Hier einloggen:
Username oder E-Mail Adresse

 
Passwort

 

Sinn und Unsinn von subcutanen Infusionen?

Dr. ...
Bewertung:


Sinn und Unsinn von subcutanen Infusionen?

Vor vierzig Jahren tropfte es allerorts in immer dicker werdende Oberschenkel - sogar mit speziellen Infusionsnadeln. Dann sah man über mehrere Jahrzehnte nirgendwo eine subcutane Infusion und man war sich einig: Diese Methode ist nicht kontrollierbar, zerstört nur Gewebe und hilft nur dem, der sie anordnet.
Seit etwa 2 Jahren findet man diese Infusionstechnik wieder in Altenheimen bei "trinkschwachen" Senioren.
Was ist denn nun dran an dieser Applikationsweise? Ist es eine sinnvolle Alternative zu anderen Methoden oder nur eine ultima ratio - oder das auch nicht mal? Hat es mehr Nutzen als Schaden? Und wie ist das mit der Ethik - Verlängerung des Lebens oder des Sterbens?

Diskussion

9 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 97 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Abstimmungsergebnis

Halten Sie subcutane Infusionen für eine sinnvolle risikoarme Form der Volumensubstitution?

Das Abstimmergebnis ist nur für esanum Mitglieder einsehbar. Eine Mitgliedschaft für Ärzte ist kostenlos!
3 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Hallo!

Aus Interesse habe ich Pubmed durchforstet. Der Fachterminus für diese Technik nennt sich "Hypodermoclysis", kurz auch "HDC". Wirklich negatives konnte ich da nicht finden.
Diese hier loben HDC:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10636020
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10636020
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15863406
Und hier wird der Vorteil von HDC gegenüber iv-Rehydratation bei verwirrten Patienten mit schwierigen Venenverhältinssen betont:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12558710
("Additionally, in confused patients and in those in whom IV punctures are difficult to achieve, it represents the far superior method. Both techniques are comparably safe and effective.").

Ich fand nichts bei pubmed, daß die Technik verurteilte.
Solange man nicht in vorbestehende Ödeme reinlaufen lässt, klingt es eigentlich nach einer Supermethode, die ich allerdings persönlich noch nie live gesehen habe.

Was denken denn Kollegen, die vielleicht schon Erfahrung damit gemacht haben? Es würde mich freuen, wenn Sie sich an der Diskussion beteiligten!

Viele Grüße!

5 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Liebe KollegInnen,
sucutane Infusionen können sicher nur ein Kompromiss sein zwischen "nichts mehr tun" und stationärer Einweisung, da es sich ja fast immer um (prae)moribunde Patienten handelt. Ich denke, das diese therapeutische Maßnahme eine Beruhigung für Arzt und Angehörige ist, nicht nur in Heimen, sondern auch bei KollegInnen mit Hausbesuchstätigkeit. Dem Pat. schadet es nicht, der Arzt hat etwas getan und die Angehörigen sind beruhigt, dass der Pat."nicht verdurstet", obwohl wir ja wissen, dass ein Praemoribunder kein Durstgefühl hat.Ich führe diese therapeutische Maßnahme in seltenen Fällen durch aus o.g. Gründen, aber es ist natürlich nicht lebensverlängernd.
Warum also nicht?
mit kollegialen Grüßen
synapse

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Liebe Kollegen, ich wende diese Methode seit mehreren Jahren bei der betreuung von -meist bettlägerigen- Altenheimpatienten an. Es ist nicht so, dass es nur die "praemoribunden" betrifft; oder meine leben in diesem Zustand schon mehr als 3 Jahre! Gerade in Situationen, und das können auch passagere Akuterkrankungen oder Zustandsverschlechterungen sein, hilft diese Methode Flüssigkeitsdefizite auszugleichen um Verwirrung durch Minderdurchblutung oder gar Apoplex usw. vorzubeugen. Ich kann diese Methode für den Erhalt von LEBENsqualität dringend empfehlen. Sammeln Sie bitte eigene Erfahrungen. Mit koll.Gruß!

