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Internet und Patienten: Segen oder Fluch?

Dr. ...
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Internet und Patienten: Segen oder Fluch?

Das Internet ist ein Fluch und bedeutet Mehrarbeit für mich. Die Patienten wollen mir heute vorschreiben, wie ich operieren und behandeln muss, da sie alles aus dem Internet wissen!

Diskussion

11 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 67 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Ich persönlich arbeite gern mit informierten Patientinnen. Und letztlich ist es unsere Kunst und jedes Mal eine kleine Herausforderung, dass der Patient genau das wünscht, was wir für ihn als richtig ansehen. Also deswegen würde ich nicht das gesamte Internet verfluchen...

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Ob nun Internet, Gesundheitsmagazine oder Illustriertenkolumnen, wer den mündigen Patienten bisher nicht kennt und ihn bei den diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen nicht mitdenken läßt, wird immer Probleme damit haben. Es ist vielleicht unbequem, jedoch dient es auch unserem eignen Wissensstand (QMP läßt grüßen).
Discender

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Die meisten Pat. sind trotz Internet schlecht informiert, mit Halbwissen und Falschinformationen verunsichert.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Hier ist Gelassenheit gefragt ! Als Arzt mit Ausbildung und v.a.Erfahrung autentisch bleiben und mit Patienten sprechen hat noch nie geschadet. Sicher es ist ein Mehraufwand aber auch eine neue Herausforderung.
Auch ich kenne das. v.a.in meinen Notdiensten, wenn mir Patienten nach Internetrecherche sagen ."ich glaube ich habe. Krankheit xy....." Ich lehne mich dann erst mal zurück und sage, dass ich die Diagnose stelle, sofern mir das gelingt - und jetzt bitte ich erstmal um Bericht der Beschwerden ....schon sind wir beide (Arzt und Patient) weg von der Internetdiagnose ! Auf weiteres lasse ich mich nicht ein

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Orthopädie und Unfallchirurgie

Grundsätzlich muß man auch mit dem "informierten" Patienten umgehen können. Aber das Internet wird nie die gezielte Anamnese oder körperliche Untersuchung ersetzen können. Die Differetialdiganose und -therapie wird auch langfristig ureigenste (fach-)ärztliche Leistung bleiben. Z.B: Kreuzschmerz: Statik, Psyche, Muskeln, Sehnen, Facetten, Bandscheiben,...

2 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Grundsatz: Gelassen bleiben!

Es gibt ja zwei Grundtypen:

Der "maligne" Patient weiß alles, was für seinen Fall nun nötig ist aus dem Netz und will das auf Biegen und Brechen durchsetzen, auch wenn man sein Halbwissen versucht zurechtzurücken. - Diesem gebe ich dann immer freundlich lächelnd den Rat, er solle sich doch vom Internet behandeln lassen, das würde ihn nicht einmal Praxisgebühr kosten.

Dem "benignen" Patienten, der freundlich nachfragt, wie er das im Internet gelesene einordnen soll, berate ich gerne und stelle seine meist mißverstandenen Informationen auf solide Füße. Meist lächelt er dann und sagt: "Na das haben die aber dann doof beschrieben im Netz" - Meine Reaktion: "Sehn Sie, wären Sie mit Ihren Fragen gleich zu mir gekommen, hätten Sie viel Nerven gespart. Beim nächsten Mal schreiben Sie sich die Frage auf und wenn es ganz dolle drückt, dann sehn wir uns eher." (Kostet weniger Zeit trotz des Sondertermins und schont auch meine Nerven).

Noch besser ist, der internet-Suche vorzubeugen: Bei der Eröffnung von Histologien oder OP-Notwendigkeiten bespreche ich erst die Basics und gebe Informationmaterial mit, von dem ich weiß, daß es gut ist; verweise dann kurz aufs internet und die unheimlich vielen Einträge, die man bei Google unter dem die Krankheit entsprechenden Stichwort findet und die einen alle nur verwirren. Abschiedssatz: "Also lesen sie lieber die kleine(n) Broschüre(n), die ich ihnen gebe und dann kommen Sie in 2 Wochen mit allen Fragen, die offen sind, wieder und fragen mir Löcher in den Bauch!"

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Ich stimme Arzt 4140 zu. Den Typ Besserwisser gibt es allerdings mit und ohne Internet. Auch allgemeine Bauernschläue, Nachbarschaftstreffen und die YellowPress sind häufig die Informationsquellen.
Grundsätzlich sind mir informierte Patienten sehr lieb, aber leider suchen viele Patienten dann eher einen Erfüllungsgehilfen als einen Helfer. Da habe ich dann so meinen Rollenkonflikt.
Wenn es ganz hart kommt, dann frage ich den Patienten, was er denn von Beruf sei und ob ich den im entsprechenden Medium auch "mal eben so" lernen könne.
Meist kommt dann ein verschmitztes Lächeln - und bei den Beleidigten spare ich meist Verordnungen für Wellness-Medizin.

Dr. ...Dr. ...
Kardiologie

Die Qualität von medizinischen Informationen für Patienten im Internet ist oft nicht nachvollziebar. Ein neuerer Ansatz dem zu begegnen kommt vom IQWiG in Köln:

http://www.gesundheitsinformation.de/gepr ... .html

Ich freue mich auf konstruktive Kommentare dazu!

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Die Seite des IQWIG scheint mir sehr empfehlenswert, weil keine Verkaufsinteressen ersichtlich sind, aber ich gebe den Patienten selber keine Adressen, denn sie wollen ja gerade "unabhängige" Meinungen hören.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Gut informierte Patienten machen eigentlich weniger Arbeit, man muss nämlich nicht mehr alles erklären. Manchmal muss man
was gerade rücken.
Nachteilig empfinde ich die doch häufig nicht geringe Verunsicherung oder doch erghebliche Ängstigung durch
veraltete oder Falschinformationen.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Ich bin hier doch etwas überrascht.

Ich für mich kann jedenfalls behaupten, wenn irgendwann einmal ein Patient kommen sollte, der mehr wüßte als ich, gäbe es eigentlich nur 2 Möglichkeiten: den Beruf aufgeben oder gleich tot umfallen.

Zugegeben letztere Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, wenn nicht eher auszuschließen. - Wie sollte denn ein vollständig laienhafter Patient, ohne jegliche medizinischen Vorkenntnisse aus den unstrukturierten Informationen des Internets derartige Informationen ziehen können, um meine eigenen über Jahre bzw. Jahrzehnte erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu übertreffen?

Ich sage meinen Patienten daher immer, der Einzige der hier die Diagnosen stellt und damit auch die Therapie festlegt, bin ich.

Ganz schlechte Erfahrungen mache ich regelmäßig damit, den Patienten in die Entscheidungsfindung einbeziehen zu wollen, um dann immer wieder zu hören "Sie sind doch der Arzt".

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Seit ich diese Anekdote gefunden habe, reagiere ich hin und wieder ähnlich bissig:

Der Philosoph und Arzt Markus Herz (1747-1803) hörte, ein früherer Patient sei dazu übergegangen, sich anhand von medizinischer Fachliteratur selber zu behandeln.
"Er wird noch an einem Druckfehler sterben", meinte Herz.

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Allgemeines,

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internet, patienten, behandlung

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04