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Verdacht auf Malignes Melanom - wozu abwarten?

Dr. ...
Bewertung:


Verdacht auf Malignes Melanom - wozu abwarten?

Liebe Kollegen!

Ich möchte von folgendem Fall berichten:
Ein 23jähriger junger Mann entdeckt auf seiner Brust einen neu entstandenen unregelmäßig begrenzten, mehrfarbigen, nicht erhabenen
Naevus mit ca. 5mm Durchmesser.

Daraufhin konsultiert er einen Dermatologen, der den Naevus zwar suspekt findet, aber in Anbetracht des Sommers zum Abwarten rät, damit die Badesaison nicht verpaßt wird.

Einige Monate später sucht der Patient einen zweiten Dermatologen auf, der ihm zur Wahl stellt: Einen weiteren Monat beobachten oder gleich entfernen. Der Patient entscheidet sich für die Entfernung.

Histo: wahrscheinlich malignes Melanom, Clark-level 3-4.
Daraufhin großzügige Nachresektion, Markierung und Entnahme eines sentinel-Lymphknoten rechte Axilla, glücklicherweise ohne Nachweis von Metastasen.
Die psychologische Belastung durch das Ereignis war für den Patienten immens.

Seither vertrete ich die Ansicht, daß neu entstandene melanomverdächtige Naevi stets möglichst frühzeitig entfernt werden sollten.
Der Naevus wird durch Abwarten sicher nicht weniger suspekt. Lieber 100 überflüssige kleine Narben als ein verpaßter Fall.
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5 von 6 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Dieser Ansicht bin ich auch und die Patienten sind dankbar, wenn sie Unterstützung bekommen im Sinne von "was weg ist ist weg" und kann nicht mehr bösartig werden.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Klinische Pharmakologie

Dem stimme ich voll zu. Verzögerungen bringen nichts, weder dem Patienten noch dem Arzt.

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Urologie

Ein ähnliches Phänomen beobachte ich bei der chronischen Balanitis. Die meisten Patienten haben erst dann Ruhe, wenn eine radikale Circumcision, möglichst mit vollständiger Resektion des inneren Vorhautblattes erfolgte und damit der Entzündungsherd "trocken gelegt" wurde. Nach 2 Patienten innerhalb von 2 Jahren, die durch langfristige lokale Therapie mit diversen Dermatika durch den Dermatologen von ihrer chronischen Balanitis nicht geheilt wurden, sondern irgendwann aufgaben und nun im Rahmen der Früherkennung mit einem Penis-Ca auffielen, stelle ich die Indikation zur Circumcision sehr großzügig und kommentiere es mit den Worten: "Lieber das bissel Vorhaut opfern, als das ganze schöne Stück!"

3 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FA für Dermatologie

Der geschilderte Fall mit seinen dramatischen Konsequenzen ist schlimm und motiviert die suggestiv gestellten Frage mit einer Exzision zu beantworten. Im Alltag ist dieses Vorgehen nicht praktikabel. Jeder neu entstandene melanozytäre Herd zu entfernen ist unrealistisch, da in der Regel kein Mensch mit allen seinen " Muttermalen" geboren wird. Logischerweise müßten dann alle im Laufe des Lebens neu entstehenden Nävi exzidiert werden.Unrealistisch und unsinnig!
Suspekte aber benigne Nävi von Melanomen zu unterscheiden ist häufig schwierig. Hierzu gibt es jedoch gut entwickelte Algorithmen ( z.B. nach Stolz) in Verbindung mit der Dermatoskopie, die eine relative gute Entscheidungshilfe bieten.Ob eine derartige gewissenhafte dermatoskopische Untersuchung bei dem geschilderten Patienten durchgeführt wurde, ist zweifelhaft obwohl 2 verschiedene Dermatologen konsultiert wurden ( Beschreibung : mehrfarbig,Wachstumstendenz, unscharfe Begrenzung)geben die klassische ABC- Regel wieder. Ich kann es fast nicht glauben, daß dieser suspekte Befund auch tatsächlich so abgelaufen ist.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Hallo Herr Foerch!

