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Besserer Grippeimpfschutz sollte nicht am Geld scheitern

Wie sieht die aktuelle Influenza-Lage in der Bundesrepublik aus? Die Welle, die Ende 2017 begann, rollt nicht nur passend zur Jahreszeit, sie tut es besonders heftig. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden in der 6. Meldewoche knapp 18.000 neue Influenzafälle mit labordiagnostischer Bestätigung übermittelt.

Damit hat das Gesamtvolumen in der laufenden Saison fast schon die Zahl 60.000 geknackt. Den höchsten Anstieg gab es laut RKI zuletzt in der Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen. Bis jetzt hat die aktuelle Grippesaison 102 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. In Gebieten mit besonders hoher Erkrankungsaktivität, wie z.B. Niederbayern und Oberpfalz, stoßen Kliniken bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.

Sind die Ärzte beim Impfschutz Vorbild?

Wie halten Sie es mit der Grippeimpfung – bei den Patienten, beim Praxisteam, bei sich selbst? Laut einer Studie unter niedergelassenen Ärzten nutzt die Mehrheit der Kollegen (61%) das Präventionspotenzial der vorbeugenden Impfung. Zwar spielt der Schutz der eigenen Person hier natürlich auch eine Rolle, aus berufsethischer Sicht geht es aber vor allem um den Schutz gefährdeter Patienten vor iatrogener Ansteckung. Die Studie stammt übrigens schon aus dem Jahr 2010 und wurde 2014 publiziert.

In der Klinik sind die Verhältnisse auf ärztlicher Ebene laut einer Befragung an zwei Universitäts­kliniken ähnlich: 56% der Ärzte und Ärztinnen gaben in der Saison 2015/16 einen positiven Impfstatus an. Beim Pflegepersonal waren es nur 35%, bei den therapeutischen Berufen 27%. Ein ähnlich trübes Bild auch auf der Patientenebene: Kassenärztlichen Abrechnungsdaten zufolge ließen sich in der Saison 2015/2016 deutschlandweit nur 35% der über 60-Jährigen gegen die Grippe impfen.

RKI: "Impfquoten weiterhin zu niedrig"

Auf diese – mangels zentraler Erfassung – eher beispielhaften Untersuchungsbefunde wird auf der RKI-Website hingewiesen und zwar in der Rubrik "Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten". Dort steht auch die folgende Einschätzung: "Insgesamt sind die Impfquoten in den empfohlenen Zielgruppen in Deutschland weiterhin als zu niedrig einzustufen. Dies gilt im besonderen Maße für medizinisches Personal und Schwangere. Zielvorgaben der Europäischen Union, die eine Impfquote von 75% bei älteren Personen bis 2014/15 vorsehen, werden von Deutschland bisher nicht annähernd erreicht." Dass die Impfraten auch in anderen europäischen Staaten stagnieren bzw. sogar nachlassen, ist da keineswegs tröstlich.

Denn die Grippeimpfung kann Leben retten, etwa durch Reduzierung von Herzinfarkt-Ereignissen, wie sich aus der im ersten Teil dieses Beitrags referierten kanadischen Studie ableiten lässt. Das setzt allerdings nicht nur voraus, dass überhaupt geimpft wird, sondern auch, dass dabei der bestmögliche Impfstoff eingesetzt wird.

Auf den Impfstoff kommt es an!

Hier liegt der Hase wohl im Pfeffer. Die Wirksamkeit der Impfung ist ohnehin nur moderat. Wird dann noch ein saisonal dominierender Influenzavirus-Subtyp vom bisher üblichen trivalenten Impfstoff (TIV; zwei Subtypen des Influenza A-Virus und ein Subtyp des B-Virus) nicht abgedeckt, schmilzt der Impfschutz bedenklich dahin. Und mit ihm das Vertrauen von Patienten und Ärzten in die Sinnhaftigkeit der Grippeimpfung.

In dieser Saison dominieren die Influenza B-Viren und zwar mit 99% diejenigen aus der Yamagata-Linie. Sie machen 75% der Influenzavirus-Nachweise aus, dahinter folgen Influenza A(H1N1)pdm09-Viren mit 21 % und Influenza A(H3N2)-Viren mit 4 %.

Aktueller Mismatch beim Influenza-B-Subtyp

Somit liegt leider ein "mismatch" vor: Im aktuellen TIV sind die Influenza-B-Subtypen der Victoria- und nicht der Yamagata-Linie enthalten. Wer hat’s vermasselt? Die WHO entscheidet jedes Jahr, in der Regel im Februar, über die Zusammensetzung der neuen Grippevakzine für die Nordhalbkugel, ausgehend von den im Winter auf der Südhalbkugel identifizierten Virusstämmen. Sie muss sich für eine der beiden B-Subtyp-Linien entscheiden und lag dabei in 6 der letzten 13 Winter daneben. So auch in diesem Jahr, in dem die Nicht-Abdeckungsquote bisher sogar 60% beträgt.

Dem könnte abgeholfen werden: durch den Einsatz von quadrivalenten Influenza-Vakzinen (QIV), in denen auch die zweite B-Virus-Linie enthalten ist. Schon seit der Saison 2013/14 wird in den USA und anderen Ländern tetravalent geimpft. Der Haken: Die auch in Deutschland seit dieser Zeit verfügbaren QIV sind teurer, da wollte unsere GKV lieber sparen …

STIKO empfiehlt QIV als neuen Standard

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat nun aber im November 2017 beschlossen, die saisonale Influenza-Impfung mit QIV als neuen Standard zu empfehlen. In der zweiten Januar-Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins (PDF-Link) hat sie eine ausführliche Begründung dafür nachgeliefert. Deutliche Argumente sprechen einer Modellrechnung zufolge für den Umstieg von TIV auf QIV. Je nach bestimmten Annahmen lauten die Zahlen im Schnitt pro Grippesaison:

Jetzt ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gefragt, ob die QIV-Impfung auch zur GKV-Pflichtleistung wird. Drei Monate hat das Gremium dafür Zeit. Bis eine damit verbundene Änderung der Schutzimpfungsrichtlinie rechtskräftig wird, könnte es Juli werden. Wenn ärztlicherseits mit der Impfstoffbestellung solange abgewartet wird – wie es manche Kassenärztlichen Vereinigungen empfehlen – dürfte die Zeit für eine ausreichende Impfstoffproduktion nicht mehr ausreichen. Ein Dilemma. Es ist zu hoffen, dass der G-BA schneller entscheidet, damit sich die Ärzte für die nächste Saison guten Gewissens mit QIV eindecken können.