Wachsende Datenlage zu Risiken künstlicher Süßstoffe

Neben nachteiligen Effekten auf den Stoffwechsel, wie Gewichtszunahme, berichtet eine kürzlich in der Fachpresse veröffentlichte Auswertung der NutriNet-Santé-Studie erneut über ein erhöhtes Krebsrisiko von Zuckerersatzstoffen.

Zuckerfrei heißt noch lange nicht gesund

"Die Sicherheit dieser Lebensmittelzusatzstoffe ist umstritten, und es gibt widersprüchliche Erkenntnisse über ihre Rolle in der Ätiologie verschiedener Krankheiten", schreibt ein Team der renommierten Sorbonne-Universität eingangs einer aktuellen Publikation.1 Insbesondere die Karzinogenität von Zuckerersatzstoffen wurde von mehreren experimentellen Studien zuvor nahegelegt, aber mit ihrer neuen Auswertung der populationsbasierten Langzeitstudie 'NutriNet-Santé' kommt weitere solide epidemiologische Evidenz hinzu.

Aspartam und Acesulfam-K gingen mit erhöhtem Krebsrisiko einher

Während frühere Beobachtungsstudien nur den Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko und dem Konsum von künstlich gesüßten Getränken untersuchten, die als Indikator verwendet wurden, bezog die neue Analyse die Aufnahme künstlicher Süßstoffe insgesamt aus allen Nahrungsquellen ein (Aspartam [E951], Acesulfam-Kalium [E950] und Sucralose [E955]). Denn längst gehören Süßstoffe zu den weltweit am häufigsten verwendeten Lebensmittelzusatzstoffen.

Nach durchschnittlich acht Jahren Nachbeobachtungszeit zeigte sich in der Kohorte von 102.865 französischen Erwachsenen ein erhöhtes Gesamtkrebsrisiko bei regelmäßigem Konsum (insbesondere von Aspartam und Acesulfam-K) im Vergleich zu Nichtkonsumenten (HR 1,13; 95% KI 1,03 bis 1,25; p = 0,002). Insbesondere war der Aspartamkonsum mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko (HR = 1,22; p = 0,036) und einem erhöhten Risiko für Übergewicht (HR = 1,15; p = 0,026) verbunden. Letzteres führt uns direkt zum nächsten Punkt.

Süßstoffe können trotzdem zu Diabetes und Übergewicht beitragen

Die Industrie für künstliche Süßstoffe hat die Sicherheit von Sucralose mit der Begründung verteidigt, sie passiere den Körper schnell und unverstoffwechselt und habe daher keine biologischen Effekte. Forschungsergebnisse offenbarten jedoch schon vor Jahren, dass Sucralose sehr wohl metabolisiert wird und in Adipozyten akkumuliert.2 Bereits eine anlässlich des Jahreskongresses der 'American Physiological Society' 2018 in San Diego vorgestellte (die bis dahin umfangreichste) Arbeit benannte, dass gängige künstliche Süßstoffe nachweislich die Art und Weise verändern, wie der Körper Fett und Energie verwertet.3,4 Sie stellte außerdem fest, dass sich Acesulfam-K im Blut ansammelt, wobei höhere Konzentrationen eine schädlichere Wirkung auf Endothelzellen ausübten.

Die Frage, was nun schlimmer sei, normaler Zucker oder künstliche Süßstoffe, lässt sich daher vorerst nur so beantworten. "Es ist bekannt, dass ein hoher Zuckergehalt in der Nahrung mit negativen gesundheitlichen Folgen verbunden ist und die Studien legen nahe, dass dies auch für künstliche Süßstoffe gilt", resümiert Prof. Brian Hoffmann, PhD, vom Medical College of Wisconsin, der als Erstautor an letztgenannter Arbeit beteiligt war. "Wie bei anderen Komponenten der Ernährung auch, sage ich den Leuten immer, dass Maßhalten das A und O ist, wenn es ihnen zu schwerfällt, etwas komplett aus ihrer Ernährung zu streichen."3

Referenzen:

1. Debras, C. et al. Artificial sweeteners and cancer risk: Results from the NutriNet-Santé population-based cohort study. PLOS Medicine 19, e1003950 (2022).
2. New Splenda Studies Confirm Its Dangers. https://takecontrol.substack.com/p/artificial-sweetener-splenda (2022).
3. Why zero-calorie sweeteners can still lead to diabetes, obesity. EurekAlert! https://www.eurekalert.org/news-releases/689523.
4. Experimental Biology 2018. https://plan.core-apps.com/eb2018/abstract/382e0c7eb95d6e76976fbc663612d58a.

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