Selbst ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt

Eine Studie mit 106 Tsd. amerikanischen Frauen ergab, dass der tägliche Konsum gesüßter Getränke mit einem um 19% erhöhten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen einhergeht, der tägliche Konsum von Fruchtgetränken mit zugesetzten Zuckern sogar um 42%.

Eine Studie mit 106 Tsd. amerikanischen Frauen ergab, dass der tägliche Konsum gesüßter Getränke mit einem um 19% erhöhten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen einhergeht, der tägliche Konsum von Fruchtgetränken mit zugesetzten Zuckern sogar um 42%.

Aus den Ergebnissen der 'DIADEM-I*-Studie, die wir im letzten Beitrag vorgestellt hatten, sprachen erstaunliche Erfolge. Die dort durchgeführte intensive Lebensstil-Modifikation resultierte in bemerkenswerten Gewichtsreduktionen und bei zwei Drittel der Patienten in Diabetes-Remissionen.
Ein Traum – mit einem Haken: wir wissen alle, dass das einfache Stichwort "Lebensstil-Intervention" bei vielen Patienten auf über Jahre fest zementierte Gewohnheiten trifft.
Wir hatten am Beispiel des Allgemeinmediziners Dr. Colin Bannon aber auch gesehen, dass es keineswegs einen Tropfen auf einem heißen Stein darstellt, stattdessen den Fokus zunächst auf nur eine, machbare Veränderung zu legen. Eine einzelne Intervention, nämlich die bloße Minimierung des Konsums zugesetzter Zucker, führte bei vielen seiner übergewichtigen und/ oder diabetischen Patienten zu Gewichtsverlust – und in einigen Fällen sogar dazu, dass er Diagnosen wie Hypertonus oder Diabetes Typ 2 streichen konnte.

Regelmäßiger Konsum gesüßter Softdrinks ist mit Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Revaskularisation und Apoplex assoziiert

Wie viel nur dieser eine Punkt sonst noch ausmachen könnte, unterstreicht eine Mitte Mai im Journal of the American Heart Association erschienene Studie.1
Die Auswertung untersuchte anhand von über 106 Tsd. nicht diabetisch oder kardiovaskulär vorerkrankten Frauen aus der 'California Teachers Study' die prospektive Assoziation zwischen dem Konsum gesüßter Softdrinks zum Ausgangszeitpunkt mit dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse. Die Teilnehmerinnen waren zu Beginn der aktuell weiterhin laufenden Erhebung im Median 52 Jahre alt. Die Zufuhr kalorienreicher Softdrinks, gesüßter Tafelwasser oder Tees und Fruchtgetränke (gemeint sind solche mit zugesetzten Zuckern, keine reinen Fruchtsäfte) wurde per Ernährungsfragebogen erfasst.

Nach 20 Jahren Nachbeobachtungszeit waren in dieser Kohorte 8.848 neu aufgetretene kardiovaskuläre Erkrankungen berichtet worden. Frauen, die pro Tag ein oder mehr gesüßte Getränke zu sich nahmen, hatten (nach Korrektur für potenzielle Störvariablen) im Vergleich zu Teilnehmerinnen, die solche nie/ selten tranken, ein 19% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, eine 26% erhöhte Wahrscheinlichkeit für Revaskularisationen und ein 21% erhöhtes Risiko für einen Apoplex.
Auch Frauen, die regelmäßig Fruchtgetränke oder kalorienreiche Softdrinks konsumierten, waren häufiger von kardiovaskulären Morbiditäten betroffen (um 42% respektive 23%).

Frauen mit dem größten Verbrauch an gesüßten Getränken waren jünger, rauchten häufiger, waren öfter übergewichtig und aßen weniger gesunde Nahrungsmittel – neben anderen Lebensstil-Charakteristika.

Konsum von Getränken mit zugesetzten Zuckern wäre ein modifizierbarer Aspekt in der Ernährung, der das kardiovaskuläre Risiko senken könnte

"Auch wenn die Studie nur beobachtend ist und keine Ursache und Wirkung belegt, nehmen wir an, dass Zucker das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf mehrere Arten erhöht. Er hebt die Glukosespiegel und Insulinkonzentrationen im Blut an, was den Appetit steigern und zu Übergewicht führen kann, einem wesentlichen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen", resümiert Erstautorin Prof. Cheryl Anderson von der University of California, San Diego und Vorsitzende des Ernährungsausschusses der American Heart Association.2 "Des Weiteren ist zu viel Zucker im Blut mit oxidativem Stress und Inflammation, Insulinresistenz, ungesunden Cholesterinprofilen und Diabetes Typ 2 assoziiert – Erkrankungen, die eng mit der Entwicklung von Atherosklerose verknüpft sind."

Noch eine weitere Konsequenz ist zu bedenken: wer Nahrungsmittel mit zugesetzten Zuckern meidet, isst automatisch mehr „echte“ Nahrungsmittel, mit allen damit verbundenen Vorteilen.
Im umgekehrten Fall kommt zum Tragen, dass raffinierte Zucker zu Nährstoffmangelzuständen beitragen: in 0,7 l Limo sind etwa 50g Zucker enthalten, meist kristalline Fruktose (die sich noch verheerender auf den Stoffwechsel auswirkt als normaler Haushaltszucker). Diese Menge kann der Leber bereits das ATP entziehen, welches diese benötigt, um Nährstoffe in für den Körper nutzbare Formen zu wandeln und den Organismus von Abfallmetaboliten zu entgiften. Ohne das nötige ATP kann die Leber also die (hoffentlich) im Essen enthaltenen Nährstoffe nicht verwerten und es kommt zur Auslaugung des Körpers von Vitaminen und Mineralstoffen. In Reaktion auf den Energiemangel steigert der Körper Hungersignale und stimuliert den Appetit zu noch größerer Kalorienaufnahme.3–5

Referenzen:
1. Pacheco Lorena S. et al. Sugar‐Sweetened Beverage Intake and Cardiovascular Disease Risk in the California Teachers Study. Journal of the American Heart Association 9, e014883 (2020).
2. Drinking sugary drinks daily may be linked to higher risk of CVD in women. ScienceDaily https://www.sciencedaily.com/releases/2020/05/200513081556.htm.
3. DiNicolantonio, J. J. & Berger, A. Added sugars drive nutrient and energy deficit in obesity: a new paradigm. Open Heart 3, (2016).
4. Lifestyle and MS - Research Talk - Dr Colin Bannon. https://www.youtube.com/watch?v=MWU0jRQcZ2c.
5. Was können wir tun, um die MS-Inzidenz zu senken? https://www.esanum.de/blogs/neurologie-blog/feeds/today/posts/was-koennen-wir-tun-um-die-ms-inzidenz-zu-senken.

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