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Lebenslange Arztnummer und anderer Unfug:Boykott!

Dr. ...
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Lebenslange Arztnummer und anderer Unfug:Boykott!

Ab 1 Juli sollen wir Ärzte gleich z w e i zusätzliche Nummern die uns identifizieren auf alle Abrechnungscheine hinzufügen.
Dies mag vielleicht sinnvoll sein wenn ein Kollege eine Zweigpraxis hat.

Für alle anderen Ärzte ist dies eine sinnlose Schikane.

Ich als noch von Hand abrechnender Arzt (in Berlin cirka 500 noch) soll jetzt von Hand auf jeden Abrechungsschein nicht nur meinen Stempel aufbringen der mich hinreichend identifiziert sondern noch gleich

zwei

zusätliche Nummern!!


Ich rufe alle zum Boykott auf. Meine E-Mail: Conzelmann-Arzt@gmx.de

Diskussion

5 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 126 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Als Inhaber einer scheinstarken Praxis halte ich das Abrechnen mit der Hand ja für einen Anachronismus, weil drei mal Knopfdrücken am PC und Diskette einlegen einfach schneller geht

Vor allem die Schreibarbeit bei den vielen Formularen möchte ich meinen Helferinnen nicht mehr zumuten.

Aber eh Sie, Kollege Conzelmann, sich nur weiter aufregen und Ihre wertvolle psychiche Gesundheit opfern einen Rat:

Lassen Sie sich einen Stempel mit beiden Nummern anfertigen, dann sind die auch schnell auf dem Formular.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Auch für meine seit 1999 voll digitale Praxis ergibt sich mehr Aufwand, allerdings nicht bei der Abrechnung.
Als Doppelfacharzt habe ich zwei LANR, des weiteren für jedes Fach eine Betriebsstättennummer und eine Nebenbetriebsstättennummer, also insgesamt 4 Profile für mich in der EDV. Diese müssen bei Anlage eines Scheines oder Eintrag von Leistungen jeweils voreingestellt werden, So kommen täglich für meine Angestellten und mich ca. 20 Minuten zusammen, hochgerechnet auf das Quartal also gut 20 Stunden.
Diese gehen direkt von der GKV-Versorgung ab, da ich schon lange nicht mehr bereit bin, die Verschiebung von Verwaltungtätigkeiten abends oder am Wochenende zu kompensieren.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

der begriff "lebenslange arztnummer" läßt eigentlich eine personenbezogene nummer und nicht eine auf die facharztqualifikation bezogene nummer erwarten. insofern halte ich die zwei nummern (LANR) für den kollegen sievers für einen der berüchtigten geburtsfehler des systems. wenn er allerdings system hat, dann sollte man es den medien zum fraß vorwerfen. das ergibt eine feine glosse bei extra-drei oder quer oder frontal

5 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Die Einführung der genannten Nummern ist ein politischer Akt, der nur im Zusammenhang mit dem Umbau des Gesundheitswesens von der patientenorientierten- zur renditeorientierten Sicht zu verstehen ist. Denn dieses Instrument lässt folgende Kontrollen zu, die dann zu weiteren Knebelungen zu gebrauchen sind:
Welcher Arzt einer Gemeinschaftspraxis/Praxisgemeinschaft ist wann wo tätig und macht was? Es können damit Zeitprofile erstellt werden, Plausibilitätskontrollen mit fremddefinierten (Kasse, Kv, Politik) Plausibilitäten. Mit Erhebung dieser Daten ist dann sehr gut die Steuerung der ärztlichen Tätigkeit nach politischen Vorgaben noch besser als schon jetzt möglich. Zusammen mit der eCard ist dann die Möglichkeit eines tiefen Eingriffs in das Arzt-Patientenverhältnis gegeben.
Deswegen, Kollegen, es geht um weit mehr als um einige Unannehmlichkeiten oder Geburtsfehler sondern um ein weiteres Steuerungsinstrument.
Wacht auf aus Eurer Blauäugigkeit!!!!!

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Die neuen Nummern helfen aber auch gegen Mißbrauch vor allem in den großen MVZ. Dort wurden bisher spezielle Abrechnungsbefugnisse unter der Nummer des MVZ einfach von allen abgerechnet, auch von denen, die eigentlich gar nicht die Voraussetzungen dafür erfüllten.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Natürlich hat solch eine Kontrolle über die LANR und BSNR auch ihre guten Seiten, aber die, die betrügen wollen,werden immer Möglichkeiten finden. Die katastrophalen Abrechnungsbedingungen mit Punktwertverfall, unbezahltenLeistungen usw. mögen animieren , aus purer Not "großzügig" zu verfahren - Abrechnung bei inkompletter Leistung u.a.Auf der anderen Seite wird wieder mehr gemacht als bezahlt wird , um den Patienten gerecht zu werden, was z.B. in Niedersachsen zu Rückzahlungsforderungen der Krankenkassen wegen zu hoher Medikamentenverordnung gehen kann. Ja, essen wir Ärzte denn die Medikamente selbst?
Es ist ein durch und durch marodes System, aber ich sehe nicht, dass es unter Verbänden wie MEDI o.a. besser werden kann.
Sicher ist. der Staat wird immer mehr an Einfluss gewinnen, bzw. die, die hinter dem Staat stehen. Dazu gehört nach einem kürzlich erschienenen Brief eines Kollegen der Bertelsmann-Konzern. der inzwischen in viele Entscheidungen im Gesundheitswesen "hineinregiert", auch über die Person Merkel. Die Absichten des Konzerns klingen ja auch recht edel...
Wer wird sich dann um die wirklich Kranken, Armen, an Körper und Seele leidenden Menschen kümmern?
In Friedrichshafen/Bodensee wird demnächst ein Teil des Klinikums mit Hotelcharakter eröffnet, für die, die mehr zahlen können, für die "Elite".
Ich hoffe, auf diesem Wege vielleicht Kontakt zu Kollegen zu finden, die nicht nur über die persönlichen Belastungen durch die Umstellungen im Gesundheitswesen jammern, sondern den Zusammenhang erkennen mit dem gesamtgesellschaftlichen demokratiefernen Umbau.

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Lieber dok9617,
lesen Sie das Buch "Der verkaufte Patient" von Renate Hartwig. Bei aller berechtigten Kritik an diesem Buch werden Sie dort sehr viel über die Zusammenhänge und den Umbau im Gesundheitssystem erfahren. Beim Ziehen von Vergleichen mit den Entwicklungen, welche sich tag-täglich in anderen Gebieten zeigen erkennt man recht schnell das gemeinsame Grundmuster. Es fällt dann sehr schwer, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
Gruß
Ihr Buchendoktor

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Öffentliches Gesundheitswesen

...zum gleichen Kontext ist - "Gesundheitspolitik ohne Rezept" Autor: Nikolaus Nützel - sehr zu empfehlen.

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Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Dies & Das, Allgemeines

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23