Massentierhaltung, Klimawandel, moderner Lebensstil und Zoonosen

Influenza-A-Viren besitzen ein pandemisches Potential und zählen zu den gefährlichsten viralen Erregern. Abhängig vom Herkunftswirt erfolgt eine Einteilung der Influenza-A-Viren als z.B. Vogelgrippe oder Schweinegrippe-Viren. Sie befinden sich in einer ständigen Weiterentwicklung und ihr zoonotisches Potential setzt Immunologinnen und Immunologen weltweit in Alarmbereitschaft.

H5N8 und H1N1 warten in ihren Startlöchern auf die nächste Pandemie 

Influenza A Viren besitzen ein pandemisches Potential und zählen zu den gefährlichsten viralen Erregern. Abhängig vom Herkunftswirt erfolgt eine Einteilung der Influenza A Viren als z.B. Vogelgrippe oder Schweinegrippe Viren. Sie befinden sich in einer ständigen Weiterentwicklung und ihr zoonotisches Potential setzt Immunologinnen und Immunologen weltweit in Alarmbereitschaft.

Sie sind mutationsfreudig und passen sich durch Punktmutationen und Segment-Reassortierung an verschiedene Umwelt- oder Wirtsveränderungen an. Die hohe Evolutionsrate der Influenza-A-Viren macht sie gefährlich. Die globale Verbreitung einer Vogelgrippe mit dem neuen Erreger H5N8 ist eine berechtigte Sorge der öffentlichen Gesundheit. Für eine Ansteckung ist ein enger Kontakt zwischen dem Geflügel und dem Menschen die Voraussetzung. Am 18.02.2021 wurde die Weltgesundheitsorganisation durch die nationale IHR-Anlaufstelle der Russischen Förderation über 7 Fälle einer Vogelgrippe H5N8 beim Menschen informiert. Die Patient:innen waren in Geflügelzuchtbetrieben beschäftigt gewesen. 5 der 7 asymptomatischen Patient:innen waren weiblichen Geschlechts gewesen. Die Alterspanne reichte von 29 bis 60 Jahren. Zuvor waren zwischen dem 3. und 11. Dezember 2020 101.000 von 900.000 eierlegenden Hennen im Geflügelzuchtbetrieb an den Folgen der H5N8-Infektion gestorben. Das regionale Veterinärlabor führte aufgrund dieser hohen Mortalitätsrate Untersuchungen durch und entdeckte das Vogelgrippevirus H5N8 (Klade 2.3.4.4b).1

Am 4. Oktober 2018 war bereits ein Seeadler in Deutschland eines unnatürlichen Todes nach einer Infektion mit diesem H5N8 (Klade 2.3.4.4b) gestorben. Der Subtyp H5N8 der Klade 2.3.4.4b besitzt eine hohe Reassortierungstendenz. Die Infektion mit diesen Viren geht mit einer hohen Sterblichkeitsrate für die betroffenen Vögel einher. Das Virus bedroht nicht nur Vögel aus dem Zuchtbetrieb. Auch bedrohte Greifvogelarten - wie der Seeadler - bleiben hiervon nicht verschont.2 Hochpathogene Aviäre Influenzaviren (HPAIV) Subtyp H5N8 der Klade 2.3.4.4b wurden nicht nur in Russland entdeckt. Infizierte Wildvögel sind in Dänemark, Deutschland, Irland, Holland, Großbritannien, Israel, Japan und Südkorea an der Infektion verstorben.3 In Japan und Südkorea hat der Subtyp H5N8 (Klade 2.3.4.4b) zu einer Notschlachtung von mehr als 20 Millionen Vögeln in Geflügelzuchtbetrieben geführt.4

Eine zwischenmenschliche Übertragung des Subtyp H5N8 (Klade 2.3.4.4b) wurde bisher nicht beobachtet. Auch kam es hier zu keinen Folgefällen im menschlichen Wirtsorganismus. Die Bundesregierung hat am 06.04.2021 folgende Informationen hierzu veröffentlicht: "Seit dem 30. Oktober 2020 sind in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung 117 Ausbrüche in Betrieben und fünf Ausbrüche in Tierparks mit gehaltenen Vögeln (Geflügel und in Gefangenschaft gehaltene Vögel anderer Arten) sowie 962 Fälle bei Wildvögeln festgestellt worden (Stand: 18. März 2021, 11:00 Uhr)."5

In Zeiten der Massentierhaltung ist es nur eine Frage der Zeit bis das nächste Virus mit zoonotischem Potential eine Pandemie auslöst

