibiotische Therapie erforderlich wird, die Selektionsdruck auf die Darmflora ausübt. Die Leistenwunde ist wenn oberflächlich einer antiseptischen Behandlung (z.B. Octenisept, Lavasept,..) zugänglich. Sollte sich doch in der Tiefe um das Implantat herum der Eiterherd befinden, wäre das problematisch, denn dorthin gelangen weder die lokal/äußerlich applizierbaren Antiseptika noch schafft eine systemische Therapie eine sichere Sanierung des Herdes. Bei chirurgischer Indikation muss die i.v.Gabe von (Reserve-)Antibiotika (hier bei ESBL kommen im wesentlichen Carbapeneme d.h.Meropenem oder Imipenem in Frage). Eine sichere Dekolonisation von tiefen Wunden oder des Darmes kann damit nicht erreicht werden. Somit bleibt nur das abwarten unter lokaler antiseptischer Therapie. Im Akutkrankenhaus wird der Patient isoliert werden müssen, damit er den Erreger nicht weitergibt, ein Verlassen des Zimmers zum Üben auf dem Flur mit frischem sauberen Verband und desinfizierten Händen sollte ermöglicht werden, der Erreger wird ja als schmierinfektion und ggf. fäkal übertragen und nicht aerogen. Für die Rehaklinik halten es viele Hygieniker für nicht erforderlich die Patienten streng zu isolieren - was eine Rehamaßnahme unmöglich machen würde - , andere Hygieniker sehen das anders, und da es seitens der Aufsichtsbehörden (Robert-Koch-Institut) keine verbindlichen Vorgaben gibt weigern sich viele Träger von Rehakliniken aus Angst, die ESBL-Träger aufzunehmen.

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04