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Scharlach....

Dr. ...
Dr. ...
FÄ für Neurologie
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Scharlach....

...mal eine ganz blöde Frage an die Pädiater, Internisten und Allgemeinmediziner . Ist Scharlach gerade auf dem Vormarsch? Hab jetzt schon öfter Patienten mit Scharlach gehabt. Meistens die ganze Familie betroffen zumindest mit der Tonsillitis.

Symptome (ich habe mich belesen) wie Himbeerzunge, Ekzem etc. sind nicht alle aufgetreten. Ist dies üblich? Haben Sie viele Scharlachpatienten zur Zeit? Nur mal so aus Interesse.
MfG

Diskussion

6 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 371 Ärzte verfolgen diese Diskussion
3 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Orthopädie und Unfallchirurgie

Ob die Infekte per se häufiger sind, weiss ich nicht.

Seit Einführung der Rachen-Abstrich-Schnelltests ist die Diagnose dieser Untergruppe von Streptokokken-Infekten einfach - und wird folglich schon bei einer Angina entsprechend häufiger gestellt als das von Ihnen geschilderte Vollbild auftritt.
Auch wir Orthopäden dürften an der von Ihnen berichteten Häufung beteiligt sein, wenn in der Suche nach der Ursache des "dicken Knies ohne Verletzung" oder des "Hüftschnufens" beim Kind entsprechende Serologie gemacht wird und dann auch hin und wieder chronisch rez. Streptokokken-Infekte dingfest gemacht werden.

10 von 10 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendmedizin

In Endemiezeiten tragen 20-25% aller Personen Gruppe-A-Streptokokken ( GAS ) im
Nasen-Rachen-Raum. In "normalen" Zeiten sollen es aber auch bis zu 20% sein.
Jetzt stellt sich die Frage ob ein Patient mit Halsschmerzen und positivem
Strep.-A-Test bei fehlendem Fieber, nun auch wirklich eine Streptokokkenpharyngitis
hat? Ich denke NEIN. Für mich wären als spezifische Kriterien ganz wichtig:
1. rascher Beginn
2. Schluckbeschwerden ( nicht unspezifisch: Halsweh )
3. große, gerötete und belegte Tonsillen
4. vergrößerte Halslymphknoten
Der Streptest bestätigt dann meine Diagnose: Streptokokkenpharyngitis

Wenn man so siebt, und dann die klassischen Scharlachfälle dazunimmt, würde
ich meinen, keine Häufung in letzter Zeit zu erleben.

Was mich bei meinem Vorgehen jedoch grübeln läßt,ist die Frage: Sind Streptokokkenträger die eine Tonsillopharyngitis viraler Genese haben
ohne Antibiose derart gefährdet wie Scharlachkranke? ich weiß nicht wie hoch aktuell
das Risiko ist, an rheumatischem Fieber zu erkranken. Früher sollen -laut
Lehrbuch- weniger als 3% der A-Streptokokken Erkrankten auch RF
bekommen haben. Heute soll RF extrem selten sein! So versuche ich mein
Handeln an klinischen Symptomen auszurichten und nicht unbedingt an einem
positiven Strep-A-Test.

1 von 6 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Neurologie

Wenn ich das richtig sehe, dann ist es doch besser einen Patienten zuviel mit Antibiose zu behandeln als einen zuwenig. Eben wegen der sekundären Risiken. Richtig?

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Kinder- und Jugendmedizin

Ja und nein! Ich helfe mir, indem ich bei einer Tonsillopharyngitis, zumal wenn kein Fieber besteht, keinen Strep-A-Test mache, der mich in meiner therapeutischen Entscheidung
einengt. Ich denke die früher genannten Kriterien ( plötzlicher Beginn, Fieber.......)
engen die Diagnose Tonsillopharyngitis durch GAS so stark ein, daß der Rest mit ruhigem
gewissen antibiotisiert werden kann.

p.s. Methylpenicillin ( infectobicillin 750) schmeckt gut und wird in einer Dosierung von
50000 I.E./kg KG/Tag in 2 Gaben verabreicht. Die Compliance ist gut, obwohl die Therapiedauer 10 tage beträgt.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Palliativmedizin

Scharlach: Erreger sog "Scharlach-Streptokokken", welche ein Toxin bilden dass durch einen lysogenen Bakteriophagen kodiert wird. Nicht nur A-Streptokokken, sondern auch c- und G-Streptos.(1%) sowie S.aureus.
nach: H.E.Müller-Die Infektionserreger des Menschen, Springer 1989 (leider keine Neuauflage mehr nach meiner Kenntnis)
Das Vollbild Scharlach habe ich glaube ich in den letzten 20 Jahren entweder nciht gesehen oder verkannt.

Die "Scharlach-Inflation" kommt von den häufigen Pharyngitiden, bei denen Streptos nachgewiesen werden.
Aber wann weiss man, ob der nachgewiesenen Streptokokkus das pathologische Agens oder nur ein Comensale ist?
Deshalb mache ich den Schnelltest nicht mehr und behandele die "schwere" Pharyngitis antibiotisch und betrachte die leichteren Formen als virale Infekte.

Das rheumatische Fieber und die GN sind offenbar dtl. weniger geworden, sei es nun durch die Antibiosen, oder auch durch eine Selektion von Stämmen, die geringere Kreuzantigenität vermitteln. Quelle: ?

Die genannten Streptokokkenfolgekrankheiten sind nun auch nicht Scharlach (-Toxin)-Folge, sondern Folge einer genet. DIsposition des Wirtsorganismus, codiert u.a. zB über HLA 5 (Müller, s.o.)

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Ich stimme den Ausführungen von Kollege Kalmutzki voll zu und kann aus meiner Erfahrung noch hinzufügen, dass deutlich (druck)-empfindliche Lymphknoten im Kieferwinkel die Entscheidung zugunsten eines Antibiotikums erleichtern.
In diesem Zusammenhang nocheinmal die (vor einiger Zeit in diesem Forum gestellte) Frage bzgl. anhaltend erhöhter ASL-Titer trotz antibiotischer Therapie?

Dr. ...Dr. ...
Kinder- und Jugendmedizin

Bei uns im Bezirk waren auch scheinbar vermehrt besorgte Mütter mit ihrern KiGa Kinder wegen V.a Scharlach vorstellig.
Zum Schnelltest ist zu sagen, bei positivem Resultat ist d Diagnose gesichert. Es gibt jedoch auch falsch negative Ergebnisse etwas gehäuft (in der Literatur bis 15%).
Wenn ASL-O erhöht ist und im Differential BB eine Linksverschiebung vorhanden sollte auf alle Fälle eine Antibiose über 10 die erfolgen. ASL-O kann auch bis 3 Monate hoch bleiben, so in eine engmaschige Ko. unnötig.
Bei ausbleibender Antibiose wäre d. Gefahr einen Endokarditis erhöht

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23