Leider Gottes ist das Ganze genau so abgelaufen!!!

Dermatologe Nummer 1 hatte den Naevus mit einem Dermatoskop begutachtet, für suspekt befunden, aber zum Abwarten bis nach dem Sommer geraten.

Dermatologe Nummer 2 (auf den ich im übrigen hohe Stücke halte!) betrachtete den Nävus mit Hilfe eines Computer-Dermatoskops und einer Software, die ihn als grenzwertig analysierte.

Die Patho ergab dann das obige Ergebnis.

Ich möchte jedoch nicht verschweigen, daß im Verlauf der Naevus aufgrund seiner Grenzwertigkeit von mehreren Pathologen begutachtet wurde, und eine kompetente Kollgin nicht von einem Melanom überzeugt war. Vieles ist halt Deutung.

Egal wie, sicher gut, daß er entfernt wurde!

Viele Grüße!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Grundsätzlich kann man feststellen:

1. ein melanozytärer Naevus ist harmlos und ein malignes Melanom bösartig.

Ein melanozytärer Naevus kann nie ein Melanom sein. Ein malignes Melanom ist (genetisch) bereits als malignes Melanom festgelegt und entwickelt sich daher auch als malignes Melanom (und nicht als Naevus).

Äußerst seltene Ausnahme:

- auf dem melanozytären Naevus sich im Randbereich ein Malignes Melanom (dann naevusassoziertes malignes Melanom)
- dysplastischer melanozytärer Naevus: in lediglich ca. 1 von 250 Fällen entwickelt aus einem dysplastischen melanozytären Naevus ein malignes Melanom (also auch äußerst selten).

Ein einigermaßen qualifierter Dermatologe sollte eigentlich schon in der Lage sein, mittels Dermatoskopie sein, einen melanozytären Naevus von einem malignem Melanom zu unterscheiden! Ein Witz - und allenfalls zur "Patienten-Abzocke" geeignet - ist jedenfalls die Computer-Dermatoskopie.

Grundsätzlich sollte ein dermatologisches Histo-Präparat stets ein Dermatohistopathologe beurteilen, der auch entsprechende klinische Kenntnisse und Erfahrungen hat, sonst wird die abschließende Beurteilung sehr mühsam.

Im vorliegenden Fall fehlen zur abschließenden Beurteilung die Befunde der Immunfärbungen (Melan A, S 100).

2 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Liebe Kollegen,

als wichtigstes Kriterium zur Risikobeurteilung des malignen Melanoms fehlt mir die Angabe der Tumordicke nach Breslow. Dieses ist der einzige zuverlässige parameter zur Beurteilung des Rsikos, Melanom ist lange nicht gleich Melanom. Ich bin sehr gespannt auf die Antwort. In den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet sehr viel getan.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Die Tumordicke wird schon größer als 1 mm gewesen sein, da wohl sonst kaum eine Sentinel-Lymphnode-Biopsie durchgeführt worden wäre.

Was mich jedenfalls massiv stört ist die Aussage:

Histo: ---wahrscheinlich--- malignes Melanom, Clark-level 3-4.

Und

Ich möchte jedoch nicht verschweigen, daß im Verlauf der Naevus aufgrund seiner Grenzwertigkeit von mehreren Pathologen begutachtet wurde, und eine kompetente Kollgin nicht von einem Melanom überzeugt war. ----Vieles ist halt Deutung----.

In Anbetracht der Konsequenzen sind diese Aussagen für mich einfach unfassbar!!

In Zweifelsfällen (???) gibt es dann ja doch immer noch ein Referenzlabor!!!!

Die Kriterien passen ja auch zudem alle für ein Malignes Melanom wie Kollege Foerch dies bereits dargestellt hat. - Jedoch müsste es sich auf Grund des relativ kurzen Verlaufs dann allenfalls um ein ganz flaches Melanom gehandelt haben. - Eine TD von über 1mm halte ich daher für ausgeschlossen.

