Wenn Belastungsdyspnoe bei jungen Menschen nicht auf Bronchodilatatoren anspricht – Teil 2

Eine belastungsinduzierte Kehlkopfobstruktion (EILO) ist eine häufige Ursache für Atembeschwerden bei Kindern und Jugendlichen. In Teil 2 geht es um die Abgrenzung zum Asthma und die deutlich abweichende Therapie.

In Teil 1 ging es um ein häufig verkanntes Beschwerdebild: die belastungsinduzierte laryngeale Obstruktion (EILO). Was wurde nun aus unseren Sportlern?

Aufklärung

Die Erstlinientherapie einer EILO besteht in einer gründlichen ärztlichen Auswertung der Videoaufnahmen, einer strukturierten Atemschulung sowie beruhigender Rückversicherung.

Denn speziell im Leistungssport steht das Phänomen sehr oft mit psychischem Stress in Zusammenhang. Zudem ist es für die Betroffenen wichtig zu hören, dass andere Ursachen ausgeschlossen wurden. Viele Patienten haben diverse Überweisungen, Untersuchungen und Therapien hinter sich, insbesondere hohe Dosen von Salbutamol. Letztere sind nicht nur unwirksam, sondern können das Problem durch Verstärkung von Ängsten weiter verschlimmern, wie Spezialisten von der Abteilung für respiratorische Erkrankungen am Royal Children's Hospital Melbourne in einem aktuellen Review hervorheben.1
Für viele Patienten ist die physiologische Erklärung der paradoxen Stimmband- und Kehlkopfadduktion hilfreich, um das Würgegefühl zu verstehen. 

Basistherapie bei Belastungsdyspnoe

Patienten mit Belastungsdyspnoe sollten dazu angeleitet werden, durch die Nase zu atmen, was den durch die Nasenmuscheln verursachten Strömungswiderstand erhöht, der bekanntermaßen einen größeren Antrieb für die phasische inspiratorische Dilatation der oberen Atemwege und der Stimmbänder erzeugt. Eine geregelte Nasenatmung führt über noch weitere wichtige Mechanismen zu einer optimierten Oxygenierung der Gewebe und einem effizienteren Luftwechsel. Eine sehr gute Darstellung dieser Prozesse, inklusive selbstständig umsetzbarer Atemübungen für zu Hause, finden Ärzte und Patienten beispielsweise in folgenden Büchern zur wissenschaftlich fundierten Buteyko-Methode (die auf den gleichnamigen Atemforscher zurückgeht und seither in zahlreichen klinischen Studien weiterentwickelt wurde):

Als Bestandteil einer korrekten Atmung sollten die Patienten mit Belastungsdyspnoe außerdem lernen, so einzuatmen, dass der Kehlkopf nicht unwillkürlich nach oben gezogen wird, sondern die Muskulatur um den Kehlkopf sich entspannen kann, was den inspiratorischen Luftfluss optimiert. Dies entspricht übrigens auch Techniken, die von guten Gesangslehrern und Stimmbildnern unterrichtet werden.
Die australischen Spezialisten beschreiben, dass in ihrer Erfahrung alle Patienten von einer hierdurch verbesserten Atemkontrolle und einer bewussten, leichten Atmung über das Zwerchfell in die Körpermitte (anstatt einer erratischen, gestressten Atmung nur in den oberen Thorax) profitieren.
Neben dieser Basistherapie können logopädische Therapie oder ärztlich supervidiertes inspiratorisches Muskeltraining zum Einsatz kommen. Eine operative Stabilisierung des Kehlkopfeingangs (Supraglottoplastik) ist ausgewählten Fällen vorbehalten.2

Daran denken!

Die wichtigste Botschaft lautet jedoch: Die richtige Diagnose kann in den meisten Fällen durch gezielte Befragung und durch Erkennen des charakteristischen klinischen Bildes gestellt werden.1 Abschließend noch einmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der EILO zur anstrengungsinduzierten Bronchokonstriktion (exercise-induced bronchoconstriction, EIB):

EILO

EIB

inspiratorischer Stridor

ja

nein

Enge in der Kehle

ja

nein

Würge-/ Erstickungsgefühl

ja

nein

Brustenge

ja/ nein

ja

exspiratorisches Giemen 

nein

ja

Zeit bis zum Abklingen

kurz, 5-10 Minuten

15-60 Minuten

signifikant reduzierte FEV1 nach Anstrengung

nein

oft

Ansprechen auf Bronchodilatatoren oder Steroide

keines

signifikantes Ansprechen

Anzahl der Auslöser

in der Regel nur Anstrengung

multiple (z.B. Sport, kalte Luft, virale Infekte)

Atopie in der Anamnese

nicht üblich

variabel

Überlappung mit Ängsten

fast immer

manchmal

Tabelle mod. nach 1

Referenzen:
1. Welsh, L., Giannini, A. & Massie, J. Exercise-induced laryngeal obstruction in children and adolescents: are we listening? Arch Dis Child Educ Pract Ed 106, 66–70 (2021).
2. Clemm, H. S. H. et al. The Heterogeneity of Exercise-induced Laryngeal Obstruction. Am J Respir Crit Care Med 197, 1068–1069 (2018).