Europäer sind die größten Impfskeptiker weltweit

Franzosen führend mit 41% in neuer Studie. Nach dem letzten Masernausbruch in Deutschland war das Thema Impfen, Impfsicherheit sowie die tatsächlichen oder auch nur empfunden Vor- und Nachteile Geg

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Franzosen führend mit 41% in neuer Studie.

Nach dem letzten Masernausbruch in Deutschland war das Thema Impfen, Impfsicherheit sowie die tatsächlichen oder auch nur empfunden Vor- und Nachteile Gegenstand kontroverser Diskussionen. Eine aktuelle Studie wollte nun wissen, wie das Impfen in Europa und der Welt rezipiert wird. Ist Impfskepsis ein Luxusproblem der industrialisierten Staaten oder gibt es sie womöglich auch in armen Ländern?

Impfungen werden in der wissenschaftlichen Community sowie im größten Teil der Bevölkerung als eine wichtige medizinische Institution betrachtet, nicht wenige Mediziner sehen sie sogar als die medizinische Errungenschaft des 20. Jahrhunderts an. Impfungen sind höchstwahrscheinlich im Alleingang für die Reduktion und gar Ausrottung von verschiedenen Infektionskrankheiten wie Diphterie, Polio und Tuberkulose verantwortlich, ein Fakt, der besonders von ideologisch geprägten Impfgegnern mit zum Teil abenteuerlichen bis rabulistischen Thesen abzustreiten versucht wird.

Trotz eines vorhandenen Konsens in der Bevölkerung, dass Impfungen ein schützenswertes Gut sind , gibt es jedoch durchaus berechtigte Zweifel an der Sicherheit und Effektivität im Detail: die finanziellen Interessen einer profitgelenkten Pharmaindustrie und deren massive Beteiligung an Impfstudien, die gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern und Institutionen wiederum als Entscheidungsgrundlage dienen, eine schnell wachsende Anzahl angeblich zwingend notwendiger Impfungen dem Impfkatalog hinzuzufügen, sind durchaus Grund, neue Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Eine neue Studie, die von Dr. Heidi Larson in der London School of Tropical Medicine and Hygiene in Großbritannien durchgeführt wurde, untersuchte nun die Impfskepsis weltweit. Hierzu wurden 66.000 Menschen aus 67 Länder befragt, und die Ergebnisse waren überraschend. Der Mittelwert der Impfskeptiker weltweit lag bei 12%, wobei Europäer die größter Impfskeptiker sind und Frankreich mit 41% der Befragten als Impfgegner auf Platz Nummer eins landet!

Andere Länder mit einer hohen Anzahl an Impfgegnern waren Bosnien (36%), Russland (28%), die Mongolei (27%), Griechenland, die Ukraine und Japan (25).

Die von der Sicherheit der Impfstoffe am meisten überzeugten Länder waren in Südostasien, beispielsweise Bangladesch (1% Impfskeptiker), Indonesien (3%), Thailand (6%), aber auch Saudi-Arabien und Argentinien (1%).

Während die positiven Meinungen zum Impfen keine großen Unterschiede in der Argumentation gezeigt haben, fiel auf, dass die Impfskepsis eine breite Spanne von Begründungen zutage förderte.

In Frankreich z.B. ist die Impfskepsis durch die Skandale um Nebenwirkungen der Hepatitis-B und HPV Impfstoffe in den letzten 20 Jahren ausgelöst worden. In anderen Ländern spielen religiöse Gründe eine Rolle, wobei es nicht nachgewiesen werden konnte, dass eine Religion dem Impfen in besonderem Maße skeptisch gegenüber steht. Zudem zeigte die Studie, dass die Menschen über 65 weniger impfskeptisch waren, als jüngere Generationen.

Eine mögliche Ursache der Impfskepsis in Europa und allgemein in Industriestaaten ist die schnelle Verbreitung von Negativinformationen und Gerüchten durch das Internet.

Aber was kann man dagegen tun? Dr. Zachary Horne und seine Kollegen haben einen interessanten Ansatz veröffentlicht: Man soll die Menschen nicht widerlegen, sondern über mögliche Impfschäden, Nebenwirkungen und Krankheitsrisiken ausführlich informieren. Menschen mit einer skeptischen Einstellung gegenüber Impfungen sind eher bereit, diese zu ändern, wenn ihnen überzeugend die Gefahren von Infektionskrankheiten dargestellt werden und gleichsam kritische Informationen über mögliche Schäden durch eine Impfung nicht unterdrückt, sondern klar benannt werden.

Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind häufig der Meinung, dass durch die Impfung schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zum Kindstod ausgelöst werden können – häufig ignorierend, dass die Inzidenz solcher Vorfälle verschwindend gering ist. Versuche diese Meinung zu ändern scheitern oft, weil Menschen dazu neigen, offensichtliche Belege, die ihrer Meinung widersprechen, zu ignorieren oder herunterzuspielen. Zudem ist es oft schwierig, überzeugende Belege für das Fehlen von Risiken vorzulegen oder ein umfangreiches Studiendesign einem Laien zu vermitteln. Daher ist es meist leichter, eine existierende Meinung zu modifizieren bzw. zu differenzieren.

Text: esanum/am

Foto: Peter Hermes Furian