Strategien zur Organspende

Trotz steigendem Bedarf ist die Zahl an Spenderorganen in den letzten Jahren in Deutschland deutlich zurückgegangen. Der Skandal um die Warteleisten-Manipulation hat zwar zu einem Vertrauensverlust

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Trotz steigendem Bedarf ist die Zahl an Spenderorganen in den letzten Jahren in Deutschland deutlich zurückgegangen.

Der Skandal um die Warteleisten-Manipulation hat zwar zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung geführt – kann die sinkende Zahl an Spenderorganen aber nicht allein erklären. Auch die oft angeschuldigte sinkende Zahl an Verkehrsunfällen ist als alleinige Erklärung nicht geeignet, da Verkehrsopfer mit schwerem Schädel-Hirn-Traumata nur einen relativ geringen Anteil der Organspender darstellen.

Im Europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Rate von Organspenden pro 1.000 Todesfälle im letzten Viertel  – niedrigere Raten haben nur Griechenland, Rumänien und Bulgarien. Als positive Beispiele gelten Spanien und neuerdings auch Kroatien, das hohe Transplantationsraten hat und Wartelisten abbauen konnte. Wichtiger Faktor könnte hier sein, dass anders als in Deutschland Transplantationskoordinatoren an den Krankenhäusern mit Intensivstationen von anderen Aufgaben freigestellt sind und zusätzlich finanziert werden. Auch das Vorhalten von Intensivkapazitäten für potenzielle Organspender ist hier anders als deutschen Krankenhäusern kein Verlustgeschäft. Die Professionalisierung der Transplantationskoordinatoren und die sachgerechte Finanzierung der Spenderkrankenhäuser könnten auch in Deutschland zur Verbesserung der Transplantationsraten beitragen.

Ein anderer Unterschied zu einigen europäischen Nachbarländern ist der Umgang mit Lebendspendern. Die Lebendspende einer Niere aus rein altruistischen Gründen ist bei uns verboten, genauso wie Ketten-Lebendspende.

Wir haben mit Prof. Dr. Wilfried Gwinner von der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen an der Medizinischen Hochschule Hannover über mögliche Ursachen der sinkenden Zahl von Organtransplantationen und Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen.

(Symposium “Strategien zur Organspende”, 11. 9. 2016, Vorsitz Prof. Dr. Wilfried Gwinner)

Text und Video: Maria Weiß

Foto: Ben Schonewille / Shutterstock.com