Nasale High-Flow-Sauerstofftherapie senkt Exazerbationsrate und Symptomlast

Erstmals wurde nun auch in einer Langzeitbeobachtung bei COPD-Patienten mit chronischer Hypoxie der Nutzen einer zusätzlichen nasalen High-Flow-Sauerstofftherapie nachgewiesen.

Die High-Flow-Sauerstofftherapie via Nasenkanüle (HFNC) hat sich im stationären Setting auf Intensiv und zur Behandlung von akuten respiratorischen Insuffizienzen etabliert. Können von ihr auch COPD-Patienten zuhause profitieren, die wegen chronischer Hypoxie eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) erhalten? Eine dänische Studie1 ging dieser Frage nach und liefert bemerkenswert positive Ergebnisse.

Wachsende Evidenz für den ambulanten Einsatz der HFNC

Wie die Autoren der Studie schreiben, nimmt die Evidenz für die Brauchbarkeit der HFNC bei chronisch Lungenkranken zu. Gleichwohl ist die Datenlage noch recht überschaubar und entbehrte bisher Studien über einen längeren Zeitraum.

Die Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Aalborg (Dänemark) bezogen 200 Patienten aus vier Ambulatorien der Region Nordjütland in ihre randomisierte kontrollierte Studie ein. Einschlusskriterien waren COPD mit chronischer Hypoxie und eine mindestens drei Monate zuvor verordnete LTOT. Im Verum-Arm erhielten die Studienteilnehmer zusätzlich zu LTOT und GOLD-gemäßer Inhalationstherapie eine HFNC (AirvoTM, OptiflowTM Nasenkanüle; Flow: 20 l/min).

Welcher Flow und welche tägliche Anwendungsdauer sind empfehlenswert?

In einer unveröffentlichten Pilotuntersuchung hatte sich eine Durchflussrate von 20 l/min als praktikabel und gut verträglich während des Schlafs erwiesen. In der nun publizierten Studie wurde beim Erstbesuch mit 15 l/min gestartet und der Flow dann über eine halbe Stunde titriert. Die Patienten wurden in den Gebrauch des Geräts eingewiesen und erhielten eine schriftliche Kurzanleitung. Ihnen wurde eine tägliche Anwendungszeit von 8 Stunden, bevorzugt nachts, empfohlen (ohne "echten wissenschaftlichen Hintergrund", worauf die Autoren hinweisen). Bezüglich Dauer und Tageszeit der Anwendung gab es aber keine Restriktionen.

Der Studienzeitraum umfasste ein Jahr. Die Patienten wurden zu Beginn sowie nach 6 und 12 Monaten vor Ort besucht und nach 1, 3 und 9 Monaten telefonisch befragt. Erhoben wurden die Exazerbationsrate, Krankenhauseinweisungen, Dyspnoe (mMRC-Score), Lebensqualität (SGRQ), Blutgasanalyse, 6-Minuten-Gehtest (6MWD), Lungenfunktion, BMI und Mortalität.

Fast alle Parameter nach einem Jahr verbessert

Die durchschnittliche Anwendungsdauer der zusätzlichen Atemunterstützung betrug in der HFNC-Gruppe 6 Stunden pro Tag. Gegenüber der Kontrollgruppe waren nach einem Jahr folgende Ergebnisse zu verzeichnen:

Die Autoren halten als Schlussfolgerung fest: Die zusätzlich zur LTOT erfolgende HFNC-Atemunterstützung konnte die Zahl der Exazerbationen und Hospitalisierungen sowie die Symptome verringern. Sie sollte deshalb künftig bei COPD-Patienten mit chronischer Hypoxie als nützliche Ergänzung der empfohlenen Therapie betrachtet werden.

Vermutungen zum Wirkmechanismus

Die überraschend positiven Studienergebnisse sprechen tatsächlich dafür, die wenig invasive und nebenwirkungsarme Methode zusätzlich zur Standard-Sauerstofftherapie in Erwägung zu ziehen. Wegen des präventiven Effekts bezüglich Exazerbationen einerseits und der verbesserten Dyspnoe- und Lebensqualitätswerte andererseits. Über den Wirkmechanismus der High-Flow-Therapie ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Eine verminderte Atemarbeit ist für COPD-Patienten durchaus relevant. Zudem wird spekuliert, dass die Luftanfeuchtung mit dem High-flow-Therapiegerät bis in die distale Atemwege zu einer verbesserten mukoziliären Clearance beiträgt.

Bisher restriktive Erstattungspolitik

Allerdings könnte uns die aktuelle Erstattungspolitik der Krankenkassen einen Strich durch die Rechnung machen. Denn nicht mal bei Patienten, die man auf andere Weise kaum oxygeniert bekommt, ist die Finanzierung der HFNC ein Selbstläufer. Neben weiteren Studien zur Klärung der optimalen Behandlungsdauer wird es künftig also auch darum gehen, die Patienten-Subgruppen einzugrenzen, die davon am meisten profitieren. Dennoch kann ein Verweis auf die Studie beim Erstattungsantrag schon jetzt nützlich sein. Jede vermiedene Exazerbation und Hospitalisierung spart ja einiges an Geld.

Referenz:
1. Storgaard LH et al.. Long-term effects of oxygen-enriched high-flow nasal cannula treatment in COPD patients with chronic hypoxemic respiratory failure. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2018;13:1195-205

Abkürzungen:
BMI = Body-Mass-Index
GOLD = Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease
mMRC = modified Medical Research Council
SGRQ = St George's Respiratory Questionnaire

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