Lepra - Das dunkle Mittelalter hält an

Mit dem heutigen Beitrag widmen wir uns einem Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Es ist ein Leichtes wegzuschauen, wenn die betroffenen Patientinnen und Patienten einem im klinischen Alltag in unseren Breitengraden nicht begegnen. Und dennoch ist das Problem so real, wie es schon im Mittelalter auch hierzulande war. Ich spreche von der Lepra.

Mit dem heutigen Beitrag widmen wir uns einem Thema, das mir ganz besonders am Herzen liegt. Es ist ein Leichtes wegzuschauen, wenn die betroffenen Patientinnen und Patienten einem im klinischen Alltag in unseren Breitengraden nicht begegnen. Und dennoch ist das Problem so real, wie es schon im Mittelalter auch hierzulande war. Ich spreche von der Lepra.

Es ist eine Erkrankung, die wie keine andere Stigmatisierung sowie Behinderungen und chronisches Leiden mit sich führt. Ein trauriger Teufelskreis einer entstellenden Erkrankung: Aus Angst vor der Infektiösität werden die Erkrankten gemieden, stigmatisiert und können gar nicht erst in die Nähe einer sonst heilenden Therapie kommen. Vor allem Kinder sind hiervon betroffen, denn sie sind ja auf uns Erwachsene angewiesen. In diesem und den kommenden Blog-Beiträgen stelle ich die Lepra und ihre sozialen Folgen sowie Lösungsansätze vor. Gerne könnt Ihr Euch die gesamte Blog-Reihe zum Thema Lepra bald in unserer Podcast-Funktion auch von unterwegs aus anhören.

Von einer gefühllosen Gesellschaft zu gefühllosen Gliedmaßen

Die Lepra hat der Menschheit seit Jahrtausenden bereits Kummer und Sorge bereitet. Die Initiation und die Kontinuität der Behandlung gestalten sich durch die soziale Stigmatisierung schwer. Und so kommt es auch immer häufiger zu Unterbehandlungen und Resistenzentwicklungen. Fokussieren wir uns auf den Ursprung, so müssen wir nach den Gründen für die Infektion kleiner Kinder mit der Lepra suchen. Wie so oft bringt Leid Leid mit sich. Die Lepra ist vor allem in den ärmeren Bevölkerungsschichten dieser Welt unter den Kleinen von uns verbreitet. Und durch das Wegschauen und Stigmatisieren wird die Kluft, die Patienten von der heilenden, oft sogar kostenlos erhältlichen Therapie trennt, immer tiefer und immer klaffender. Die wortwörtliche Übersetzung des griechischen Wortes "leprós" ist "Aussätzige/r", was es auf den Punkt bringt.

Ein störrisches Stäbchen liegt auf der Lauer

 Laut aktuellen Daten der WHO zufolge erkranken jährlich weltweit über 200.000 Menschen neu an der Lepra. Verursacht wird die Erkrankung, die sich in Form der lepromatösen, tuberkuloiden und Borderline-Lepra zeigen kann, von dem obligat intrazellulären Mycobacterium leprae. Es ist ein hartnäckiger Mikroorganismus, der sich durch seine Säurefestigkeit auszeichnet. Das Mycobacterium leprae umgibt sich mit einer Mauer aus Wachs. Und dasselbe möchte es auch seinen Opfern antuen. Wie wächsern müssen sich die Gliedmaßen der Betroffenen anfühlen, nachdem der Mikroorganismus die Nerven abgetötet hat. Es selbst schützt sich durch die Lipid-haltige Schicht gegen die äußeren Umwelteinflüsse, seine Opfer hingegen bleiben schutzlos. Es ist ein geduldiges Bakterium, das sich in den Wirtskörper einschleicht und erst nach Jahren der Inkubationszeit, die 3 bis 10 Jahre anhalten kann, im Körper breit macht und dort mit seinem zerstörerischen Vorhaben beginnt. Es vermehrt sich in Makrophagen und in den Schwann-Zellen. Es ist ein störrisches Stäbchen und keinem Wissenschaftler ist es bisher gelungen, das Bakterium in einem Nährmedium oder einer Zellkultur zu kultivieren. Nein, ein kultivierter Organismus ist das Mycobacterium leprae keinesfalls. Eher eine raue, uralte, destruktive, unsichtbare und lauernde Urgewalt. Diese Tatsache sowie die entstellenden und paralysierenden Folgen der Erkrankung haben von je her die Menschheit in Angst und Schrecken versetzt.1-2

Vielleicht ist das ja auch der Grund, wieso es erst letztes Jahr zur Veröffentlichung der ersten offiziellen Leitlinien der Lepra-Therapie durch die WHO gekommen ist. 3 Jahre sind nun vergangen nach der Einführung der Global Leprosy Strategy 2016–2020. Es sind Erfolge zu verzeichnen, aber nicht genug. Es sind die Köpfe der Menschen, die erst einen Wandel erfahren müssen, um die Krankheit zu eliminieren. Lepra ist heilbar! Wird die Erkrankung früh genug diagnostiziert, dann lassen sich die Behinderungen vermeiden. Seit Mitte der Neunziger stellen die Nippon Foundation und Novartis die antibiotische Kombinationstherapie weltweit zur Verfügung. Wieso also haben wir es noch nicht geschafft, die Welt von dieser Erkrankung zu befreien? Mehr dazu nächstes Mal.

Referenzen:
1.) https://www.who.int/neglected_diseases/news/WHO-to-publish-first-guidelines-on-leprosy-diagnosis/en/
2.)Fischer M. (2017). Lepra - Ein Überblick über Klinik, Diagnose und Therapie. J Dtsch Dermatol Ges. 2017 Aug;15(8):801-829.

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