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Nur wenige Vitaminpräparate sind für Schwangere sinnvoll

Außer für Vitamin D und Folsäure gibt es kaum Belege für einen positiven Nutzen. Es ist längst bekannt, dass eine defizitäre Ernährung bei Schwangeren eine Gefahr für Mutter und Kind darstellt. Ein

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Außer für Vitamin D und Folsäure gibt es kaum Belege für einen positiven Nutzen.

Es ist längst bekannt, dass eine defizitäre Ernährung bei Schwangeren eine Gefahr für Mutter und Kind darstellt. Ein Mangel an Vitaminen kann eine verzögerte Entwicklung des Fötus, ein niedriges Gewicht bei der Geburt, muskuloskeletale Deformitäten sowie Präeklampsie bei der Mutter hervorrufen. Deshalb sind Schwangere ein Riesenmarkt für Hersteller von künstlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die mögliche Mängel beseitigen helfen sollen. Ein Review verschiedenster Forschungsarbeiten zum Thema beschäftigte sich mit der Frage, ob die Vielzahl an verfügbaren Präparaten tatsächlich so wichtig sind, wie insbesondere von den Herstellern gern behauptet.

Multivitaminpräparate enthalten typischerweise 20 Vitamine und Mineralien, darunter Vitamin B1, B6, C, D, E, K, Folsäure, Magnesium, Zink, Selen und Kupfer. Außerdem sind für die allermeisten auch Einzelpräparate erhältlich. Wirklich günstig sind diese selten.

Welche Präparate sind tatsächlich notwendig?

Obwohl viele Studien sich mit der Effektivität von Nahrungsergänzungsmitteln auseinandergesetzt haben, sind die Ergebnisse nur begrenzt übertragbar, da die Mehrheit der Studien in Ländern mit niedrigen Einkommen durchgeführt wurde, wo Schwangere möglicherweise an weiteren Ernährungsdefiziten leiden. Beobachtungsstudien aus den USA konnten keine Kausalitäten, lediglich Korrelationen nachweisen.

das vorliegende Review untersuchte nun die Wirksamkeit der Komplementen und deren wissenschaftliche Evidenz in der Literatur, vor allem von Vitamin A, C, D, E, Eisen und Folsäure. Dabei konnte nur die Wirksamkeit von Folsäure wissenschaftlich belegt werden (doi: 10.1136/dtb.2016.7.0414).

Mehrere Studien haben nämlich gezeigt, dass die Komplementierung von Folsäure bei der Schwangerschaft das Auftreten von Neuralrohrdefekten wie Anenzephalie und Spina Bifida signifikant reduzieren konnte.

Die Europäischen und US-amerikanischen Leitlinien empfehlen 400 Mikrogramm Folsäure täglich ab der Feststellung der Schwangerschaft bis zur 12. Woche. Für Frauen mit erhöhtem Risiko werden 5 mg empfohlen.

Die Evidenz für die Vitamin D-Substitution ist etwas schwächer. Vitamin D wird in der Haut nach Kontakt mit UV-Strahlen produziert, und spielt eine wesentliche Rolle beim Ausgleich des Kalziumhaushalts und dem Aufbau der Knochen. Ein Mangel an Vitamin D ist eng verbunden mit Störungen des Bewegungsapparats und kann Rachitis und Osteoporose verursachen.

Trotz seiner wichtigen Funktion konnte die Rolle von Vitamin D in der Vorbeugung Schwangerschaftsassoziierter Komplikationen nicht nachgewiesen werden. Eine tägliche Dosierung von 10 Mikrogramm ist jedoch bei Schwangerschaft und in der Stillzeit angeraten, zumal Vitamin D auch auf verschiedenste schwangerschaftsunabhängige Stoffwechselprozesse eine positive Wirkung zeigt. Bei dunkelhäutigen Frauen, die in kalten und stark bewölkten Regionen mit schwächerer UV-Strahlung leben, kann die Einnahme von Vitamin D eine höhere Relevanz haben.

Für die anderen Komplemente wie Vitamine A,C, E, und Eisen konnten keine gesundheitlichen Vorteile nachgewiesen werden. Eine exzessive Einnahme von Vitamin A könnte sogar schädlich sein für die Entwicklung des Fötus.

Die Autoren des Berichts schlussfolgerten, dass es keine wissenschaftliche Evidenz dafür gibt, dass Nahrungsergänzungsmittel während der Schwangerschaft vorteilhaft sind, abgesehen von Vitamin D und Folsäure. Zudem warnen Sie vor den Marketingstrategien der Industrie und deren Motto, dass eine gesunde Entwicklung des Babys keiner Preisfrage unterliegen darf. Es gäbe für die angehenden Mütter keinen wissenschaftlichen Grund, sich massenhaft teure Nahrungsergänzungsmittel anzuschaffen.

Text: esanum/am

Foto: Niloo / Shutterstock.com