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Wieviel Einfluss hat Alkohol auf die weibliche Fruchtbarkeit?

Die konkreten Auswirkungen von Alkohol auf die Fähigkeit schwanger zu werden sind bisher nicht komplett bekannt.

Die konkreten Auswirkungen von Alkohol auf die Fähigkeit schwanger zu werden sind bisher nicht komplett bekannt

Eine aktuelle Studie, die im Magazin The BMJ erschienen ist, führt nun detailliert die relevanten Interaktionen auf. Geschätzte 24% aller Paare in den entwickelten Ländern, die versuchen, ein Kind zu bekommen, benötigen über 12 Monate bis zum Eintritt einer Schwangerschaft.

Da Alkoholkonsum fester Bestandteil des modernen Lebensstils ist, sind seine Auswirkungen auf die Fertilität von großem Interesse. Geschätzte 18,2% der amerikanischen Frauen zwischen 18 und 44 Jahren trinken exzessiv (mehr als vier alkoholische Getränke im Rahmen eines Anlasses, und zwar mindestens dreimal pro Monat).

Mehr als ein Drink pro Tag während einer Schwangerschaft steht mit einem geringen Geburtsgewicht, dem fetalen Alkoholsyndrom und Frühgeburtlichkeit in Zusammenhang. Obwohl Alkohol dafür bekannt ist, das männliche und weibliche Reproduktionssystem sowie den Fetus zu schädigen, ist sein Einfluss auf die Fruchtbarkeit bisher nur unzureichend verstanden.

Die offiziellen Leitlinien in Großbritannien, Amerika und anderen Ländern empfehlen Paaren, die sich ein Kind wünschen, den konsequenten Verzicht auf Alkohol.

Obwohl die Alkoholabstinenz eine entscheidende Empfehlung in der Vorbereitung auf eine Schwangerschaft ist, stehen bisher nur wenige Daten über den Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum vor der Konzeption und der Zeit, die ein Paar braucht, um schwanger zu werden, zur Verfügung.

Bisher haben Studien, die die Auswirkungen von Alkohol auf die weibliche Fruchtbarkeit untersucht haben, widersprüchliche Ergebnisse erbracht; einige dieser Studien bringen eine verringerte Fruchtbarkeit mit einem geringen bis moderaten Alkoholkonsum in Verbindung, einige zeigten gar keine Korrelation und wiederum andere berichten sogar von einer leicht erhöhten Fruchtbarkeit.

Ein Team dänischer Forscher hat jetzt eine prospektive Kohortenstudie designt, um diesen Zusammenhang neu zu untersuchen. Das Team nutzte Daten von 6.120 Frauen zwischen 21 und 45 Jahren. Alle Studienteilnehmerinnen lebten in stabilen Beziehungen und versuchten aktiv, schwanger zu werden. Keine der Probandinnen unterzog sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung.

Der Alkoholkonsum wurde in standardisierten Einheiten gemessen: 1-3, 4-7, 8-13 und 14 oder mehr Einheiten pro Woche. Darüber hinaus wurden Informationen über die spezifische Alkoholsorte erhoben: Bier, Weiß- oder Rotwein, Dessertwein oder Spirituosen.

Die Studienteilnehmerinnen füllten für ein Jahr zweimal pro Monat einen Fragebogen aus, oder aber bis die Konzeption eintrat; die Fragen betrafen den Schwangerschaftsstatus, Alkoholkonsum, Menstruationszyklus, die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und das Rauchverhalten.

Insgesamt trat bei 4.210 Probandinnen (69%) im Verlauf der Studie eine Schwangerschaft ein.

Bei den Frauen mit dem höchsten Alkoholkonsum (14 Einheiten oder mehr pro Woche) traten innerhalb von 307 Zyklen 37 Schwangerschaften ein, und bei denen, die überhaupt keinen Alkohol konsumierten, gab es 1.381 Schwangerschaften in 8.054 Zyklen. Diese Zahlen ergeben eine um 18% verringerte Wahrscheinlichkeit für eine Konzeption. Die Autoren der Studie schlussfolgern: “Der Konsum von 14 oder weniger Alkoholeinheiten pro Woche scheint keinen erkennbaren Effekt auf die Fruchtbarkeit zu haben. Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Empfängniswahrscheinlichkeit, wenn entweder Bier oder Wein konsumiert wurde.”

Die unterschiedlichen Alkoholsorten – Bier, Wein und Spirituosen – ergaben keine messbaren Unterschiede bezüglich der Empfängnisfähigkeit.

Obwohl der Unterschied zwischen der Nicht-Alkohol- und der 14+-Einheiten-Gruppe signifikant war, galt das für keine der anderen Kategorien. Die Autoren erklären: “Die Ergebnisse zeigen keinen Effekt eines moderaten Alkoholkonsums (ein bis sieben Einheiten pro Woche).”

Neben dem Paper zur Studie wurde von Dr. Annie Britton vom University College in London ein Artikel veröffentlicht – Expertin für die Epidemiologie des Alkoholkonsums; ihrer Meinung nach hat die Studie “beruhigende Ergebnisse” erbracht. “Die absolute Abstinenz ist wahrscheinlich nicht notwendig, um Konzeptionsraten zu erhöhen. (…) Wenn Alkohol in moderaten Mengen konsumiert wird, dann hat das scheinbar keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.”

Und dennoch mahnt Britton zur Umsicht: “Es ist ratsam, exzessives Trinken zu vermeiden, sowohl aufgrund möglicher Störungen des Menstruationszyklus als auch aufgrund einer möglichen Schädigung des Embryos in der Frühschwangerschaft. Wenn ein Paar Empfängnisprobleme hat, macht es für beide Partner Sinn, den Alkoholkonsum zu reduzieren.”

Die Studie hat allerdings auch Mängel. Obwohl eine große Zahl von Probandinnen eingeschlossen wurde, ließen sich nur 1,2% der Frauen der Gruppe mit dem höchsten Alkoholkonsum zuordnen. Darüber hinaus bewertete die Studie nicht, wie und wann der Alkohol konsumiert wurde, beispielsweise einmaliges exzessives Trinken verglichen mit regelmäßigem Alkoholkonsum über die Woche verteilt. Eine weitere Einschränkung, die die Autoren konstatieren, betrifft die Tatsache, dass der Alkoholkonsum der Partner nicht gemessen wurde. Es ist bekannt, dass Alkohol die Spermienzahl reduzieren kann, dies könnte also ein Einflussfaktor gewesen sein.

Als Beobachtungsstudie lassen sich anhand der Ergebnisse weder Ursache noch Wirkung erklären. Daher fordern die Studienautoren weiterführende Forschung zur Untermauerung der Ergebnisse.