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Therapie der Borreliose

Dr. ...


Therapie der Borreliose

Wie kontrolliere ich die Therapie einer Borreliose nach klinischem Befund und nach Ergebnissen von Antikörpertests?

Diskussion

9 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 173 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Allgemeinmedizin

Serologiekontrolle nach 1 halben Jahr, Ko der Gelenkentzündungsparameter klinisch nach Bedarf.

10 von 11 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin

Das Dilemma bei der Therapie der Borreliose ist und bleibt der Nachweis der erfolgreichen Behandlung. Dieser ist nur klinisch nachzuvollziehen. Verschwinden des Erythema migrans und fehlende klinische Erkrankungszeichen sind einziger Lohn für eine hoffentlich suffiziente Therapie. Die Serologiekontrolle hat leider keine wesentliche Aussagekraft, da auch bei erfolgreicher Behandlung der IgM-Ak-Titer noch längere Zeit bestehen kann, als auch irgendwann nur noch die "Seronarbe" IgG-Ak-Titer als Zeichen eines zurückliegenden Kontaktes vorhanden ist.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Eine neuerliche Behandlung würde ich nur bei deutlichen Titersprüngen einleiten, besser ist den Pat. zu beruhigen und in 3 Monaten erneut kontrollieren .

7 von 7 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Leider gibt es verschiedene wissenschaftliche (und weniger wissenschaftliche) Lager, die sich hierzu äußern, dabei ist zu wenig evidenzbasiert, so das auch die Leitlinien nur mäßig wertvoll sind. Hinzu kommt nicht standardisierte Labordiagnostik.
M. E. ist nur der klinische Verlauf verwertbar, beinhaltet aber das Risiko unnötige Therapien durchzuführen.
Hinweise kann man durch durch wenig aussagekäftige aber nicht aussagelose Einzelfälle gewinnen. ZB. männlich, 65j., Vorstellung wegen zunehmender Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen.
Es stellt sich heraus, das der Hausarzt vor7 Jahren eine Borreliose fand, nicht spezifisch therapierte und jährlich serologische Kontrollen durchführte, dabei fielen die Werte (erwartungsgemäß) ab, bei Vorstellung hier "Seronarbe", kein Indikation für Antibiose. Während dieser 7 Jahre rezidivierende, teils wandernde Schmerzen in Rücken und Gelenken, 5 Orthopäden mit Sammlung degenerativer Diagnosen, Therapien mit kurzfristigen Erfolgen. Liquor normal, keine Neuroborreliose (nach den Leitlinien).
Nach iv Antibiose komplette Rückbildung der kognitiven Symptome, deutliche Besserung oder sistieren der Schmerzen der verschiedenen Orte.
Ich meine, dieses Beispiel illustriert die Probleme der Labordiagnostik in verschiedenen Phasen

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Neurologie

gab dazu einen super Vortrag auf dem diesjährigen Neurologen-Kongreß in Berlin. Serologische Kontrollen völlig sinnlos, Titer nicht relevant im Verlauf. . spontanheilungsrate sehr hoch.

Dr. ...Dr. ...
FA für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie

Lieber ivyam, habe ich gehört und leise Zweifel an einer sehr hohen Spontanheilungsrate. Da waren die Bekämpfer der Borrelioseneurose mit bei Skript.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Borreliose (B.) wird nicht nur durch Zecken übertragen, zunehmend auch durch Mücken und Stechfliegen (Bremse).

Eine Behandlung der B. kann momentan nur durch Therapie der Symptome erfolgen. LTT Test, Elysia, Westernblott können telweise zu falschen Aussagen führen. Liquor Untersuchung ist völlig unzureichend, IgG ud IgM sind keine geeigneten Hilfsmittel. Eine Serumnarbe ist indiskutabel, da B. im Krankheitsverlauf falsch negative Laborwerte liefern kann.

Oft entwickelt sich aus völliger Unkenntnis aus einer akuten B. eine persistierende chronische B.
Im frühen Stadium ist noch eine Therapie mit Doxycyclin 200mg über 4 Wochen möglich. In diesem Stadium wird von vorwiegend extracellulären Erregern ausgegangen.

Später gibt es neben den ex. Erregern auch die intracelluläre Variante, die wesentlich schwerer erfolgreich mit Antibiotika (AB) behandelt werden kann. Hier hilft nur die Gabe von Rocephin i.v., viele Patienten sprechen darauf nur gering an.

