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Pneumologische Reha: Nutzen bewiesen – aber nicht konsequent umgesetzt

Das Asthma nimmt nicht ab, die COPD nimmt zu. Also wächst die Bedeutung der Rehabilitation als evidenzbasierte Behandlungsmaßnahme immer mehr. Eigentlich. Aber sie wird viel zu selten verordnet. Warum?

Dieser Beitrag ist sozusagen PR für die PR – Werbung für die pneumologische Rehabilitation. Hat sie das nötig? Offenbar dringend. Die Referenten eines klinischen Symposiums1, das vor einem Monat beim DGP-Kongress in Stuttgart stattfand, warben jedenfalls intensiv dafür, vom bestehenden Reha-Angebot viel mehr Gebrauch zu machen als bisher üblich.

"95% der COPD-Patienten erhalten keine Reha"

"Stell Dir vor, es gibt Pneumo-Reha und kaum einer geht hin." So hätte man die Veranstaltung auch betiteln können. Gut, Asthma und COPD stellen bei den Reha-Fallzahlen laut den Daten der deutschen Kostenträger über alle Altersgruppen hinweg die beiden häufigsten Indikationen dar. Im Jahr 2015 wurde die Reha in knapp 21.000 Fällen von COPD-Patienten in Anspruch genommen, was eine Steigerung gegenüber 2003 um 41%  bedeutet. Rund 25.000 Fälle waren es 2015 beim Asthma, ein Minus um 9% im gleichen Zeitraum.

Diese Zahlen bedeuten für Dr. Konrad Schultz von der Klinik Bad Reichenhall aber etwas sehr Verstörendes: 95% der COPD-Patienten erhalten keine Reha. Woran kann das liegen?

An mangelnder Evidenz jedenfalls nicht. "Es braucht keine Studien mehr, um die Wirksamkeit der Reha bei COPD zu beweisen!", betonte der Medizinische Direktor und Pneumologie-Chefarzt bei seinem Vortrag. Auch die GOLD-Experten sprechen eine starke Empfehlung für die pneumologische Reha aus. "Also tun wir es nicht" – so der sarkastische Kommentar von Schultz.

Evidenzbasierter Nutzen der Reha

Sicherheitshalber seien nochmal die erwiesenen Nutzeneffekte der Reha bei COPD-Patienten aufgelistet, mit dem jeweiligen Evidenzgrad in Klammern:

Ein aktualisierter Cochrane-Review2 von 2015 hat 65 randomisierte kontrollierte Studien ausgewertet und den Reha-Nutzen gegenüber einer konventionellen Behandlung ohne Reha noch einmal bestätigt. Künftige Studien sollten sich jetzt den essenziellen Komponenten der Reha, ihrer idealen Dauer und Örtlichkeit, der benötigten Supervision und Trainingsintensität sowie der Persistenz der Behandlungseffekte widmen.

"Verzicht auf PR bei COPD kommt Kunstfehler gleich"

Von den Reha-Experten kommen jedenfalls in einhelliger Weise klare Worte. "Wäre ein Medikament mit der Wirkungsweise der Reha am Markt verfügbar, würde dessen Nichtverordnung als Kunstfehler angesehen werden", wird beispielsweise Prof. Klaus Kenn von der Schön Klinik Berchtesgadener Land in Schönau am Königsee in einem PneumoNews-Beitrag3 zitiert. Angesichts der bestehenden Evidenz muss man in diesem Fall wohl nicht argwöhnen, dass solche Aussagen vor allem berufspolitisch motiviert sind.

Nun die Gretchen-Frage: "Wie hoch ist der Anteil bei Ihren Patienten mit COPD 2 bzw. COPD 3-4, die an einer ambulanten oder stationären Rehabilitation teilgenommen haben?"

Wie Ihre Kollegen auf diese Frage geantwortet haben, erfahren Sie im nächsten Beitrag.

Referenzen:

  1. Choosen wisely: Evidenzbasiert – aber nicht konsequent umgesetzt: Können wir uns die Unterversorgung mit Rehabilitation und Tabakkontrolle weiterhin leisten? Klinisches Symposium beim 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Stuttgart, 23. März 2017.
  2. McCarthy B et al. Pulmonary rehabilitation for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2015;(2):CD003793. doi: 10.1002/14651858.CD003793.pub3.
  3. Jäger-Becker D. PneumoUpdate 2016: Neuigkeiten aus der Pneumologie. PneumoNews 2017. doi:10.1007/s15033-017-0609-9
  4. Glaab T et al. Guideline-based survey of outpatient COPD management by pulmonary specialists in Germany. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2012;7:101-8.

P.S.: Eine kleine spitzfindige bzw. bestätigende Bemerkung für diejenigen, die sich die Referenzen genauer anschauen und sich über das "Choosen wisely" im Titel des Symposiums wundern: So war es im Programm abgedruckt. Grammatikalisch falsch ist es trotzdem und müsste korrekt – wie die entsprechende Initiative – "Choosing wisely" heißen. Das bedeutet auf deutsch "Klug auswählen". "Chosen" würde rein grammatikalisch auch gehen, bedeutet dann aber, dass schon ausgewählt wurde. Nur "choosen" gibt es nicht. Englische Sprache, schwere Sprache …