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Auch bei schwerem Asthma lohnt sich die Reha – wird aber kaum genutzt

Die Wirksamkeit der Reha ist evidenzbasiert, doch die Verordnungsrate ist niedrig und die Ablehnungsrate hoch. Müssen die Beteiligten zu ihrem Glück gezwungen werden?

Wir setzen den Beitrag über ein Reha-Symposium1 beim diesjährigen DGP-Kongress nochmals fort und wenden uns der Frage zu, was die Reha beim Asthma bringt. Anders als bei der COPD mangelt es für dieses chronische Krankheitsbild noch an qualitativ hochwertigen Studien zum Wirksamkeitsnachweis der Reha. Das liegt allerdings weniger an der mangelnden Wirksamkeit als vielmehr an den schwierigen Rahmenbedingungen. So erschwert in Deutschland etwa der Rechtsanspruch auf ein Reha-Verfahren bei bereits bewilligtem Reha-Antrag ein randomisiert kontrolliertes Studiendesign.

Vorläufige Daten aus Bad Reichenhall

Dr. Konrad Schultz, Chefarzt der Klinik Bad Reichenhall, präsentierte dazu vorläufige Daten einer weiteren hauseigenen Studie mit dem Akronym EPRA für "Effektivität Pneumologischer Rehabilitation bei Asthma bronchiale". In die noch laufende EPRA-Studie2 werden insgesamt etwa 500 Patienten mit unkontrolliertem Asthma aufgenommen (ACT** < 20). Die "quick and dirty"-Ergebnisse des bisherigen Teilkollektivs zeigen schon mal:

Muss man die Patienten zu ihrem Glück zwingen?

Fazit unserer letzten beiden Blog-Beiträge: Die Reha wirkt bei COPD- und bei Asthma-Patienten und die Effekte verpuffen danach keineswegs sofort. Gute Chancen auf eine Aufrechterhaltung der Verbesserungen bestehen vor allem dann, wenn sportliche Aktivität und Rauchstopp langfristig fortgesetzt werden.

Kommentar des Reha-Klinikers Schultz: "Zwingt man die Menschen zum Glück, werden sie glücklich." Und damit zurück zur Ausgangsfrage: Warum wird die pneumologische Rehabilitation wider die vorhandene Evidenz immer noch so selten verordnet? Dazu fielen Schultz folgende Antworten ein:

  1. Es ist schwer, die Patienten zu motivieren.
  2. Es ist schwer, die Ärzte zu motivieren.
  3. Die Ärzte werden durch das Verhalten der gesetzlichen Kostenträger, die 9 von 10 Anträge ablehnen, demotiviert.

Problematisch könnten nach Ansicht des Experten auch ärztliche Vorbehalte sein nach dem Motto, bei den "faulen COPDlern" brächten Reha-Maßnahmen nichts, anders etwa als bei den "edlen KHK-Patienten". Und schließlich gäbe es wohl auch die "Furcht vor langen Berichten", wenn die Patienten von der Reha zurückkommen. Hier gab der Kollege Entwarnung: "Ihr müsst nur die Seite 1 lesen."

Und die Kostenträger auch?

Wie auch immer: Dass 95% der COPD-Patienten heute keine Reha-Maßnahme erhalten, bedeutet nicht nur eine große Verschwendung von therapeutischem Potenzial und damit unnötiges Leid für Patienten. Sondern angesichts der Folgekosten entgleister Krankheitsverläufe durch Hospitalisierungen und Frühberentungen auch eine enorme finanzielle Verschwendung. Wohlgemerkt: bei einer qualitätsgesicherten Reha. Die ist leider keineswegs garantiert – auch hier gibt es noch viel zu tun!

Es ist auf jeden Fall höchste Zeit für alle Beteiligten, insbesondere auch für die Kostenträger, hier umzudenken.

* St. George's Respiratory Questionnaire, ** Asthmakontrolltest

Referenzen: 1. Choosen wisely: Evidenzbasiert – aber nicht konsequent umgesetzt: Können wir uns die Unterversorgung mit Rehabilitation und Tabakkontrolle weiterhin leisten? Klinisches Symposium beim 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Stuttgart, 23. März 2017.

2. Schultz K et al. Effectiveness of pulmonary rehabilitation for patients with asthma: study protocol of a randomized controlled trial (EPRA).BMC Pulm Med. 2017;17(1):49. doi: 10.1186/s12890-017-0389-3.