Rauchen oder Nichtrauchen, das ist hier die Frage

Wie viele Raucher hören unmittelbar nach einer Lungenkrebs-Diagnose auf und wie wirkt sich dies auf Komplikationsraten und weiteren Verlauf aus? Eine große britische Studie liefert Zahlen – einige davon etwas überraschend.

Wie viele Raucher hören unmittelbar nach einer Lungenkrebs-Diagnose auf und wie wirkt sich dies auf Komplikationsraten und weiteren Verlauf aus? Eine große britische Studie liefert Zahlen – einige davon etwas überraschend.

Dass sich ein Rauchstopp positiv oder protektiv auf diverse Outcomes auswirkt, ist bekannt, aber manche Patienten mit neu diagnostiziertem Lungenkrebs mögen sich vielleicht fragen, ob es denn "jetzt noch was bringt, aufzuhören". Bevor wir Prinz Hamlet fragen, was er wohl dazu sagen würde, werfen wir einen Blick in Studien, die versuchen, die Unterschiede zwischen "Aufhören oder nicht Aufhören" zu quantifizieren.

Aufhören: besser spät, als nie?

Für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, die nach Diagnose weiter rauchten, sind ein gerade einmal halb so langes Überleben und eine vierfach höhere Rezidivrate im Vergleich zu denjenigen, die das Rauchen beendeten, vorbeschrieben.1
Andere Beispiele: Brust- und Prostatakrebs. Auch hier verzeichneten persistierende Raucher signifikant schlechtere Prognosen.2,3

Wie sieht es für das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) aus?
Kleinere Studien kamen zu dem Schluss, dass fortgesetztes Rauchen als unabhängige Variable die Lebensqualität verschlechtert und die Lebenserwartung reduziert. Eine neuere prospektive Real World-Studie berichtete zudem, dass ein Rauchstopp nach NSCLC-Diagnose die 1-Jahres-Mortalität um 17% senken könnte.4
Die gleichen Autoren beobachteten als Teil einer multizentrischen, prospektiven Kohortenstudie in Großbritannien 1.134 Patienten mit neu diagnostiziertem NSCLC über zwei Jahre hinweg nach und veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich im European Medical Journal.5

Rauchstopp geht mit weniger Therapiekomplikationen im ersten Monat einher

Ein Viertel (25,6%) der Patienten waren bei Studienbeginn Raucher. Von denjenigen, die das Rauchen beendeten, lebten nach 12 Monaten noch 44,4%, in der Gegenkohorte der weiter aktiven Raucher waren es 31,9% (p < 0,01). Das Durchschnittsalter beider Sparten war gleich (66 Jahre), jedoch war der Anteil chirurgischer Resektionen unter den Aufhörern höher (28,6% versus 8,1%).

Etwas überraschend trifft einen eventuell aber folgende Zahl: weniger als jeder Dritte (29%) stellte binnen drei Monaten nach Lungenkrebsdiagnose das Rauchen ein. Der selbstberichtete Rauchstatus wurde im Unterschied zu anderen Arbeiten nicht nur zum Ausgangszeitpunkt, sondern bei jeder Vorstellung erfasst und per CO‑Messung validiert. 

Der Aussage "besser spät, als nie" ist vielleicht noch hinzuzufügen: je früher, desto besser. Der Zeitpunkt des Aufhörens scheint ins Gewicht zu fallen, denn im ersten Monat traten bei denen, die rauchfrei wurden, signifikant weniger Komplikationen auf. Sechs bzw. zwölf Monate nach Diagnose war diesbezüglich kein Unterschied zwischen den Gruppen mehr zu detektieren.
Ein Konfundierungseffekt ist allerdings zu berücksichtigen: die Verteilung der Tumorstadien war nicht ausgewogen: 34,7% der Aufhörer befanden sich bei Diagnose im UICC-Stadium I oder II, aber nur 19,2% der weiterhin aktiven Raucher.

Rauchen kann die Outcomes negativ beeinflussen, indem es bei Krebspatienten weitere Erkrankungen verursacht oder diese verschlechtert, geben die Autoren zu bedenken. Raucher haben ein größeres Risiko für zahlreiche, potenziell verlaufsmodifizierende Erkrankungen, wie COPD, kardiale und (zerebro)vaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Thrombosen und viele weitere. Fortgesetztes Rauchen verschlechtert jede komorbide Erkrankung, was zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen und somit Verzögerungen oder Unterbrechungen der onkologischen Therapie nach sich ziehen kann.

Referenzen:
1. Stevens, M. H., Gardner, J. W., Parkin, J. L. & Johnson, L. P. Head and Neck Cancer Survival and Life-style Change. Archives of Otolaryngology 109, 746–749 (1983).
2. Bishop, J. D., Killelea, B. K., Chagpar, A. B., Horowitz, N. R. & Lannin, D. R. Smoking and breast cancer recurrence after breast conservation therapy. Int J Breast Cancer 2014, 327081 (2014).
3. Daniell, H. W. A worse prognosis for smokers with prostate cancer. J Urol 154, 153–157 (1995).
4. Gemine, R. E. et al. Longitudinal study to assess impact of smoking at diagnosis and quitting on 1-year survival for people with non-small cell lung cancer. Lung Cancer 129, 1–7 (2019).
5. Treatment Complication Rates in Ongoing Smokers Versus Quitters After a Diagnosis of Lung Cancer: A Cohort Study. European Medical Journal https://www.emjreviews.com/respiratory/abstract/treatment-complication-rates-in-ongoing-smokers-versus-quitters-after-a-diagnosis-of-lung-cancer-a-cohort-study/ (2020).

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