Asbest in talkumbasierten Kosmetikprodukten

Die FDA warnt: viele Kosmetika enthalten Asbestfasern, die von den bisherigen Screening-Methoden der Kosmetikindustrie oft nicht erkannt werden.

Asbest in 14 Prozent der analysierten Kosmetikprodukte mit Talkum

Viele Babypuder, Körperpuder oder Gesichtspuder, Kajalstifte oder Lipliner enthalten den kostengünstigen Füllstoff "talc". Talk als natürliches Mineral kommt leider nicht immer allein, sondern zuweilen in Begleitung unerwünschter Kontaminanten daher, auch Mineralen der Asbest-Familie.2

Etwa ein Jahr ist es her, dass Laboruntersuchungen der Environmental Working Group (EWG) und des Scientific Analytical Institute Greensboro für Schlagzeilen sorgten: in 14 Prozent der von ihnen analysierten talkumhaltigen Kosmetikprodukte wurden Asbestfasern gefunden – unter ihnen Lidschatten-, Grundierungs-, Rouge-, Gesichts- und Körperpuder. Eines der betroffenen Produkte wurde speziell für die Verwendung durch Kinder vermarktet.1 Ein Zerstäuben selbst geringer Asbestmengen kann eine deutliche Asbestexposition generieren.2

Ganz überraschend oder neu ist dies derweil nicht: schon in früheren Proben von talkumhaltigen Kosmetikartikeln war regelmäßig Asbest nachweisbar. So stand etwa der Konzern Johnson & Johnson durch tausende Klagen von Menschen, deren Krebserkrankungen mit dessen Babypuder auf Talkumbasis in Zusammenhang gebracht wurden, immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies ist jedoch nur ein Beispiel.1

In einer Untersuchung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA von 2019 fand sich in 9 von 52 talkbasierten Produkten (17,3 Prozent) Asbest.2 Doch die Gesetzeslage ermöglichte noch nicht einmal einen Produktrückruf, lediglich Warnungen an Konsumenten.

Intensivere Screening-Methoden für Puder mit Talkum gefordert

Im Zuge der oben genannten Analyse kritisierte die EWG die bislang von der Kosmetikindustrie angewendete Methode zur Prüfung talkumhaltiger Produkte auf Asbest als veraltet und nicht empfindlich genug und beanstandete, dass die FDA bisher keine präzisen, obligatorischen Tests verlange.1

Die von der Industrie seit 1976 (bislang auch nur freiwillig) angewendete Untersuchungsmethode hat zwei große Limitationen: einen zu großzügigen Grenzwert, unter dem ein Produkt bereits als "asbestfrei" deklariert werden darf sowie ein ungenaues Testverfahren (PLM, Polarisationsmikroskopie). Wenig überraschend berichtet die FDA in einer aktuellen Publikation im 'Journal of the American Medical Association', dass mittels Transmissionselektronenmikroskopie (TEM) Asbestfasern in Kosmetikproben gefunden wurden, die die PLM übersehen hatte.3 

Talk fördert Entstehung von Eierstockkrebs

Was viele nicht wissen: zusätzlich zu dem Problem einer möglichen abbaubedingten Kontamination mit gesundheitlich bedenklichen Stoffen entstehen im Rahmen der Verarbeitung und Vermahlung von Talkpulver feine Fasern mit asbestähnlichen Eigenschaften.4

Um das Treiben noch komplett zu machen: Forschungen der letzten 30 Jahre legen nahe, dass eine Begrenzung oder Kontrolle der Konzentration von asbestähnlichen Fasern in den Produkten noch nicht die Lösung darstellt. Tierstudien dokumentierten, dass auch Kosmetikpuder, die keine asbestähnlichen Fasern enthielten, Tumoren verursachten.4

Zu den in Studien am besten belegten Expositionsrouten gehört das Einatmen bei Babys sowie bei Frauen die Verwendung von Puder im Genitalbereich. Viele Krebsorganisationen warnen hiervor, da die Partikel zu den Fortpflanzungsorganen gelangen und sich in das Epithel der Ovarien einlagern. Bei häufiger Anwendung (zwischen 1x pro Woche bis täglich) ist ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für die noch immer letalste gynäkologische Tumorentität, den Eierstockkrebs, dokumentiert und die Talkpartikel konnten in den Tumoren nachgewiesen werden.4

Vermeiden von Produkten mit Talk ist schwierig

Eingedenk dessen, wie regelmäßig und über wie viele Jahre die meisten Menschen Kontakt mit diesen Produkten haben, liegt der sicherste Kurs in der Vermeidung von Produkten mit dem Inhaltsstoff Talk. Was gar nicht so einfach sein dürfte. Allein in den USA waren von 2018 bis 2020 mehr als 2.000 kosmetische Produkte im Handel, die Talk enthielten.2

Aufgrund seiner Feuchtigkeitsbeständigkeit findet Talk auch in der pharmazeutischen Industrie (z. B. als Bestandteil einiger Antacida) oder als Puder auf Kaugummis Verwendung.

Talk ist zudem der Trägerstoff pulverförmiger Pestizidprodukte, die in Haus und Garten zum Einsatz kommen (z. B. Floh- und Zeckenpuder). In kleineren Mengen findet sich Talk in Deodorants, Kreide, Buntstiften, Textilien, Seife, Isoliermaterial, Farben, Füllmaterial für Asphalt, Papier und in der Nahrungsmittelverarbeitung.4

Referenzen:

1. Asbest in Talkum-basierten US-Kosmetikprodukten entdeckt. https://www.pressebox.de/pressemitteilung/crb-analyse-service-gmbh/Asbest-in-Talkum-basierten-US-Kosmetikprodukten-entdeckt/boxid/1043112 (2021).
2. Asbest in Talk, mehr als ein kosmetisches Problem! Mente et Malleo https://scilogs.spektrum.de/mente-et-malleo/asbest-in-talk-mehr-als-ein-kosmetisches-problem/ (2021).
3. Rubin, R. Improving the Detection of Asbestos in Cosmetics. JAMA 327, 615 (2022).
4. Talkum – gefährlich wie Asbest. Zentrum der Gesundheit https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/wohlbefinden/koerperpflege/talkum.