>

MS - aktualisiertes Stufentherapieschema

Vor der Überarbeitung des Stufenschemas gab es Wirkstoffe, die allein für die Eskalationstherapie (d.h. in der Regel erst nach Versagen einer Basistherapie) zugelassen waren (Natalizumab, Fingolimod und Alemtuzumab).
Nun können diese Wirkstoffe bei entsprechendem Verlauf der MS (aktiver oder hochaktiver Verlauf) auch schon von Anfang an eigesetzt werden.
Wer hat damit Erfahrung?

Lieber Funk,

Nach den aktuellen Leitlinien der DGN sind diese Substanzen bei der verlaufsmodifizierten Therapie der schubförmig remittierenden MS ( RR - MS ) als Mittel der ersten Wahl einsetzbar. Alemtuzumab wurde ursprünglich bei T-Zelllymphomen eingesetzt und führt als CD-52 Antikörper zu einer Elimination von T- und B-Zellen. Vorteile sind die wenigen Behandlungszyklen in den ersten drei Jahren und eine sehr nachhaltige Wirkung auf die MS-Aktivität. Nachteile sind die erhöhte Infektneigung noch Monate nach der Infusion, welches auch Patienten bestätigen. Deshalb mussten manche antivirale Medikamente zu sich nehmen. Desweiteren beklagten manche Patienten danach einen erhöhten Blutdruck. Alemtuzumab ist im Vergleich zu hochdosiertem Interferon-beta ( Rebif® ) getestet worden und zeigte dort eine signifikante Überlegenheit. Jedoch wurde über einen möglichen Bias während des Studienverlaufs berichtet, sodass diese Ergebnisse zumindest kritisch gesehen werden sollten.

Fingolimod, ein Spingosin - 1 phosphat - Analogon, das die Lymphozyteninvasion ins ZNS reduziert, hat den großen Vorteil, dass es oral appliziert werden kann. Zugelassen ist es für Patienten mit insuffizientem Ansprechen auf die Basisimmuntherapeutika sowie hochaktive Patienten. Fingolimod ist kontraindiziert bei schwerer Leberinsuffizienz ( Child - Pugh C ) sowie malignen Erkrankungen.

Fingolimod und Natalizumab können bei 2 Patientengruppen eingesetzt werden: Zum einen kommen Patienten für die Behandlung mit Fingolimod/Natalizumab infrage, die unter einem Basistherapeutikum (Beta-Interferon-Präparat oder Glatirameracetat) im vorhergehenden Jahr mindestens einen Schub hatten und mindestens 9 T2-hyperintense Läsionen oder mindestens eine Gadolinium anreichernde Läsion im kraniellen MRT-Scan aufweisen. Zum anderen können Patienten mit rasch fortschreitender schwerer schubförmig remittierend verlaufender Multipler Sklerose auch primär mit Fingolimod/Natalizumab behandelt werden, wenn 2 oder mehr Schübe mit Behinderungsprogression im Jahr zuvor aufgetreten sind und in der kraniellen MRT eine oder mehrere Gadolinium anreichernde Läsionen oder eine signifikante Erhöhung der T2- Läsionen im Vergleich zu einer kürzlich durchgeführten (6–12 Monate alten) MRT-Aufnahme nachweisbar sind.

Bitte auch folgenden Link checken:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-050l_S2e_Multiple_Sklerose_Diagnostik_Therapie_2014-08_verlaengert.pdf