Abschließend halte ich diesen Fall daher entweder für konstruiert oder für ein Laientheater von so ziemlich allen Beteiligten.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologie

Auf vielfachen Wunsch und (berechtigte) Kritik habe ich die Originalbefunde hervorgesucht:

Diagnose:
SSM (Tumordicke nach Breslow: 1,02mm, Clark: III-IV T2 N0 M= Stadium Ia pectroral rechts

Die abweichende Meinung der letztbeurteilenden Pathologin ist sehr ausführlich. Sie tendierte zu einem dysplastischen Naevus da:
"relativ gleichförmige Verteilungsmuster der Melanozyten in der HMB45-Reaktion, die Beschränkung der rein intraepidermalen Population in der Positivmarkierung mit HMB45, der anscheinend doch symmetrische Aufbau des Gesamtherdes... Auch ein Aufsteigen der Melanozytenpopulation in höhere Epidermisschichten wird nicht gesehen, und zumindest nach dem HE-Schnitt ist die in den Haarfollikel absteigende Population so im Bindegewee eingelagert, wie ein melanom dies eigentlich niemals tut..." Sie nennt noch weitere Argumente.

Desweiteren folgert sie, das selbst wenn es ein Melanom gewesen wäre, sie nur Tumordicke 0,44mm und Clark-Level 3, ( "da die Nester bis etwa an den oberen Gefäßplexus heranreichen." ) gesehen hätte. Wie ich aus Ihrem Befund verstehe, da erst bei Verlassen der Melanomzellen des perifollikulären Bindegwebes von Clark-Level 3 oder höher gesprochen werden kann.

Mir ging es aber gar nicht um die Frage, ob es in diesem Falle ein dysplastischer Naevus oder Melanom war, es ist sicher sehr gut therapiert worden!!

Meine Frage war, wie lange man auffällige Naevi beobachten sollte. Es scheint mir doch, daß die Beurteilung eben nicht immer so einfach und so eindeutig ist.

Wenn mir mehrere Dermatologen mitteilen, daß eine sofortige Entfernung aller auffälligen Naevi unrealistisch ist, da sie einerseits nur selten entarten, und sie auch zu häufig auftreten, so verstehe ich das.
Nur in diesem speziellen Falle kamen mir Zweifel am Prozedere, obwohl offensichtlich alle fachlich kompetent und nach bestem Gewissen vorgegangen waren. Ich überlegte, ob im Interesse "Übertherapien" zu vermeiden nicht manchmal etwas "durchrutschen" kann, und ob ein rigoroseres Vorgehen nicht manche negative Überraschung verhindern könnte.

Dies habe ich zur Frage und Umfrage gestellt, und bin nicht nur belehrbar, sondern an Meinungen interessiert.

Der Fall war jedenfalls nicht konstruiert, und die Beteiligten mit Sicherheit keine Laien.

Mein persönliches Fazit ist jedoch, daß ich einerseits Patienten mit mir als Nicht-Dermatologen auffälligen "Leberflecken" stets rate einen Dermatologen aufzusuchen, und idealerweise auch regelmäßig. Und diesem Ratschlag folge ich selbst auch.

Viele Grüße!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Nach wirklich vielen Patienten in der Praxis und mittlerweile mehreren hundert Melanom-Patienten kann ich folgenden Algorithmus bzw. mir folgende Meinung erlauben aufstellen:

- Dermatohistopathologie gehört in die Hände von Dermatologen. Da haben Allgemeinpathologen nichts verloren. - Und ich gehe jede Wette ein, dass der erste Befund aus dieser Richtung kam. Ich lasse daher sämtliche diesbezüglichen Befunde von "meiner" Dermatohistopatholigen einer Uniklinik nachbefunden und kann daher mittlerweile sicher behaupten, dass deren Befunde in ca. wenigstens 90 % der Fälle absolut falsch sind.

