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Tests: Ein Viertel der Gerstenschläge mit Glyphosat behandelt

25 von 98 untersuchten Flächen belastet. Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird nach Ansicht der Umweltorganisation BUND längst nicht so selten eingesetzt wie von Agrarminister Till Backhaus (SPD) dargestellt.

25 von 98 untersuchten Flächen belastet.

Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird nach Ansicht der Umweltorganisation BUND längst nicht so selten eingesetzt wie von Agrarminister Till Backhaus (SPD) dargestellt. Das Agrarministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Anwendung von Glyphosat schon heute auf einzelne Bereiche beschränkt sei. Vor der Ernte von Wintergerste sei auf 98 Feldern in Mecklenburg-Vorpommern kontrolliert worden, ob Glyphosat angewendet wurde.

Auf 73 Gerstenschlägen war der Wirkstoff demnach nicht ausgebracht worden. BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag sagte am Donnerstag, der Hauptteil des Glyphosats werde nicht bei der Vorernte-Behandlung auf die Felder gebracht, sondern vor der Aussaat und nach der Ernte.

Wie es auf der Internetseite des Deutschen Bauernverbands heißt, spielt die Vorernte-Behandlung mit Glyphosat in Deutschland eine untergeordnete Rolle und liegt bei weniger als fünf Prozent der Ackerfläche. Der Wirkstoff wird zum größten Teil nach der Ernte gegen ausgefallene Rapssamen sowie gegen Unkraut auf Stoppelfeldern eingesetzt. Glyphosat steht im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erregen. Außerdem schade das Totalherbizid Pflanzen und Tieren wie Amphibien, Insekten, Vögeln und sogar Fledermäusen, sagte Cwielag.

Nach den Worten der agrar- und umweltpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Ursula Karlowski, wurden Glyphosat und seine Abbauprodukte bei eigenen Untersuchungen in 10 von 15 Kleingewässern in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Sie forderte, die Genehmigung für Glyphosat auszusetzen. Gleichzeitig müssten die Vorernte-Behandlung kontrolliert und Verstöße geahndet werden. Durch eine Pestizidabgabe sollten Landwirte und Pestizidindustrie an den Kosten beteiligt werden, die durch die Anwendung von Pestiziden entstehen, etwa für das Aufbereiten von Trinkwasser und die Lebensmittelüberwachung.

Im Land wurde jetzt erstmals die Anwendung von Glyphosat vor der Ernte überprüft. Demnach war ein Viertel der kontrollierten Gerstenflächen mit dem Wirkstoff behandelt worden, jede dritte ohne Notwendigkeit. Bauern dürfen glyphosathaltige Mittel vor der Ernte nur einsetzen, wenn sogenannter Zwiewuchs auftritt und wenn am Boden liegendes Getreide von Unkraut durchwachsen wird. Zwiewuchs ist das nachträgliche Wachstum von Getreidetrieben. Diese grünen Pflanzenteile erhöhen wie das Unkraut die Feuchtigkeit der Getreidekörner so stark, dass Getreide ohne technische Trocknung im Lager rasch verderben würde.