Der Weltnichtrauchertag wird 34: Wo stehen wir heute?

Jedes Jahr am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag und das seit 1987. Passend dazu erschien wenige Tage zuvor eine aktuelle Auswertung der 'Global Burden of Disease Study' zum Tabakkonsum und der damit assoziierten Krankheitslast in 204 Ländern.

Jedes Jahr am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag und das seit 1987. Passend dazu erschien wenige Tage zuvor eine aktuelle Auswertung der 'Global Burden of Disease Study' zum Tabakkonsum und der damit assoziierten Krankheitslast in 204 Ländern.

Die Botschaft einer aktuellen Publikation im Lancet könnte deutlicher kaum sein und kommt fast pünktlich zum 34. Jubiläum des Weltnichtrauchertages: 7,69 Mio. Todesfälle und 200 Mio. behinderungsbereinigte Lebensjahre waren im Jahr 2019 auf das Rauchen zurückzuführen. Damit war es bei Männern, bei denen es für jeden fünften Todesfall verantwortlich ist, der führende Risikofaktor für eine vorzeitige Sterblichkeit. Wenn nicht interveniert wird, wird diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen, warnen die Autoren.1

"Die globale Tabakepidemie zu beenden, bleibt eine der größten Herausforderungen im Bereich der globalen Gesundheit."

Wie immer, wenn es um die Global Burden of Disease Study (GBD) geht, sind der in die Analyse geflossene Aufwand und die Datenmenge schier überwältigend. Die GBD ist der bisher umfassendste Versuch, epidemiologische Niveaus und Trends weltweit zu erfassen. Die Wissenschaftler liefern eine umfangreiche Schätzung der Prävalenz des Rauchens und der hierdurch verursachten Krankheitslast von 1990 bis 2019. Hierfür modellierten sie mehrere rauchbezogene Indikatoren aus 3.625 landesweiten, repräsentativen Erhebungen aus der ganzen Welt und bewerteten 36 kausal verknüpfte gesundheitliche Auswirkungen, um Dosis-Wirkungs-Risikokurven für aktuelle und ehemalige Raucher zu kalkulieren. Im Vergleich zur letzten vergleichbaren Auswertung, die auf Daten der GBD-Studie 2015 basierte, wurden mehr als 800 zusätzliche Datenquellen einbezogen.

Die Zahl der aktiven Raucher erreichte einen Rekord: 2019 rauchten 1,14 Mrd. Personen 7,41 Billionen Zigaretten (oder Zigaretten-Äquivalente an Tabak). Auch wenn die Prävalenz seit 1990 zurückgegangen sei, habe das Bevölkerungswachstum insgesamt zu diesem deutlichen Anstieg der Gesamtzahl der Raucher geführt, so die Autoren.

Von den 36 ausgewerteten Gesundheitsfolgen des Nikotinabusus gingen die meisten Todesfälle auf das Konto der ischämischen Herzerkrankung (1,68 Mio.), gefolgt von COPD (1,59 Mio.), Lungenkrebs (1,31 Mio.) und Apoplex (0,931 Mio). Zusammen machten diese im Jahr 2019 72% aller Todesfälle aus, die auf das Rauchen zurückzuführen waren.

Besonders beunruhigend: anhaltend hohe Raucherquoten unter Teens und jungen Erwachsenen

Weltweit sind die Entwöhnungsraten unter etablierten Rauchern schlecht. Sicherzustellen, dass Teenager und junge Erwachsene rauchfrei bleiben, sei daher entscheidend für die Beendigung der Tabakpandemie, betont die Gruppe in einer weiteren Auswertung, die parallel zur oben genannten Studie im Lancet Public Health erschien.2 Aus dieser geht hervor, dass die meisten späteren Raucher (89,1%) vor Erreichen des 25. Lebensjahres süchtig werden und dass über die Hälfte der Länder keine Fortschritte hinsichtlich der Eindämmung des Rauchens bei den 15- bis 24-Jährigen verzeichnen. 

Die Autoren rufen daher alle Länder dringend dazu auf, ein umfassendes Paket von evidenzbasierten Maßnahmen zu verabschieden und durchzusetzen, um die Prävalenz des Rauchens zu reduzieren und den Einstieg in das Rauchen zu verhindern. Insbesondere gilt es, die empfängliche Population junger Menschen vor einer lebenslangen Nikotinabhängigkeit zu schützen.
Deutschland sei in Europa das Schlusslicht bezüglich der Tabakkontrolle, kritisiert Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Der WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, Rüdiger Krech, sieht Deutschland gar als eines der "Sorgenkinder" weltweit.3

E-Zigaretten sind aus ärztlicher Sicht keine Alternative, wie wir in den unten verlinkten Beiträgen eruierten. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DPG) warnt vor den hohen gesundheitlichen Risiken durch E-Zigaretten. Unter anderem können toxische Stoffe, wie Blei und Chrom, über die Lunge ins Blut gelangen. Aber auch die Vielzahl beigemischter Substanzen stellt ein Problem dar. Zudem legen Studiendaten nahe, dass sie für den Rauchstopp ungeeignet sind und für viele (wiederum: insbesondere junge) Menschen zum Einstieg in das Zigarettenrauchen werden. Für E-Zigaretten sollten daher die gleichen Beschränkungen und steuerlichen Regeln gelten wie für konventionelle Zigaretten, fordert die DPG.3

Referenzen:
1. Reitsma, M. B. et al. Spatial, temporal, and demographic patterns in prevalence of smoking tobacco use and attributable disease burden in 204 countries and territories, 1990–2019: a systematic analysis from the Global Burden of Disease Study 2019. The Lancet DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)01169-7, (2021).
2. Reitsma, M. B. et al. Spatial, temporal, and demographic patterns in prevalence of smoking tobacco use and initiation among young people in 204 countries and territories, 1990–2019. The Lancet Public Health DOI:https://doi.org/10.1016/S2468-2667(21)00102-X, (2021).
3. 1,1 Milliarden Menschen rauchen weltweit – so viele wie nie zuvor. Berliner Zeitung https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/11-milliarden-menschen-rauchen-weltweit-so-viele-wie-nie-zuvor-li.162156.

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