Digitale Versorgungskonzepte in der Nephrologie

Große Chancen für die Heimdialyse und mögliche neue Rollenverteilungen in der Gesundheitsberatung. Die Digitalisierung aller Lebensbereiche macht auch vor der Nephrologie nicht halt. Welche Chancen

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Große Chancen für die Heimdialyse und mögliche neue Rollenverteilungen in der Gesundheitsberatung.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche macht auch vor der Nephrologie nicht halt. Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, war auch ein wichtiges Thema auf der 8. Jahrestagung der DGfN in Berlin. Gerade in Bezug auf die von vielen Patienten gewünschte Heimdialyse, die in Deutschland zur Zeit nur eine sehr geringe Rolle spielt, könnten Hindernisse durch neue telemedizinische Möglichkeiten überwunden werden. Eine rund um die Uhr gewährleistete Anbindung an das Dialysezentrum sowie ein Monitoring der Labordaten mit Kontaktaufnahme bei Auffälligkeiten könnte die Heimdialyse für viele Patienten attraktiv machen – insbesondere in ländlichen Regionen mit langen Anfahrtswegen.

Viele Gesundheitsdaten wie Blutdruck oder Bewegungsprofile werden heute von frei auf dem Smartphone verfügbaren Apps geliefert und ausgewertet. Hier ist es eine wichtige Aufgabe der Fachverbände, den Patienten hinsichtlich des Datenschutzes zu beraten, Standards zu definieren und die Qualität und Reliabilität der Daten zu sicherzustellen.

Ein weiteres wichtiges Anliegen der DGfN ist die Etablierung von Dialyseregistern. Bis 2006 war in Deutschland mit “Quasi Niere” ein gut funktionierendes Register vorhanden, das aber dann nicht mehr von den Kassen finanziert wurde. Seitdem fehlen wichtige Daten zur Versorgungsforschung und wissenschaftlichen Evaluation wie Zahl der Dialysepatienten, angewandte Verfahren, Komplikationen und Krankheitsverläufe. Zwar werden von allen bundesdeutschen Dialyseeinrichtungen Qualitätsdaten an den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) gemeldet – diese Daten umfassen aber nur gesetzlich versicherte Pateinten und stehen anders als versprochen der Wissenschaft nicht als Rohdaten zur freien Verfügung. “Was Daten zur Dialyse angeht, ist Deutschland ein Entwicklungsland” hieß es auf der Pressekonferenz.

Wir haben mit Prof. Dr. Mark-Dominik Alscher, Kongressprädient und Mitglied des Vorstandes der DGfN, über die auf der Pressekonferenz angesprochen Themen und weitere Highlights des Kongresses gesprochen.

Quelle: Pressekonferenz zur 8. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), 12. 9. 2016, Berlin

Text und Video: Maria Weiß

Foto:  Hadrian / Shutterstock.com