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Kann einer der Kollegen etwas zur praktischen Durchführung sagen? Infusionsstelle? Braunüle? Welche?
Vielen Dank

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Seit ca 1 Jahr führe ich diese Therapie bei Bedarf im Heim durch. Meine Erfahrung ist positiv. Indikation: Patient trinkt bei Bilanzierung zu wenig und wird somnolent. Häufig reicht es, 1-3 Tag nachts eine Infusion zu legen und dann reicht die Trinkmenge wieder wochenlang aus. Die Schwestern im Heim führen die Infusion durch. Dabei wird ein Butterfly mit kleinem Volum (grün) in eine angehobene Bauchhautfalte geschoben, fixiert und der Tropf langsam über Nacht laufen gelassen. So kann der Patient tagsüber mobilisiert werden. Wichtig ist natürlich, dass trotzdem versucht wird, die Trinkmenge zu fördern. Meist gibt es eine Anweisung in der Kurve so im Sinn von : Trinkmenge unter 500ml dann Infusion

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Nach anfänglicher Skepsis wende ich diese Form der Rehydratation auch selbst an - bei alterskachektischen und moribunden Patienten.
Vorteil: Einfache Art der Flüssigkeitszufuhr in häuslicher Umgebung, im Pflegeheim von der Schwester durchführbar. M.E. nicht lebensverlängernd, aber Lebensqualität verbessernd für den Patienten, argumentative Umgehung der oftmals zu häufig gelegten PEG-Sonde, Umgehung der i.v.Infusion bei schlechten Venenverhältnissen und unruhigen Patienten. Angehörige und Pflegepersonal sind beruhigt (es wird etwas getan)!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Ich habe die Methode im Notdienst öfter angewandt. Meist bei folgender Indikation: älterer Patient/ältere Patientin mit Flüssigkeitsdefizit und beginnender Verwirrtheit. Die Alternative wäre ein stationäre Krankenhausbehandlung - eine m.E. jedoch durchaus nicht nebenwirkungsarme Maßnahme (Verschlechterung der Desorientierung durch die neue Umgebung, Belastung mit virulenten Krankenhauskeimen usw.) In vielen Fällen konnte rasch eine Besserung der Situation mit dann wieder ausreichender Trinkmenge erreicht werden.

4 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Ich habe nur beste Erfahrungen mit s.c. Injektionen im Altenheim gemacht! Die Infusionen sind unter Umständen "Revitalisierend", denn der völlig ausgetrocknete alte Mensch mit seinem exsiccotischen Gehirn kann plötzlich wieder klarer denken und sich wieder besser mobilisieren. Gewebe wird durch die Infusion NIEMALS "zerstört".
Aber Achtung: Es gibt ein ganz anderes Problem!. NaCl ist nicht RP, sondern AP! Seit dem (mittlerweile veraltertem) EBM 2000 minus dürfen die Krankenkassen direkte Regresse an die Ärzte stellen - über die KV als Vermittler. Und das machen sie! Ich habe einen solchen Regreß für NACL schon von einer BKK bekommen-- Natürlich habe ich meine KV daraufhin mit Briefen und Anrufen bombadiert und Recht behalten: S.c. Infusionen sind - in Ausnahmefällen - nämlich weil 1) ein lebensbedrohlicher exsiccierter Zustand vorliegt UND 2) man einen - sonst indizierten Krankenhausaufenthalt vermeiden kann - natürlich weiter auf Kosten der Kranken Kassen durchführbar!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Aus geriatrischer Sicht möchte ich auf die Übersichtsdarstellung von CA Dr. Zeeh hinweisen, der die Anwendung subcutaner Infusionen mit Literaturangaben umfassend darstellt:

http://www.geroweb.de/exsikkose/exsikkose ... .html

In 20 Sekunden Mitglied werden!

„esanum - Ihre Ärzteplattform im Internet


Dr. Bodo Müller (Gründer von esanum)



Informationen zum Beitrag

Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Klinische Pharmakologie, Geriatrie,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
arzneimittelapplikation, subcutane infusionen, exsikkose, hypodermoclysis, rehydratation

Andere interessante Beiträge

neuer BeitragHautkrebs durch Öle auf mineralischer Basis?
Liebe dermatologische Kollegen, Seit einiger Zeit heißt es, dass Pflegeprodukte, die Fe...
neuer BeitragAllgemeinmedizin ohne DMP
Mich würde interessieren, ob es Allgemeinärzte gibt, die sich in ihrer Praxis den DMPs kon...
neuer BeitragErfahrung mit Wachstumshormon bei Kindern
Sehr geehrte Kollegen, unser Patenkind soll wegen Minderwuchs mit einem Wachstumshormon...
neuer BeitragRaucher neigen zu Selbstmord ?
Hallo! Heute haben wir in unserem Kollegenkreis über die Suchtgefahr durch Zigaretten d...
neuer BeitragKrafttraining zum Fettabbau und bei Herz-Kreislauf-Erkrankung
Hallo! Heute morgen bin ich im Internet über einen Artikel der NY-Times gestolpert, in ...
Kontakt | AGB | Datenschutz | ihre Fragen | Hilfe | Presse | Impressum
esanum.de | esanum.at | esanum.ch | esanum.es | esanum.it | esanum.fr
letzte Änderung: 8.5.2012 18:23