Die Einnahme von Minocyclin (200mg) plus Quensyl (200mg aller 2 Tage) für mindestens 4-6 Wochen ist wesentlich Erfolg versprechender und preiswerter. Dieser AB Zyklus sollte drei mal wiederholt werden, mit ca. 6 wochen Pause zwischen den Zyklen. Minocyclin ist liquorgängig und durch die Verwendung von Quensyl wird die Zellgängigkeit des AB wesentlich erhöht. Besonders bei Neuro-B. ist Minocyclin ideal. Bei Gelenkborreliose eignet sich Clarithromycin plus Quensyl.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen jeden Zeckenstich mit AB zu behandeln. Ganz unabhängig, ob Wanderröte auftritt oder nicht. Zecken können eine Vielzahl von weiteren Infektionskrankheiten übertragen. Auch grippeähnliche Symptome im Sommer nach Mückenstichen deuten einen Verdachtsfall für B. an. Seit 2007 gibt es auch verstärkt Patienten mit Zeckenbiss im Herbst, nicht nur im Frühjahr, Sommer. Zecken sind inzwischen das ganze Jahre aktiv.

ein aktuelles Buch ist 2008 von der Neurologin Dr. Hopf Seidel zu diesem Thema erschienen. Bei Amazon für 7 euro erhältlich. Ich gebe es an meine Patienten weiter. (Das ist keine Werbung, sondern ein Hinweis an die Kollegen)

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Jeden Zeckenstich mit Antibiose behandeln?!? Mein Gott, wo kommen wir noch hin mit unserem kranken Gesundheitswesen.
Die Medien sind voll von medizinischen Informationen, die Sorge um die Gesundheit wächst und genau dieser medizinische Rummel schürt beim Patienten Angst vor Krankheiten. Als Arzt sollte man dieses Spiel nicht mitspielen.
Mein Großvater war Waldarbeiter, der ist nie wegen einer Zecke zum Arzt gegangen und er hat es unbeschadet überlebt!!
Wenn Sie so konsequent sind, dann müssten Sie auch bald jedem Mücken- und Bremsenstich mit Antibiose begegnen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

richtig ....ihr großvater lebte in einer zeit mit einer wesentlich geringeren durchseuchungsrate.....

heute werden neuerkrankungen in größenordnungen von 60.000 bis 80.000 pro jahr diskutiert.

erst wenn sie selbst, frau angela werrmann, von neuroborreliose betroffen sind und ein schickes rollstuhlmodell der AOK ihr eigen ist, dann werden sie umdenken und froh sein, wenn sie AB erhalten.

ich beziehe mich auf ca. 350 borreliose kranke, in den letzten 6 jahren. ich hätte nie gedacht eine schwerpunktpraxis für borreliose zu werden....

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Lieber Herr Thomas Schmitt, wenn Zecken zeitnah entfernt werden (was kein Ding der Unmöglichkeit ist), dann zieht Ihr Argument mit der Durchseuchungsrate nicht. Frühestens 8(!) Stunden nach Beginn des Saugaktes werden die Erreger übertragen!
Folgendes möchte ich auch klarstellen: Ich bin nicht gegen eine Antibiose und habe diese schon Patienten angedeihen lassen und damit vielleicht Schlimmeres verhindert. Ich bin aber gegen eine pauschale Massenantibiotisierung. Bundesweit geht man davon aus, dass es nach einem Zeckenstich in 3-6% der Fälle zur Infektion und bei 0,3-1,4% zur klinischen Erkrankung kommt.
Zu diskutieren wäre auch, ob Ihre 350 Borreliosekranken auch wirklich welche sind, denn die Symptome sind ja, wie Sie wissen, unspezifisch und das Labor bringt keine Beweise...

Freundliche Grüße, Dr. med. Angela Werrmann

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

ganz unabhängig von der statistik des saugaktes, die zahlen sind zweifelhaft und geistern in etlichen ausführungen herum.
neue regionale daten gibt es nicht.

natürlich ist das risiko von region zu region unterschiedlich. es zeichnet sich aber ein eindeutiger trend ab. die veterinärmediziiner sind schon viel weiter als die kassenärzte und müssen massiv borreliose behandeln.

eine vorbeugende therapie ist tausendmal billiger und sicherer als unendliche Laboruntersuchungen, die das budget sprengen.

sobald symptome auftreten, muss außerdem WEITER behandelt werden, ganz unabhängig vom serologischem befund.

und übrigens....die mücke sticht und ist weg... die wirkung kommt genauso wie bei zecken, deren saugakt ich unterbreche....

