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Penicillinallergie in der Anamnese

Dr. ...
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Penicillinallergie in der Anamnese

Liebe Kollegen,

wie jeder weiß, geben Patienten häufig eine Penicillinallergie an. Bei genauerem Nachfragen, hatten sie dann mal "ein Ausschlag in der Kindheit", aber wissen sonst nichts Genaueres.
Kann man es da nicht auch einfach mal wagen trotzdem Penicillin zu verschreiben?
Wie handhaben Sie solche Fälle?


Viele Grüße

Diskussion

3 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 48 Ärzte verfolgen diese Diskussion
3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Es gibt ja doch das eine oder andere Ausweichantibiotikum, wieso sollte man in der Praxis dann riskieren, trotzdem ein Penicillin zu verschreiben.

Aus allergologischer Sicht nahezu vollständig inert dürften z.B. die Cephalosporine ab der 3. Generation mit 3 Seitenketten gelten, z.B. das Cefpodoxim. Reaktionen auf antigene Determinanten des Betalaktam-Ringes scheinen vor allem bei den Cephalosporinen mit langen Seitenketten seltener zu sein, da diese möglicherweise die antige Struktur des beta-Laktam-Ringes abschirmen.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Eine allergische Reaktion kann ja immer mal ziemlich schrecklich ablaufen.-Auch "nur ein Hautausschlag" wäre für Patienten belastend und würde zur Änderung der Therapiue zwingen.-Also ganz sicher bei entsprechender Vorgeschichte kein Penicillin.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Wenn es ganz dringend ist, die Diagnose Penicillinallergie zu sichern (Schwangerschaft z.B.) dann ist die Möglichkeit eines serologischen Nachweises von Antikörpern möglich. Jedenfalls bietet das unser Labor an. In der Praxis benötige ich dies selten und weiche aus, wie die Kollegen auch.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Unsinn! Eine Penicillinallergie kann nicht einem serologischen Nachweis von Antikörpern gesichert werden.

Bei V.a. Vorliegen einer Typ I-Reaktion (anaphylaktische Reaktion in der Anamnese) müssen neben der Bestimmung des spez. IgE gegen Penicilloyl G un V, Amoxicillin und Ampicillin auch eine Prick- und ggf. Intrakutantestung mit den PPL- und MDM-Mischungen durchgeführt werden. Leider gibt es dafür in Deutschland kein vertriebenes Test-Kid mehr. Bei negativem Ausfall all dieser Testungen könnte jedoch mit einer über 90 % Wahrscheinlichkeit das Penicillin wieder problemlos eingesetzt werden. Ganz 100 % liegt man nur bei einer oralen Provokationstestung. - Problematisch ist dabei lediglich, dass zahlreichste Todesfälle bei erneuter Penicillingabe bei anamenestischer anaphylaktischer Reaktion beschrieben sind.

Zur Abklärung eines Arzneimittelexanthems nach Penicillin kann man entweder einen i.c.-Test mit Spätablesung durchführen, einen Epikutantest oder auch einen (ausnahmsweise) gut standardisierten LTT.

Alles sehr aufwendige Proceduren.

Eine zwingendende Indikation für eine Penicillin-Therapie gibt es m.W. nur für die Lues III.

Bei einer anamnestisch gut gesicherten anaphyaktischen Reaktion (Urtikaria, Atemnot etc.) würde ich daher immer einen Allergiepass auf Penicilline und Cephalosporine ausstellen, mit dem Hinweis, dass Cephalosporine ab der 3. Generation mit 3 Seitenketten (wie z.B. das Cefpodoxim) gut verträglich sind. - Eine Testung wäre hier allenfalls für mich von akademischen Interesse.

Bei einem Arzneimittelexanthem nach Penicillin (makulös oder makulo-papulös) kann man entweder testen oder auch nicht. Problem ist dabei, dass die Reaktionsweise häufig unklar ist. Es gibt die Möglichkeit einer Typ IV-Reaktion oder wie z.B. nach Amoxicillin und EBV einer Intoleranzreaktion. - Eine Testung bringt daher in den allermeisten Fällen keine wesentlichen Informationen, da in der Regel (falsch?) negativ.

Wenn man sich also z.B. nach Amoxicillin und Ampicillin sicher wäre, dass es sich doch um einen Virusinfekt gehandelt hat (was ja aber eigentlich eine Kontraindikation gewesen wäre! und nicht um eine Allergie (die typischerweise nach 6-8 Tagen auftritt), könnte man das Präparat wieder geben. Im Gegensatz zu einer Typ I-Allergie wird jedoch bei erneuter Gabe von Penicillin nach einem Arzneimittelexanthem maximal wieder ein Exanthem beobachtet, lediglich in Einzelfällen ist eine TEN beschrieben.

In der Praxis würde ich daher jedoch bei anamestischer Angabe eines Arzneimittelexanthems nach Penicllingabe auch ein Ausweichantibiotikum verordnen.

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Dermatologie, Allgemeinmedizin,

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penicillinallergie

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letzte Änderung: 1.1.1970 1:00