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Wie die Mundflora Darmkrebs beeinflussen kann

Ein nicht-pathogenes Bakterium der Mundflora kann laut einer aktuellen Studie durch ein Protein über das Blut das Kolorektale Karzinom erreichen und exazerbieren Als Darmkrebs bezeichnet man alle bösartigen (malignen) Tumoren des Darmes.

Ein nicht-pathogenes Bakterium der Mundflora kann laut einer aktuellen Studie durch ein Protein über das Blut das Kolorektale Karzinom erreichen und exazerbieren

Als Darmkrebs bezeichnet man alle bösartigen (malignen) Tumoren des Darmes. Die kolorektalen Karzinome, das sind die Karzinome des Colons und des Mastdarms (Rectum), machen dabei mehr als 95 % der bösartigen Darmtumoren aus. Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens erkranken. Kolorektale Karzinome verursachen zunächst sehr selten Symptome, sie entstehen fast immer aus anfangs gutartigen Darmpolypen. Die Heilungschancen durch Operation und Chemotherapie mit 5-Jahres-Überlebensrate von 40 bis 60 % im Mittel hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird.

Frühere Studien aus der T.H Chan School of Public Health der Harvard Universität in Boston, USA, haben nachgewiesen, dass die sogenannten Fusobakterien eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Progression des kolorektalen Karzinoms im Tiermodell spielen. Zudem wurde bei Patienten eine erhöhte Dichte von Fusobakterien in den Tumorgewebeproben im Vergleich zu dem gesunden Gewebe nachgewiesen.

Die im Journal Cell Host and Microbe veröffentliche Studie zeigt, dass Fusobakterien sich an das Zucker-bindende Protein “Gal-GalNAc” anheften, über das Blut in den Darm gelangen, und dort Polypen entwickeln und proliferieren.

“Da Fusobakterien zur Entwicklung des Kolorektalen Karzinoms beitragen, und wir den dahinter-steckenden Mechanismus herausgefunden haben, hoffen wir durch die Blockierung des Prozesses eine Verlangsamung des Krankheitsgeschehens oder sogar die Verkleinerung des Tumors zu erzielen”, erklärt Wendy Garrett, Co-Author der Studie aus Harvard.

Um die Hypothese zu bestätigen, haben die Forscher zwei Mausmodelle entwickelt. Die erste Gruppe hatte eine Präkanzerose und die zweite ein kolorektales Karzinom. Es wurden danach Fusobakterien in die Vene gespritzt und Gewebeproben entnommen. Bei beiden Gruppen zeigte sich eine vermehrte Besiedlung im tumorösen Darmanteil mit Fusobakterien, während sie im normalen Gewebe nicht vorhanden waren. Überraschen war auch die Tatsache, dass hepatische Metastasen des Kolorektalen Karzinoms auch mit Fusobakterien besiedelt waren, woraus der Verdacht entsteht, dass die Fusobakterien eine wichtige Rolle bei der Pathogenese des Darmkrebses spielen könnte.

Die Studienergebnisse stellen auch die bisherige Paradigmen in Frage und zeigen dass Bakterien bei der Krebsentstehung eine zentrale Rolle spielen. Die Forschungsgruppe hat bereits mit neuen Experimenten begonnen, um ein Weg zu finden, wie man die Besiedlung beim Darmkrebs verhindern und eventuell rückläufig machen könnte.