Ein Ende der Lieferengpässe für Shingrix ist in Sicht

Es gibt gute Neuigkeiten bezüglich des Herpes-Zoster-Subunit-Totimpfstoffes Shingrix. Dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge, sollen die Lieferengpässe nun ein Ende haben: Ab April könnte der Impfstoff wieder lieferbar sein.

Es gibt gute Neuigkeiten bezüglich des Herpes-Zoster-Subunit-Totimpfstoffes Shingrix®. Dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge, sollen die Lieferengpässe nun ein Ende haben: Ab April könnte der Impfstoff wieder lieferbar sein.1 Die Aufnahme des neuen Herpes-Zoster-Impfstoffes in die Schutzimpfungs-Richtlinie hatte letztes Jahr dazu geführt, dass die Nachfrage höher als die Produktionskapazitäten des Herstellers gewesen ist.2

Anhaltende Schmerzen durch die postherpetische Neuralgie

Die postherpetische Neuralgie (PHN) stellt aktuell noch ein großes therapeutisches Problem dar. Der PHN liegen Ganglienzellnekrosen im Bereich des Spinalganglions zugrunde. Therapeutisch kommen sogar Opioide oder chirurgische Eingriffe zum Einsatz. Die chronischen neuropathischen Schmerzen beeinträchtigen die betroffenen Patientinnen und Patienten stark bei der Bewältigung ihres Alltags und reduzieren ihre Lebensqualität. Einer epidemiologischen Studie aus dem Jahr 2018 zufolge sind 30% der betroffenen Personen arbeitstätig. Bei 12-15% der Patientinnen und Patienten mit Herpes Zoster entwickelt sich eine PHN. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine PHN weiter an. Ein Grund hierfür könnte eine Beeinträchtigung der T-Zell-vermittelten Immunantwort im Alter sein.3-5 

Ein fast 100%-iger Impfschutz durch Shingrix®

Durch einen adäquaten Impfschutz können viele Menschen vor der Entwicklung eines PHN bewahrt werden. Das Varizella-Zoster-Virus führt bei exogener Erstinfektion zu Varizellen. Bei über 95% der Erwachsenen sind Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus nachweisbar.3-5 Bei endogener Reaktivierung kann es zu einem Herpes Zoster kommen. In Deutschland liegt die kumulative Inzidenz für einen Herpes Zoster zwischen 15-22% für Patientinnen und Patienten mit einem Lebensalter von 69 Jahren. Das weibliche Geschlecht ist hiervon doppelt so häufig betroffen wie das männliche Geschlecht. 5-30% dieser Patientinnen und Patienten mit Herpes Zoster entwickeln im Anschluss eine postherpetische Neuralgie.6 Der Grund hierfür sind latent in Nervenganglien verbliebene Varizella-Zoster-Viren, die bei einer Schwächung der T-Zell-Immunität reaktiviert werden können.  Der Impfstoff Shingrix® soll allen Erwachsenen mit einem Lebensalter von ≥ 60 Jahren vor den Folgen einer VZV-Reaktivierung schützen.3-5 Bei Vorliegen einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge einer Grundkrankheit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung ab ≥ 50 Jahren.7 Das Impfschema sieht insgesamt 2 Injektionen vor. Diese sollen im Abstand von 2 bis maximal 6 Monaten erfolgen.3 In den beiden Zulassungsstudien konnte durch das besagte Impfschema ein Impfschutz von nahezu 97% erreicht werden.4,5

"Sein oder Nichtsein"8? Ein adjuvanter Totimpfstoff im Duell gegen einen attenuierten Lebendimpfstoff

Der adjuvante Totimpfstoff Shingrix® ist nicht der erste in Deutschland zugelassene Herpes-Zoster-Impfstoff. Sein Vorgänger Zostavax® ist ein attenuierter Lebendimpfstoff. Die europäische Arzneimittelagentur vermutet, dass es in sehr seltenen Fällen bei diesem attenuierten Lebendimpfstoff zu einer Übertragung des Impfvirus kommen kann. Vermutet wird, dass das Impfvirus über ein "varizellenartiges Exanthem auf empfängliche Kontaktpersonen (z. B. Varicella-Zoster-Virus[VZV]-empfängliche Enkelkinder im Säuglings- oder Kleinkindalter)" übertragen werden kann.9 Im Jahr 2016 ist in Australien ein immungeschwächter 70-jähriger Patient mit einer chronischen lymphatischen Leukämie und ohne bekannte VZV-Erstinfektion in der Vergangenheit an den Folgen der Impfung mit dem attenuierten Lebendimpfstoff verstorben. Zunächst hatte sich bei diesem Patienten 22 Tage nach Impfung ein bilateraler vesikulärer Hautauschlag im Bereich des Gesichts gezeigt. Im weiteren Verlauf kam es zu einem disseminierten Zoster mit Meningoenzephalitis. Mit dem adjuvanten Totimpfstoff Shingrix® gibt es nun auch eine sichere und effektive Herpes-Zoster-Impfung für immungeschwächte Personen.10

Nächstes Mal werfen wir einen Blick auf die Zulassungsstudien der beiden Herpes-Zoster-Impfstoffe Shingrix® und Zostavax® und schauen hier im Detail auf mögliche Impfreaktionen.

Referenzen:
1. https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/lieferengpaesse/lieferengpaesse-node.html
2. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/786/
3. Curran D. et al. (2018). Impact of herpes zoster and postherpetic neuralgia on the quality of life of Germans aged 50 or above. BMC Infect Dis. 2018 Oct 3;18(1):496.
4. Schmidt-Ott R. et al. (2018). Incidence and costs of herpes zoster and postherpetic neuralgia in German adults aged ≥50 years: A prospective study. Infect. 2018 May;76(5):475-482.
5. Mallick-Searle T. et al. (2016). Postherpetic neuralgia: epidemiology, pathophysiology, and pain management pharmacology. J Multidiscip Healthc. 2016; 9: 447–454.
6. Caputo M. et al. (2019). Herpes zoster incidence in Germany - an indirect validation study for self-reported disease data from pretest studies of the population-based German National Cohort. BMC Infectious Diseases volume 19, Article number: 99.
7. Ständige Impfkommission (STIKO): Wissenschaftliche Begründung zur Empfehlung einer Impfung mit dem Herpes-zoster-subunit-Totimpfstoff. Epid Bull 2018; 50: 525–51.
8. Tragödie Hamlet, Prinz von Dänemark von William Shakespeare, 3. Aufzug, 1. Szene.
9. Alexander K. E. et al. (2018). Live zoster vaccination in an immunocompromised patient leading to death secondary to disseminated varicella zoster virus infection. Vaccine. 2018 Jun 22;36(27):3890-3893. 10. https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/zostavax-epar-product-information_de.pdf

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