- Ein Melanom kleiner als im Durchmesser als 0,5 cm zu erkennen ist praktisch unmöglich. - Eine Diffentialstruktur in der Dermatoskopie ist nicht zu erkennen. Bei mittlerweile mehreren hundert Melanomen war daher lediglich eines - und da hätte ich schwören können, es ist keines - aber die Patientin bestand darauf, da Sie auf der anderen Mamma bereits schon ein Melanom hatte, dass ich dieses entfernen sollte. Vor kurzem ist mir nochmals ein diesbezüglicher Treffer mit einem Melanoma in situ gelungen.

- Jedoch reicht es aus meiner Sicht letztlich auch vollständig aus, die dünnen Melanome zu erkennen, wie schon dargestellt, hat sich dies im vorliegenden Falle letztlich auch bestätigt - mit einer Td von 0,44 mm - 10 Jahreüberlebensrate 98 % in der Praxis ca. 100 %.

Diese dünnen Melanome zu erkennen, heißt es in der Praxis. Dazu reicht auch die Aufklärung des Patienten häufig auf.

Kriterien:

- Neu entwickelnder schwarzer Fleck
- der sich in relativ kurzer Zeit (halbes Jahr bis Jahr)
- in die Größe von einem halben cm entwickelt
- und dabei unregelmäßig mit dunkel scharzen Anteilen imponiert.

- Bereits vorhandene Naevi, die sich entweder "knubbelig" als in Richtung Compound-Naevus oder dermalem melanozytärem Naevus entwickleln oder als braue Flecken als Lentigines in längerer Zeit unverändert bleiben, sind künftig zu ignorieren - da vollständig harmlos.

Viele Grüße

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Nach wirklich vielen Patienten in der Praxis und mittlerweile mehreren hundert Melanom-Patienten kann ich folgenden Algorithmus bzw. mir folgende Meinung erlauben aufstellen:

- Dermatohistopathologie gehört in die Hände von Dermatologen. Da haben Allgemeinpathologen nichts verloren. - Und ich gehe jede Wette ein, dass der erste Befund aus dieser Richtung kam. Ich lasse daher sämtliche diesbezüglichen Befunde von "meiner" Dermatohistopatholigen einer Uniklinik nachbefunden und kann daher mittlerweile sicher behaupten, dass deren Befunde in ca. wenigstens 90 % der Fälle absolut falsch sind.

- Ein Melanom kleiner als im Durchmesser als 0,5 cm zu erkennen ist praktisch unmöglich. - Eine Diffentialstruktur in der Dermatoskopie ist nicht zu erkennen. Bei mittlerweile mehreren hundert Melanomen war daher lediglich eines - und da hätte ich schwören können, es ist keines - aber die Patientin bestand darauf, da Sie auf der anderen Mamma bereits schon ein Melanom hatte, dass ich dieses entfernen sollte. Vor kurzem ist mir nochmals ein diesbezüglicher Treffer mit einem Melanoma in situ gelungen.

- Jedoch reicht es aus meiner Sicht letztlich auch vollständig aus, die dünnen Melanome zu erkennen, wie schon dargestellt, hat sich dies im vorliegenden Falle letztlich auch bestätigt - mit einer Td von 0,44 mm - 10 Jahreüberlebensrate 98 % in der Praxis ca. 100 %.

Diese dünnen Melanome zu erkennen, heißt es in der Praxis. Dazu reicht auch die Aufklärung des Patienten häufig auf.

Kriterien:

- Neu entwickelnder schwarzer Fleck
- der sich in relativ kurzer Zeit (halbes Jahr bis Jahr)
- in die Größe von einem halben cm entwickelt
- und dabei unregelmäßig mit dunkel scharzen Anteilen imponiert.

- Bereits vorhandene Naevi, die sich entweder "knubbelig" als in Richtung Compound-Naevus oder dermalem melanozytärem Naevus entwickleln oder als braue Flecken als Lentigines in längerer Zeit unverändert bleiben, sind künftig zu ignorieren - da vollständig harmlos.

Viele Grüße

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23