Herzchirurgie, Kardiologie, Klinische Pharmakologie, Allgemeine Pharmakologie, Nephrologie

Trasylol - Aprotinin - Skandal oder Vorsichtsmaßnahme? 106 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Hallo!

Gibt es Erfahrungen der Kollegen hier mit Aprotinin? Es wurde bei offener Herz-OP und Lebertransplantationen eingesetzt, und heute weltweit vom Markt genommen, wie ich gerade bei Spiegel-online gelesen habe.
Es handelt sich um einen Fibrinolyse-Inhibitor von Bayer, zu dem es zahlreiche Studien bei Pubmed gibt. Es soll mit postoperativ erhöhten Kreatinin-werten einhergehen, wie eine niederländische Studie (PMID: 17711552) vom Oktober 2007 zeigt, jedoch konnten sie keine erhöhte Mortalität oder dauerhafte Nierenschäden nachweisen. Auch folgende ungarische Studie findet nichts: PMID: 17947935.
Diese kalifornische Studie (PMID: 17467436) vom Mai analysierte negative Folgen von koronaren Bypass-OPs in 4 Ländern, und konnte Aprotinin zu den negativen Faktoren hinzuzählen:
"The practices that were associated with adverse outcomes were the intraoperative use of aprotinin, intraoperative transfusion of fresh-frozen plasma or platelets, lack of use of early postoperative aspirin, and use of postoperative heparin."

Kennt jemand die kanadische Studie, die zum Ausschluß des Medikaments führte? Handelt es sich um einen handfesten "Skandal", oder ist Bayer seit Lipobay vorsichtiger geworden?
Bin neugierig!

Viele Grüße!

Letzteres ist sicher richtig, man hat die Konsequenz aus der FDA-Entscheidung gezogen, die Zulassung in den USA auszusetzen. Die zT. reißerische interpretation der Mangano-Studie in den Medien ist ganz sicher nicht gerechtfertigt. Ich habe selbst Trasylol über 15 Jahre täglich in der Herzchirurgie eingesetzt. Tatsache ist sicher, daß ein bestimmtes Patientenkollektiv unter Trasylol ein erhöhtes renales Risiko hat, das Risiko erhöhter Blutverluste mit den entspr. Konsequenzen (Perikardtamponade, Rethorakotomie, erhöhter Transfusionsbedarf um nur einige zu nennnen) ist dagegen abzuwägen.