Forscher wollen Abhängigkeitspotential von Opioden verringern

Neuer Angriffspunkt für Opioide könnte den Gewöhnungseffekt und das Abhängigkeitspotential der Wirkstoffe herabsetzen Wissenschaftler haben einen Mechanismus im Gehirn identifiziert, der als Zielst

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Neuer Angriffspunkt für Opioide könnte den Gewöhnungseffekt und das Abhängigkeitspotential der Wirkstoffe herabsetzen

Wissenschaftler haben einen Mechanismus im Gehirn identifiziert, der als Zielstruktur für Wirkstoffe dienen und dabei helfen könnte, den Gewöhnungseffekt und das Abhängigkeitspotential bei einer Opioidmedikation, beispielsweise mit Morphin, zur Schmerzreduktion herabzusetzen. Dies legt nun eine gemeinsame Studie der Georgia State University und der Emory University nahe.

Die Studienergebnisse, die im August in den Magazinen Nature und Neuropsychopharmacology veröffentlicht wurden, zeigen, dass der Gewöhnungseffekt, der im Rahmen einer Morphinmedikation auftritt, das Resultat einer Entzündungsreaktion im Gehirn ist. Diese Entzündung im Gehirn wird durch die Freisetzung von Zytokinen verursacht, chemische Botenstoffe des Körpers, die – ähnlich wie bei einer viralen Infektion –  eine Immunreaktion auslösen.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass die Blockade eines spezifischen Zytokins die Ausbildung der Morphintoleranz unterband, und darüber hinaus gelang es ihnen, die Morphindosis zu reduzieren, die nötig ist, um das Schmerzempfinden um die Hälfte zu senken.

“Unsere Ergebnisse haben eine immense Bedeutung für die Schmerztherapie und die Entwicklung von Abhängigkeiten”, erklärte Lori Eidson, Erstautorin der Studie. “Bisher waren die konkreten Mechanismen, die der Opioidtoleranzentwicklung zugrunde liegen, unbekannt.”

Über 67% der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika werden irgendwann in ihrem Leben mit chronischen Schmerzen zu tun haben. Morphin ist der primäre Wirkstoff, der zum Management chronischer und schwerer Schmerzzustände eingesetzt wird, wobei drei bis vier Prozent der amerikanischen Erwachsenenbevölkerung dauerhaft mit Opioiden therapiert werden. Die Toleranzentwicklung bei Morphingabe jedoch – definiert als verringerte Schmerzreduktion bei gleicher Dosierung über die Zeit – verhindert signifikant eine erfolgreiche Therapie bei bis zu 60% aller Schmerzpatienten. Eine Langzeitbehandlung mit Opioiden ist mit einem erhöhten Missbrauchsrisiko, Abhängigkeitspotential und tödlichen Überdosen assoziiert.

Wenn keine Schmerzen bestehen, interagiert Morphin mit der Fähigkeit des Körpers, seine physiologischen Funktionen – die sogenannte Homöostase – aufrecht zu erhalten. Alles, was die Homöostase stört, wird vom Körper als Pathogen erkannt, was in einer Immunantwort resultiert, mittels derer sich der Körper des Pathogens zu entledigen versucht. Als Eidson Ratten Wirkstoffe verabreichte, die die Ausbildung von entsprechenden Immunantworten blockierten, entwickelten sie keine Morphintoleranz.

In der Studie wurde darüber hinaus entdeckt, dass sich die Morphintoleranz sehr rasch ausbildet. Die Verabreichung einer Einzeldosis Morphin an die Ratten war im Dreitagesverlauf ausreichend, um bei den Tieren den Gewöhnungseffekt zu induzieren.

Text: esanum / mk

Foto: Artem Samokhvalov / Shutterstock.com