Was haben die Schweinegrippe, Ebola, SARS, MERS und COVID-19 gemeinsam? Sie sind allesamt Zoonosen, an denen der Mensch und sein Konsumverhalten nicht ganz unschuldig sind.6-9 Rund 60% der humanen Infektionskrankheiten haben einen Ursprung in der Tierwelt.10 In vielen Fällen erreicht das Virus den Menschen über das Nutztier. Eine Zunahme an Zoonosen ist weltweit zu verzeichnen. Gründe hierfür könnten die zunehmenden Waldrodungen sein. Diese hängen u.a. mit dem Bedarf der Tierzuchtbetriebe zusammen. In den Tierzuchtbetrieben selbst sind die Tiere so eng zusammengepfercht, dass sich Infektionskrankheiten rasant ausbreiten können. Die Folgen des Klimawandels machen es nicht besser. Neben viralen sollten die bakteriellen Erreger nicht außer Acht gelassen werden. Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen sind stark mit dem Einsatz von Antibiotika in Tierzuchtbetrieben assoziiert.11-17

Vielleicht haben wir diese Pandemie bald hinter uns. Doch die Problematik ist damit nicht gelöst. Die Menschheit sollte sich mal ernsthaft darüber Gedanken machen, ob die Art, wie wir leben und konsumieren zukünftig - mit dem Wissen und den Erfahrungen aus der letzten Pandemie - weitergeführt werden sollte. Verantwortung darf nicht an die Mitmenschen abgewälzt werden. Jeder Einzelne und jede Einzelne muss sich seiner/ihrer Verantwortung für unseren Planeten bewusst werden. Das Konsumverhalten muss sich drastisch ändern. Wir können uns es als Gesellschaft nicht mehr leisten, sorglos für den täglichen Fleischkonsum Produkte aus der Massentierhaltung zu kaufen. Neben dem Risiko für Zoonosen und Pandemien ist es auch ethisch nicht vertretbar.

Referenzen: 
1. https://www.who.int/csr/don/26-feb-2021-influenza-a-russian-federation/en/
2. https://www.fli.de/de/presse/pressemitteilungen/presse-einzelansicht/wissenschaftler-weisen-erstmals-toedliche-vogelgrippe-infektion-beim-seeadler-nach/
3. Baek Y. G. et al. (2021). Multiple Reassortants of H5N8 Clade 2.3.4.4b Highly Pathogenic Avian Influenza Viruses Detected in South Korea during the Winter of 2020–2021. Viruses 2021, 13, 490. 
4. Shi W. et al. (2021). Emerging H5N8 avian influenza viruses:The global spread of H5N8 avian influenza viruses is a public health concern. Science. Vol 372; Issue 6544.
5. https://dserver.bundestag.de/btd/19/282/1928260.pdf
6. Magouras I. et al. (2020). Emerging Zoonotic Diseases: Should We Rethink the Animal-Human Interface? Front Vet Sci. 2020; 7:582743. Published 2020 Oct 22. 
7. Jones B. A. et al. (2013). Zoonosis emergence linked to agricultural intensification and environmental change. Proc Natl Acad Sci U S A. 2013;110(21):8399-8404. 
8. Wiebers D. O. et al. (2020). What the COVID-19 Crisis Is Telling Humanity. Neuroepidemiology. 2020;54(4):283-286.
9. Leibler J. H. et al. (2009). Industrial food animal production and global health risks: exploring the ecosystems and economics of avian influenza. Ecohealth. 2009;6(1):58-70. 
10. https://www.unep.org/resources/report/preventing-future-zoonotic-disease-outbreaks-protecting-environment-animals-and
11. Morand S. et al. (2021). Outbreaks of Vector-Borne and Zoonotic Diseases Are Associated With Changes in Forest Cover and Oil Palm Expansion at Global Scale. Front Vet Sci. 2021 Mar 24; 8:661063.
12. Afelt A. et al. (2018). Bats, Coronaviruses, and Deforestation: Toward the Emergence of Novel Infectious Diseases?. Front Microbiol. 2018; 9:702. Published 2018 Apr 11. 
13. Bonilla-Aldana D. K. et al. (2019). Brazil burning! What is the potential impact of the Amazon wildfires on vector-borne and zoonotic emerging diseases? - A statement from an international experts meeting. Travel Med Infect Dis. 2019 Sep-Oct; 31:101474.
14. White R. J. et al. (2020). Emerging zoonotic diseases originating in mammals: a systematic review of effects of anthropogenic land-use change [published online ahead of print, 2020 Jun 2]. Mamm Rev. 2020;10.1111/mam.12201. 
15. Manyi-Loh C. et al. (2018). Antibiotic Use in Agriculture and Its Consequential Resistance in Environmental Sources: Potential Public Health Implications. Molecules. 2018;23(4):795. Published 2018 Mar 30. 
16. Landers T. F. et al. (2012). A review of antibiotic use in food animals: perspective, policy, and potential. Public Health Rep. 2012;127(1):4-22. 
17. Iwu C. D. et al. (2020). The incidence of antibiotic resistance within and beyond the agricultural ecosystem: A concern for public health. Microbiologyopen. 2020;9(9):e1035. 

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