Könnte eine Hypomagnesiämie eine Rolle für die Asthmakontrolle spielen?

Magnesium scheint in mehrfacher Hinsicht essentiell für die respiratorische Gesundheit. Eine niedrige Zufuhr mit der Ernährung ging in Studien mit schlechterer Lungenfunktion sowie Hyperreaktivität der Atemwege einher. Anlässlich des ERS-Kongresses 2021 wurde zudem berichtet, dass eine Supplementierung die Lungenfunktion bei Asthma verbesserte.

Magnesium scheint in mehrfacher Hinsicht essentiell für die respiratorische Gesundheit. Eine niedrige Zufuhr mit der Ernährung ging in Studien mit schlechterer Lungenfunktion sowie Hyperreaktivität der Atemwege einher. Anlässlich des ERS-Kongresses 2021 wurde zudem berichtet, dass eine Supplementierung die Lungenfunktion bei Asthma verbesserte.

Magnesium gehört zu den wichtigsten intra- und extrazellulären Kationen und ist als Kofaktor an über 300 enzymatischen Prozessen beteiligt.1 Ein Mangel wurde von diversen Studien mit einer Hyperreagibilität der Atemwege, Giemen und erniedrigter Lungenfunktion in Verbindung gebracht.2 Mehrere Arbeiten fanden Hinweise für einen möglichen Nutzen in der Prävention und Behandlung von Asthma. Eine der Grundlagen hierfür besteht in der Entspannung der glatten Bronchialmuskulatur. Dieser Effekt hat vermutlich mit der Fähigkeit von Magnesium zu tun, den Einstrom von Kalzium-Ionen in die Glattmuskelzellen des respiratorischen Systems zu blockieren. Magnesium ist außerdem als enzymatischer Kofaktor an der zellulären Homöostase sowie an der Freisetzung von Acetylcholin und Histamin aus cholinergen Nervenendigungen bzw. Mastzellen beteiligt.2
Und nicht zuletzt wurde bei Erwachsenen mit Asthma eine Rolle von Magnesium als Entzündungshemmer festgestellt. Diese Funktion ist im menschlichen Körper allgegenwärtig und hat das Potenzial, eine wichtige Rolle bei Asthma zu spielen.2
Last, but not least, hemmt Magnesium nachweislich die cholinerge neuromuskuläre Übertragung, stabilisiert Mastzellen und T-Lymphozyten und stimuliert die Bildung von Stickstoffmonoxid und Prostazyklin.3

Zusammenhänge zwischen Asthmasymptomen und Magnesiumdefizienz

In einer 2018 publizierten Arbeit erwiesen sich Hypomagnesiämie und Hypophosphatämie als die häufigsten Elektrolytanomalien bei Patienten mit chronischem, stabilem Asthma. Doch damit nicht genug: PEF-Wert (Peak Expiratory Flow) und Einsekundenkapazität (FEV1) sowie PEF% und FEV1% waren bei den Asthmapatienten mit Hypomagnesiämie signifikant schlechter als bei jenen mit Normomagnesiämie.

Zwei Beobachtungsstudien4,5 konnten positive Effekte einer Magnesiumgabe auf Lungenfunktionsparameter, Atemwegsreagibilität und Giemen feststellen, doch diese Arbeiten liegen schon länger zurück und waren „nur“ Beobachtungsstudien.
Doch anlässlich des diesjährigen Kongresses der ERS (European Respiratory Society) wurde eine neue, prospektive, randomisierte Studie präsentiert, die eine Verbesserung der Lungenfunktion und Asthmakontrolle unter Magnesiumsupplementation gegenüber Standardtherapie zeigte. Erwachsene Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma, die für vier Monate zusätzlich zu ihrer Asthmamedikation 400 mg Magnesium täglich p.o. erhielten, verzeichneten anschließend bessere FEV1-Werte und ACT-Scores (Asthma Control Test).6

Woher bekommt der Körper ausreichend Magnesium?

Die absolute Mehrheit der Bevölkerung in westlichen Ländern ist inzwischen aufgrund ihrer Ernährungsgewohnheiten defizient. Insbesondere raffinierte und hoch verarbeitete Lebensmittel enthalten kaum oder keine der wertvollen Nährstoffe der Ausgangszutaten mehr. Daher lautet die wichtigste und einfachste Maßnahme: eine ausgewogene Ernährung, die möglichst viel frisches, biologisch und regional angebautes, gentechnikfreies Gemüse mit einschließt. Neuere Züchtungen und Gemüse, welches lange Lager- und Transportzeiten hinter sich hat, weist einen geringeren Gehalt an für den Körper wertvollen Nährstoffen auf. Die Anbauform ist auch deshalb wichtig, weil viele Böden mittlerweile so ausgelaugt sind, dass die auf ihnen angebauten Kulturpflanzen möglicherweise keine suffiziente Nährstoffdichte mehr liefert.
Als gute Magnesiumquellen gelten bspw. grüne Blattgemüse wie Spinat, Brokkoli, Grünkohl, Mangold, aber auch Nüsse, Wildlachs, Meeresalgen, Avocado oder auch Papaya. Mehr zu Magnesium sowie eine Liste des Magnesiumgehaltes verschiedener Lebensmittel finden Sie in diesem Beitrag.

