>

Hypothyreosen mit einem TSH unter 10 mU/L behandeln?

Eine prospektive Studie über 5 Jahre zeigt, dass Beobachtung besser ist als Therapie. Rosario et al.1 verfolgten prospektiv über fünf Jahre 241 Frauen mit subklinischer Hypothyreose und nur mild er

None

Eine prospektive Studie über 5 Jahre zeigt, dass Beobachtung besser ist als Therapie.

Rosario et al.1 verfolgten prospektiv über fünf Jahre 241 Frauen mit subklinischer Hypothyreose und nur mild erhöhten TSH-Werten zwischen 4.5 und 10 mU/L. Nur 46 (19%) entwickelten in den fünf Jahren eine manifeste Hypothyreose und erhielten dann Thyroxin, bei 55 (22.8%) normalisierte sich das TSH wieder spontan und 140 (58.1%) verblieben in der subklinischen Hypothyreose mit einem TSH zwischen 4 und 10 mU/L.

Ein basales TSH >8 mU/L war eine Prädiktor für eine Progression und einen späteren Thyroxinbedarf, während ein TSH </= 8 mU/L, negative TPO-Antikörper und ein normaler Ultraschallbefund eine TSH-Normalisierung vorhersagten. Bei echoarmem Ultraschallbefund war der Verlauf  zwischen TPO-positiven und –negativen Patienten nicht unterschiedlich.

Tabelle 1 und 2 zeigen die detaillierten Befunde (aus der Publikation Lit.1)

Table 1. Evolution of women with subclinical hypothyroidism (TSH 4·5–10 mIU/l) according to the presence of thyroiditis (positive antithyroperoxidase antibodies or ultrasonography) and initial TSH

subklinische-hypothyreose-1

Table 2. Evolution of women with subclinical hypothyroidism (TSH 4·5–10 mIU/l) according to the results of antithyroperoxidase antibodies (TPOAb) and ultrasonography (US)

subklinische-hypothyreose-2

Kommentar von Prof. Dr. Helmut Schatz

Bei knapp einem Viertel aller Patienten kam es in der vorliegenden Studie nach 5 Jahren zu einer spontanen TSH-Normalisierung, bei deutlich über der Hälfte zeigte sich keine Progression zu einer Manifestation der Hypothyreose.

Dies liegt auf der Linie der  Empfehlung der Amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA), generell eine suklinische Hypothyreose bei einem TSH-Wert <10 mU/L nicht zu behandeln, sondern beobachtend abzuwarten.

Im DGE-Blogbeitrag vom 12. November 2013  wurden die Situationen aufgelistet, bei welchen nach ATA aber im individuellen Fall eine Thyroxingabe angezeigt ist: Bei klinischen Symptomen, positiven Schilddrüsenantikörpern, einer arteriosklerotischen kardiovaskulären Erkrankung oder einer Herzinsuffizienz. Der Referent hat in diesem Blogbeitrag noch das Postulat eines TSH <2.5 mU/L bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch hinzugefügt (2).

Literatur

1 Pedro W.S. Rosário et al.: Natural history of subclinical hypothyroidism with TSH Clin Endocrinol 2016. 84(6):878-881

Text: DGE

Foto: Aksabir