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HIV-Diagnostik weltweit weiterhin mangelhaft

WHO analysiert unzureichende Nutzung der verfügbaren Tests und Geräte.

WHO analysiert unzureichende Nutzung der verfügbaren Tests und Geräte.

Das HIV- und AIDS-Programm der Vereinten Nationen 90-90-90 hat es sich zum Ziel gemacht, 90% der weltweit HIV-Infizierten über ihren Infektionsstatus in Kenntnis zu setzen, 90% aller HIV-Infizierten weltweit mit einer antiretroviralen Therapie (ART) zu versorgen und 90% derer, die eine ART bekommen, bis 2020 eine dauerhafte Suppression des Virus zu ermöglichen. In Rahmen einer Studie, die in PLOS Medicine erschienen ist, haben Vincent Habiyambere von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und seine Kollegen gezeigt, dass eine unzureichende Kapazität an nötigen Labortests, die zur HIV-Diagnostik eingesetzt werden, sowie eine ungenügende Auslastung von Kapazitäten zur Durchführung dieser Tests, die Wahrscheinlichkeit einschränken, dass diese Ziele erreicht werden.

Die Wissenschaftler analysierten Antwortbögen jährlicher Befragungen, die den WHO-Büros zwischen 2012 und 2014 aus 127 Ländern zugeschickt worden waren. Die Studienteilnehmer berichteten über die Kapazitäten und die Nutzung von CD4-Tests, Tests zur HIV-Viruslast (VL) und Frühdiagnostik bei Kindern.

Die Forscher fanden heraus, dass die Kapazität an CD4-Instrumentarien ausreichend war, um den Ansprüchen aller HIV-/AIDS-Patienten gerecht zu werden, ungeachtet des Behandlungsstatus, die VL-Kapazitäten waren jedoch unzureichend, um den gegebenen Notwendigkeiten in den meisten teilnehmenden Ländern gerecht zu werden. Selbst wenn die Kapazitäten ausreichend waren, wurden die Geräte nur unzureichend genutzt; nur 13,7% der CD4-Kapazität und lediglich 36,5% der VL-Kapazität  wurden 2013 in allen teilnehmenden Ländern ausgeschöpft.

Habiyambere und seine Kollegen stellten fest, dass die Antworten ausschließlich im Rahmen von nationalen Programmen gegeben wurden, die Testkapazitäten im privaten Sektor nicht erfasst wurden und dass unvollständig oder nicht beantwortete Fragebögen die Auswertung im Rahmen der Studie beeinträchtigen. Dennoch erklärten sie, dass ihre Ergebnisse auf Defizite in der VL-Test-Kapazität  und auf unzureichende Anwendung von CD4- und VL-Diagnostik-Technologien hinweisen, derer man sich wird annehmen müssen, um die Ziele des Programmes UNAIDS der WHO zu erreichen.

Die Forscher erklärten: “Mit den sich stetig ausweitenden Laborsystemen in den Teilnehmerländern sollte ein nationaler Strategieplan erstellt werden, um die Kollaboration mit den Laboren zu optimieren, und dies sollte durch Regierungen und internationale Partner implementiert und überwacht werden. Der Fokus der internationalen Gemeinschaft zur Ermöglichung einer optimalen Nutzung der Labortechnologien sollte auf jenen Ländern liegen, in denen ein erhöhter Bedarf an einer verbesserten HIV-Diagnostik besteht.”

Aus einer themenverwandten Perspektive diskutieren Peter Kilmarx und Ravia Simbi die ganz konkreten Herausforderungen, die das Ziel, hohe Kapazitäten und Effizienz in allen Phasen der HIV-Betreuung zu realisieren, mit sich bringt, und stellen fest, dass für eine entsprechende Weiterentwicklung “eine starke Führung, gute Ressourcen, Planung und Management vonnöten sind, um Laborservices zu optimieren. Die Fortführung von Bemühungen zur Überwachung, wie die von Habiyambere und seinen Kollegen, sind essentiell.”