Das Problem mit Supplementen besteht darin, dass einige vom Körper weniger gut verwertet werden können als andere und dies ist sicherlich einer der Gründe dafür, dass unterschiedliche Studien teils zu divergenten Ergebnissen gelangten.
Natürliche Nahrung enthält die meisten für unsere Gesundheit relevanten Stoffe in der so genannten L-Form. Synthetisch hergestellte Nährstoffe liegen meist in der D-Form vor, besitzen also biophysikalisch nicht die gleichen Eigenschaften.
Diese Erkenntnis geht übrigens auf folgende Beobachtung zurück: Albert Szent-Györgyi (Mediziner, Biochemiker und Nobelpreisträger) entdeckte 1930, dass Vitamin C bei Skorbut hilft. Künstlich hergestelltes Vitamin C hatte kaum eine Wirkung, während bereits geringe Mengen Sauerkraut oder rote Paprika die Erkrankung beseitigten. 

Magnesium ist ein Teamplayer

Auch wenn Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine gesunde Ernährung sind, kann in speziellen Bedarfssituation dennoch eine Supplementierung indiziert sein. Magnesium-L-Threonat und Magnesium transdermal (als Öl) scheinen hierbei zu den für den Organismus am besten verwertbaren Formen zu gehören. Beim Anheben der Magnesiumzufuhr ist der restliche Mikronährstoffstatus zu berücksichtigen, insbesondere von Kalzium, Vitamin K2 und Vitamin D. Diese Nährstoffe müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, um einen optimalen Nutzen zu erzielen und nachteilige Effekte zu vermeiden. 

Das vielleicht wichtigste Beispiel: in jüngster Zeit ist die Kalziumzufuhr aufgrund von Ernährung und Nahrungsergänzung gestiegen und das Angebot an Magnesium gefallen, was eine Verschiebung des Verhältnisses dieser beiden Kationen nach sich zieht. Wie eingangs erwähnt, ist Magnesium eine Art Gegenspieler von Kalzium. Es kann dessen Einstrom, unter anderem in die Lungenzellen, hemmen und somit auch den Kalziumspiegel im Blut regulieren. Gerät das Verhältnis zugunsten des Kalziums aus dem Gleichgewicht, ist also zu viel Kalzium im Blut, können sich Symptome wie Muskelspasmen manifestieren, denn Magnesium ist entscheidend für die korrekte elektrische Leitung an Zellmembranen. Zuweilen das erste sich zeigende Symptom, aber leider auch das schwerwiegendste: die Verkalkung von Arterien.7 Die Fähigkeit von Magnesium, einer Überkalzifizierung vorzubeugen, ist einer der Gründe, warum die 'Framingham Heart Study' zu dem Ergebnis kam, dass eine ausreichende Magnesiumzufuhr das Risiko einer koronaren Herzerkrankung senkt.8

Referenzen:
1. Schmidt M. Schwere Hypomagnesiämie. https://medicalforum.ch/journalfile/view/article/ezm_smf/de/smf.2016.02636/87248fda3f94ff7e48c8afbc293a5b435e328191/smf_2016_02636.pdf/rsrc/jf.
2. Kılıc, H. et al. The Relationship between Hypomagnesemia and Pulmonary Function Tests in Patients with Chronic Asthma. MPP 27, 139–144 (2018).
3. Cardwell, M. Magnesium for Asthma. Mineral Resources International Inc. https://www.mineralresourcesint.com/magnesium-for-asthma-and-lung-health/ (2020).
4. Britton, J. et al. Dietary magnesium, lung function, wheezing, and airway hyperreactivity in a random adult population sample. Lancet 344, 357–362 (1994).
5. Soutar, A., Seaton, A. & Brown, K. Bronchial reactivity and dietary antioxidants. Thorax 52, 166–170 (1997).
6. Magnesium supplements improved lung function in asthma patients. Medical Conferences https://conferences.medicom-publishers.com/specialisation/respiratory/ers-2021/magnesium-supplements-improved-lung-function-in-asthma-patients/ (2021).
7. 10 Signs You Are Deficient in Magnesium (And What To Do About It). LongmontLeader https://www.longmontleader.com/local-news/10-signs-you-are-deficient-in-magnesium-and-what-to-do-about-it-2386610.
8. Hruby, A. et al. Magnesium intake is inversely associated with coronary artery calcification: the Framingham Heart Study. JACC Cardiovasc Imaging 7, 59–69 (2014).

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