Mit Tolvaptan lässt sich Progredienz der Nierenzysten aufhalten

Neue Therapiechancen bei der polyzystischen Nierenerkrankung. Die autosomal-dominant vererbte polyzystische Nierenerkrankung (kurz ADPKD oder Zystennieren) ist mit einem Anteil von etwa 7% aller Di

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Neue Therapiechancen bei der polyzystischen Nierenerkrankung.

Die autosomal-dominant vererbte polyzystische Nierenerkrankung (kurz ADPKD oder Zystennieren) ist mit einem Anteil von etwa 7% aller Dialysepatienten und etwa 50.000 Betroffenen in Deutschland die häufigste erbliche Ursache der chronischen Niereninsuffizienz. Der Vasopressin-Antagonist Tolvaptan kann die Progression der Nierenzysten ausbremsen und damit die Dialysepflicht herauszögern.

Die lebenslange, langsame progredient verlaufende Systemerkrankung manifestiert sich renal mit Nierenzysten, deren Wachstum auf die Dauer das Nierengewebe schädigt, zu einer arteriellen Hypertonie führt und quälende Schmerzen auslöst. Etwa die Hälfte der Patienten ist im Alter von 50 Jahren dialysepflichtig. Hinzu kommen extrarenale Manifestationen wie Leberzysten, Colondivertikel, Herzklappenanomalien und Aneurysmen der Hirnbasisarterien.

2009 wurde Tolvaptan – ein Antagonist des Vasopressin-Rezeptors in der Niere – zur Therapie bei Zystennieren zugelassen. In den Zulassungsstudien führte eine dreijährige Therapie zu einer Verminderung der Abnahme der Nierenfunktion um 32% bei gleichzeitiger Senkung der Belastung durch Nierenschmerzen. Auch die Zunahme des Nierenvolumens wurde verlangsamt.

Auf einem Symposium diskutierten Experten, welche Patienten besonders von dieser Therapie profitieren und zu welchem Zeitpunkt mit der Therapie begonnen werden sollte. Dabei sind das Alter des Patienten, das Nierenvolumen, die Progredienz der Erkrankung, das Stadium der Niereninsuffizienz und genetische Faktoren von Bedeutung.

Auch die möglichen Schattenseiten der Therapie müssen mit den Patienten diskutiert werden. So kommt es therapiebedingt zu einer maximalen Diurese, die eine hohe Trinkmenge erfordert und immer mit einer Polyurie und Nykturie einhergeht.

Wir haben mit Prof. Dr. Thomas Benzing von der Klinik II für Innere Medizin am Klinikum der Universität Köln über das Krankheitsbild der ADKPD und mögliche Chancen durch die Therapie mit Tolvaptan gesprochen.

Quelle: 8. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN); Satellitensymposium “Tolvaptan bei ADPKD: Praktische Erfahrungen aus der Anwendung”, 12. 9. 2016, Berlin (unterstützt durch Otsuka Pharma)

Text und Video: Maria Weiß

Foto: hywards