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Polypodium leucotomos: ein neuer UV-Schutz für die Haut

Extrakt aus tropischem Farnkraut hat Potenzial in der Therapie von Photodermatosen, Pigmentstörungen und Hautkrebs.

Extrakt aus tropischem Farnkraut hat Potenzial in der Therapie von Photodermatosen, Pigmentstörungen und Hautkrebs.

Während sich das Verständnis von Funktionsmechanismen des Immunsystems, Zytokinen und verschiedenen zellulären Interaktionen immer weiter entwickelt, müssen auch neuartige potentielle Applikationsformen verschiedener Therapien erforscht werden, die sich relevant auf Krankheitsprozesse auswirken können, anstatt nur ihre Symptome zu kontrollieren. Im Falle des Polypodium-leucotomos-Extrakts, das aus einem tropischen Farnkraut der Polypodiaceae-Familie stammt, werden künftige Anwendungsmöglichkeiten in der Dermatologie und verwandten Fachgebieten derzeit immer besser verstanden, da seine Integration in die klinische Routine neuen Behandlungsregimen Vorschub leistet.

Kliniker könnten den Wirkstoff für tägliche Anwendungen in Betracht ziehen oder aber eine Kombination mit anderen Wirkstoffen etablieren. Denkbar ist auch, den Wirkstoff als Matrize für die weitere Entwicklung oral verabreichter Supplemente zu nutzen – mit dem Ziel, einen potenten Immunmodulator verfügbar zu machen. Die antioxidative Aktivität des P.-leucotomos-Extrakts (PLE) hat ihren biochemischen Ursprung in der Kaffeesäure und in der Ferulasäure, was ihm das Potential verleiht, kutane Antworten auf Erytheme nach UV-Licht-Exposition auszulösen sowie inflammatorische Prozesse zu unterbinden und Zytokine zu aktivieren.

Histologisch gesehen induziert der PLE eine allgemeine Reduktion der Angiogenese, Photokarzinogenese und Solarelastose, während auf zellulärer Ebene Verbesserungen in der Integrität der Zellmembranen und Elastinexprimierung ausgelöst werden. Künftige Anwendungen des Extrakts könnten sich sein Potential als UV-Schutz zu Nutze machen, und weitere Forschungsbemühungen könnten die Evaluierung der optimalen Dosierung sowie die Dauer der Applikation sowie die Frage nach einer sinnvollen Kombination mit herkömmlichen Sonnenschutzprodukten in den Fokus nehmen.

Kürzlich veröffentlichte Daten haben darüber hinaus gezeigt, wie die antioxidativen Mechanismen des oral applizierten Extrakts im Mausmodell Tumorwachstum verzögern können, was nahelegt, dass dem Wirkstoff ein weiteres therapeutisches Potential zukommt, das im klinischen Setting weiter untersucht werden sollte. Es ist von Bedeutung, einen klaren Unterschied zwischen Lichtschutz und Chemoprävention zu machen, zumal es bisher noch keine Anwendung am Menschen gegeben hat beziehungsweise Daten aus randomisiert kontrollierten klinischen Studien erst noch erbracht werden müssen, um die Rolle des P.-leucotomos-Extrakts in der Prävention der Karzinogenese wissenschaftlich darzulegen (DOI: 10.1007/s40257-015-0113-0).

Die antioxidative Wirkung von P. leucotomos wird vorwiegend seinen Phenolsäuren zugeschrieben, die reaktive Sauerstoffespezies eliminieren und antiinflammatorische Effekte haben. Sie wirken UV-vermittelter Immunsuppression entgegen und konnten in vitro die Aktivität von dendritischen Zellen und Lymphozyten regenerieren. Bereits Middelkamp-Hup et al. untersuchten die Rolle oral applizierten PLEs und seine Auswirkung auf photobiologische Reaktionen von Psoralen und die PUVA-Therapie.

Die Studie, die an gesunden Probanden durchgeführt wurde, zeigt, dass sich nach zwei Dosen PLE (7,5 mg/kg Körpergewicht), die im Abstand von zwölf Stunden verabreicht worden waren, die Population von Dermatitis solaris affektieren Zellen um die Hälfte reduziert und sich die Langerhansschen Zellen signifikant regeneriert hatten. Darüber hinaus war eine vermehrte Vasodilatation zu verzeichnen, die den antioxidativen Effekten zuzuschreiben war.

Kürzlich veröffentlichte Daten von einem Forscherteam der medizinischen Hochschule in Reus in Spanien legen nahe, dass die antioxidativen Effekte des PLE im Mausmodell zu einem signifikant verzögerten Tumorwachstum führen (p = 0,023). Das könnte zu weiteren Forschungsprojekten bezüglich des photoprotektiven Potentials des Wirkstoffs führen. Das Forscherteam in Reus bestrahlten haarlose Mäuse mit UV-Licht.

Sie werteten verschiedene Marker aus, um die Rolle des oxidativen Stresses zu evaluieren und daraufhin zu untersuchen, ob eine täglich oral verabreichte Dosis von PLE ein mögliches Tumorwachstum würde verzögern oder sogar verhindern können, indem die antioxidative Abwehr gestärkt und die epidermale p53-Expression befördert werden würde. Und tatsächlich wurden – verglichen mit nicht PLE-behandelten Mäusen – erhöhte Level von p53-positiven Zellen in tumorfreien PLE-behandelten Mäusen gefunden.

Die antioxidativen und photoprotektiven Eigenschaften des PLEs legen nahe, dass ihm ein signifikantes Potential in der Therapie von Photodermatosen, Pigmentstörungen und möglicherweise sogar in der Unterbindung der Karzinogenese zukommen könnte. Allerdings müsste die Bereitschaft von Patienten, ein orales Antioxidans einzunehmen, höchstwahrscheinlich noch wachsen. Weitere Forschungsprojekte könnten helfen, den PLE weniger als Nahrungsergänzungsmittel, sondern viel mehr als eigenständige Therapie zu etablieren.