Inhalationstherapie bei COPD: Wer ohne Fehler, werfe das erste Inhalationssystem

Zwei von drei COPD-Patienten machen laut einer aktuellen Studie grobe Fehler bei der Anwendung ihrer Inhalativa. Die Fehlerquote steigt dabei mit der Anzahl gleichzeitig verordneter unterschiedlicher Systeme.

Zwei von drei COPD-Patienten machen laut einer aktuellen Studie grobe Fehler bei der Anwendung ihrer Inhalativa. Die Fehlerquote steigt dabei mit der Anzahl gleichzeitig verordneter unterschiedlicher Systeme.

Die korrekte Handhabung von Inhalatoren spielt für die Therapie der COPD eine große Rolle. Doch bei wie viel Prozent der Patienten klappt es genau damit nicht gut? Entsprechende Zahlen aus früheren Studien, die ausschließlich ambulante COPD-Patienten einschlossen, berichteten Anwendungsfehler in 25–78% der Fälle. Methodische Unterschiede könnten zu dieser großen Streubreite beigetragen haben.
Die Autoren einer aktuellen schwedischen Querschnittstudie wollten es daher nochmals genauer wissen und analysierten 659 Videoaufzeichnungen von 364 Patienten bei der Anwendung ihrer Inhalativa. Die Ergebnisse erschienen kürzlich im Nature Partnerjournal 'npj Primary Care Respiratory Medicine'.1

Gravierende Fehler bei der Inhalationstechnik sind häufig!

Zwei von drei Patienten (66%) begingen einen oder sogar mehrere kritische Fehler bei der Anwendung mindestens eines ihnen derzeit verordneten Inhalators.
Die Mehrheit der identifizierten, als schwerwiegend eingestuften Fehler betrafen die Dosisvorbereitung und das Laden (je nach Inhalatorart 21–90%). Andere häufige kritische Fehler waren das Ausatmen in das Gerät vor der Inhalation bei den Pulverinhalatoren (0–12%), Fehler beim Inhalationsmanöver (1–16%) und Fehler im Zusammenhang mit dem Öffnen des Geräts beim Respimat (24%).

Eine Umfrage unter 513 Haus- und Lungenfachärzten und 499 Menschen mit COPD aus 2018 hatte ergeben, dass die meisten Behandler weniger Wert auf die Art des Inhalationssystems, als auf das Medikament, legen: 37% gaben an, dass die Wahl des richtigen Inhalators sehr wichtig sei. Nur 45% der Ärzte kontrollierten zu Beginn der Therapie die Inhalationstechnik all ihrer Patienten (Pulmologen taten dies öfter als Hausärzte). Bei häufigen Exazerbationen wechselten 9 von 10 Behandlern eher das Medikament als das Inhalatormodell.2
Die Mehrheit der Patienten (64%) machte sich wenig Sorgen darum, ob sie die Inhalation korrekt durchführten oder nicht, unabhängig von der Schwere ihrer COPD. Bei vielen bestanden zudem körperliche Beeinträchtigungen, die das richtige Inhalieren verhinderten.

Je mehr verschiedene Inhalatormodelle gleichzeitig verordnet werden, desto größer die Fehlerrate

Die am häufigsten verwendeten Inhalationssysteme in der aktuellen schwedischen Studie waren Turbuhaler, Handihaler und Easyhaler. Für die reichliche Hälfte der untersuchten Patienten beinhaltete die Therapie eine Kombination zweier verschiedener Inhalatoren (n = 199), aber es gab auch Patienten, die bis zu vier Modelle gebrauchten.

Die Wahrscheinlichkeit, einen oder mehrere Fehler zu machen, stieg mit der Anzahl gleichzeitig genutzter Modelle: betrug die Fehlerrate bei Gebrauch eines einzigen Typus von Inhalator noch 43%, waren es bei zwei verschiedenen Systemen schon 70% und bei drei Systemen 86%.
Genauer: Patienten, die zwei Inhalationsgerätemodelle verwendeten, unterlief in 45% mindestens ein schwerwiegender Fehler mit einem der Gerätemodelle und 25% machten Fehler mit beiden Modellen. Bei Patienten mit drei oder mehr Gerätemodellen machten 41%, 36% und 9% einen oder mehrere kritische Fehler bei 1, 2 bzw. 3 Systemen.

Wie ließe sich die Fehlerrate senken?

"Um die COPD-Behandlung zu optimieren, ist es wichtig, die Inhalationstechnik des Patienten zu überprüfen und die Anzahl der Inhalatormodelle zu minimieren", schließen die Autoren. Benötigt ein Patient mehr als ein Inhalativum, schlagen sie vor, Fixdosis-Inhalatoren zu verwenden oder, wenn dies nicht infrage kommt, für weitere Inhalatoren möglichst beim selben Gerätemodell zu bleiben, dessen Handhabung bereits zuverlässig beherrscht wird.

Zu der Erkenntnis, dass es wahrscheinlich mehr Patienten falsch machen als richtig, gelangten bereits frühere Studien. Eine kleinere Vorarbeit, die auf eine Fehlerrate von 78%3 kam, sowie auch die aktuelle Untersuchung arbeiteten methodisch sehr sorgfältig: die Videoaufzeichnung ermöglichte bei Bedarf ein mehrfaches Anschauen und die Begutachtung erfolgte immer durch zwei unabhängige Beobachter, die beide erfahren in der Einschätzung der Inhalationstechnik von Patienten waren (im Fall der aktuellen Studie jeweils ein klinischer Pharmazeut und eine Asthma-/COPD-Schwester).
Einige der Studien, die geringere Fehlerraten feststellten, schlossen entweder eine Teilmenge von Inhalatoren aus oder waren durch eine weniger stringente Analyse gekennzeichnet, bspw. erfolgten die Auswertungen durch nur eine und teils nicht spezialisierte medizinische Fachkraft und ohne Videoaufzeichnung anhand einer einmaligen Demonstration der Inhalationstechnik. Es scheint also plausibel, dass die von der aktuellen Studie berichtete, höhere Fehlerrate die alltägliche Situation zu Hause realistischer widerspiegelt.

Referenzen:
1. Sulku, J. et al. Critical inhaler technique errors in Swedish patients with COPD: a cross-sectional study analysing video-recorded demonstrations. npj Primary Care Respiratory Medicine 31, 1–8 (2021).
2. COPD-Therapie: Welche Rolle spielt das Inhalationssystem? – Lungeninformationsdienst. https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/alle-news-im-ueberblick/aktuelles/article/copd-therapie-welche-rolle-spielt-das-inhalationssystem/index.html.
3. Dabrowska, M. et al. Impact of a Single Session of Inhalation Technique Training on Inhalation Skills and the Course of Asthma and COPD. Respiratory Care 64, 1250–1260 (2019).

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