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Hypertrophe Kardiomyopathie: wird sie häufig fehldiagnostiziert?

Vergrößertes “Sportlerherz” tritt bei viel mehr Erwachsenen auf, als bisher vermutet. Laut einer neuen Studie aus dem MRC Clinical Science Center im Imperial College London wird die Dia

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Vergrößertes “Sportlerherz” tritt bei viel mehr Erwachsenen auf, als bisher vermutet.

Laut einer neuen Studie aus dem MRC Clinical Science Center im Imperial College London wird die Diagnose hypertrophe Kardiomyopathie häufiger falsch gestellt, da auch Erwachsene mit regelmäßiger Aktivität häufiger ein vergrößertes Herz haben – was allerdings keine Krankheit darstellt.

Die körperliche Anstrengung kann viel Sauerstoff verlangen und besonders bei Athleten kann es dazu führen, dass das Herz sich vergrößert, um eine bessere Pumpleistung anzubieten. Das “Sportlerherz” ist ein bekanntes Phänomen, bei dem das Herz über 1kg wiegen kann. Das geschieht wenn die Herzmuskelzellen hypertrophierten und daraufhin die Herzwand an Dicke zunimmt.

Dieser physiologische Prozess kann irrtümlicherweise mit der hypertrophen Kardiomyopathie verwechselt werden – diese ist eine monogen-erbliche Erkrankung und gehört zur großen Gruppe der Kardiomyopathien. Sie ist charakterisiert durch eine meist asymmetrische Verdickung (Hypertrophie) der Muskulatur der linken Herzkammer.

Diese Studie zeigt zum ersten Mal, dass nicht nur Athleten sondern allgemein Erwachsene die eine regelmäßige körperliche Aktivität betreiben, auch ein “Sportlerherz” entwickeln können. “Aus diesem Grund können viele gesunde Erwachsene mit physiologisch vergrößertem Herzen mit einer hypertrophen Kardiomyopathie fehldiagnostiziert werden” so Declan O’Regan, der Studienleiter.

Es war bisher unbekannt, in welchem Ausmaß sich das Herz der regelmäßigen körperlichen Aktivität anpassen kann. Die neue Studie hat die Aktivität von 1000 gesunden Erwachsenen über ein Jahr analysiert und dabei die Hypertrophie des Herzens objektiviert.

Die Studienergebnisse zeigten, dass ein Fünftel der Personen, die eine wöchentliche körperliche Tätigkeit von zwischen 3 und 5 Stunden und mehr angegeben haben, eine Verdickung der Herzwand entwickelten.

Die Forscher empfehlen den Kardiologen, die Angabe der sportliche Aktivität als wichtige anamnestische Frage zu betrachten, bevor sie die Diagnose hypertrophe Kardiomyopathie stellen.

Oberhalb der drei-Stunden-Schwelle ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Herz sich der körperlichen Belastung anpasst, größer: “Je öfter eine körperliche Tätigkeit unternommen wird, desto dicker wird der Herzmuskel und größer werden die Herzhöhlen, besonders der rechte Ventrikel, der eine vergrößerte Vorlast empfangen kann”, erklärt O’Regan. Die Anpassung des Herzens liefert mehr Sauerstoff und Nährstoffe in die peripheren Muskeln die sie für ihre Funktion brauchen.

Laut O’Regan benutzen die Kardiologen weltweit Referenzwerte, die aus wenigen Studien stammen, bei denen nur wenig aktive Erwachsene eingeschlossen wurden. Daraus könne erhebliche Messfehler bei der Objektivierung der Wanddicke des Herzens entstehen. Einen wichtigen Hinweis zur Differenzierung zwischen aktiven und kranken Menschen könne die Pathophysiologie liefern. Bei der hypertrophen Kardiomyopathie ist nur die Herzwand verdickt, während beim Sportlerherz die Wand verdickt und das Blutvolumen vergrößert sind.

Der Forscher plädiert dafür, dass mehr Informationen wie Geschlecht, Alter, Essgewohnheit und körperliche Aktivität in den Entscheidungsprozess einfließen sollen. Die Angabe der körperlichen Tätigkeit soll zusammen mit dem EKG und Herz-MRT den Ärzte helfen, richtige Diagnosen zu stellen und daraufhin die Therapien zu optimieren.

Tatsächlich zeigt sich in der Magnetresonanztomographie, dass Erwachsene mit unterschiedlichen körperlichen Tätigkeiten Unterschiede in Form und Größe des Herzens haben können, die nicht unbedingt als krankhaft eingestuft werden müssen.

Um die Evidenz der Studie zu erhöhen haben die Forscher die Personen eliminiert, die eine positive Familienanamnese oder eine Prädisposition für Herzkrankheiten aufweisen.

Unklar ist es aber, ob diese Herzveränderungen langfristig die Gefahr für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen oder, im Gegenteil, davor schützen.

Text: esanum/am

Foto: Alila Medical Media