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

...ja ja, das waren noch Zeiten, als wir die Johannisbeeren im Garten naschten und von der Wiese den Sauerampfer.
Heute fliegen ja die Eier vom Fuchsbandwurm durch die Luft!

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Neurologie

Liebe Frau Werrmann, sie sprechen mir mit ihren Antworten aus der Seele. Gerade bei den "chronisch Borreliose-Kranken" handelt es sich doch in den allermeisten Fällen um eine somatoforme Störung, Amalgam ist langsam out, jetzt ist es halt die Zecke ...
Ich weise nach wie vor jeden Pat. mit dem Verdacht einer Neuroborreliose zu einer Liquordiagnostik ein, dabei habe ich in den 12 Jahren Niederlassung bislang nur einen einzigen Fall einer Neuroborreliose gesehen, diesen Pat. hatte ich aufgrund einer akuten Hirnnervenparese (N. abducenz) bei unauff. cerebralem MR stationär zur weiteren Diagnostik eingewiesen.

Freundliche Grüße

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

auch bei postiven LTT und nachweise von borr. burgdorferi ist der Liquor unauffällig.

über Liquor Diagnostik gehen 90 % der positiven Fälle einfach "unter"

aber schon richtig...notfalls ist dann alles psychosomatisch, eben neurologischer Fluchtweg....

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Manchmal ist das mit den Regressen gar nicht so verkehrt, wenn ein Kollege alle Patienten mit Antibiotika behandelt.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Liebe Frau Werrmann,

sorry ich habe Ihr diesbezügliches Posting jetzt erst gelesen....

"Lieber Herr Thomas Schmitt, wenn Zecken zeitnah entfernt werden (was kein Ding der Unmöglichkeit ist), dann zieht Ihr Argument mit der Durchseuchungsrate nicht. Frühestens 8(!) Stunden nach Beginn des Saugaktes werden die Erreger übertragen!
Folgendes möchte ich auch klarstellen: Ich bin nicht gegen eine Antibiose und habe diese schon Patienten angedeihen lassen und damit vielleicht Schlimmeres verhindert. Ich bin aber gegen eine pauschale Massenantibiotisierung. Bundesweit geht man davon aus, dass es nach einem Zeckenstich in 3-6% der Fälle zur Infektion und bei 0,3-1,4% zur klinischen Erkrankung kommt.
Zu diskutieren wäre auch, ob Ihre 350 Borreliosekranken auch wirklich welche sind, denn die Symptome sind ja, wie Sie wissen, unspezifisch und das Labor bringt keine Beweise..."

In wirklich allen Punkten vollständige Übereinstimmung, vielen Dank!!!

"Das Dilemma bei der Therapie der Borreliose ist und bleibt der Nachweis der erfolgreichen Behandlung. Dieser ist nur klinisch nachzuvollziehen. Verschwinden des Erythema migrans und fehlende klinische Erkrankungszeichen sind einziger Lohn für eine hoffentlich suffiziente Therapie."

Ja, da bin ich doch mal eben dankbar, dies zu lesen. Wenn also das Erythema migrans nach 2 Wochen Doxy verschwunden ist, dann brauche ich wohl doch nicht 3 Wochen zu behandeln!!!

"Liebe Frau Werrmann, sie sprechen mir mit ihren Antworten aus der Seele. Gerade bei den "chronisch Borreliose-Kranken" handelt es sich doch in den allermeisten Fällen um eine somatoforme Störung, Amalgam ist langsam out, jetzt ist es halt die Zecke ...

Kommt mir bez. "Amalgam" doch irgendwie bekannt vor (kann man hier auch nachlesen), vielen Dank!!!

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"ich beziehe mich auf ca. 350 borreliose kranke, in den letzten 6 jahren. ich hätte nie gedacht eine schwerpunktpraxis für borreliose zu werden...."

Ich hoffe, doch Sie machen nicht aus jedem Ihrer einzelnen Patienten einen Borreliose-Fall. Ich komme bei meinen ca. 35.000 Patienten in den letzten 7 Jahren auf ca. 50 Fälle von Erythema migrans, teils multipel und 1-2 Fälle von Lymphozytom. Eine Akrodermatitis habe ich lediglich in einem einzelnen Fall "ausführlich" in der Hautklinik gesehen und behandelt!

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Dem Beitrag wurden folgende Fachgebiete zugeordnet:
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt), Infektiologie, Rheumatologie, Neurologie,

Dem Beitrag wurden folgende Schlagwörter zugeordnet:
borreliose, antikörpertest

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letzte Änderung: 18.11.2011 0:04