Allgemeines Screening auf Ovarial- und Tubenkarzinome kann keine Leben retten

In einer Langzeit-Studie mit über 200 Tsd. Teilnehmerinnen konnte ein Screening die Todesfälle durch Ovarial- und Eileiterkrebs nicht signifikant reduzieren, weswegen die Autoren Vorsorgeuntersuchungen in der Allgemeinbevölkerung nicht empfehlen.

In einer Langzeit-Studie mit über 200 Tsd. Teilnehmerinnen konnte ein Screening die Todesfälle durch Ovarial- und Eileiterkrebs nicht signifikant reduzieren, weswegen die Autoren Vorsorgeuntersuchungen in der Allgemeinbevölkerung nicht empfehlen. 

Die Prognose des Ovarialkarzinoms ist nach wie vor schlecht und bei der Mehrzahl der Frauen (58%) wird die Erkrankung erst in fortgeschrittenem Stadium (III oder IV) diagnostiziert. Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 27% für Eierstockkrebs im Stadium III und 13% für Eierstockkrebs im Stadium IV ist es noch immer das tödlichste aller gynäkologischen Karzinome.1 

Die Überlebensraten von über 90% bei Frauen, bei denen die Erkrankung in Stadium I entdeckt wird, hat Bemühungen zur Früherkennung beflügelt. Viele Studien griffen hierfür auf eine Kombination aus dem Serumbiomarker CA125 und transvaginaler Ultraschalluntersuchung zurück. Trotz umfangreicher Bemühungen gibt es bislang keine Evidenz dafür, dass ein solches Screening die Mortalität reduziert.

Negatives Ergebnis, obwohl eine der getesteten Screening-Methoden Krebserkrankungen früher erkannte

Daher führten Wissenschaftler des University College London die randomisierte, kontrollierte Studie 'UKCTOCS' (UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening) durch, deren Ergebnisse Mitte Mai im Lancet erschienen.2 In die Untersuchung wurden 202,5 Tsd. postmenopausale Frauen im Alter von 50–74 Jahren aus 13 Zentren in Großbritannien eingeschlossen, die keine vorbekannten Neoplasien und kein familiär erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs aufwiesen. Die Forscher teilten die Frauen im Verhältnis 1:1:2 entweder einer jährlichen multimodalen Vorsorgeuntersuchung (MMS), einer jährlichen transvaginalen Ultraschalluntersuchung oder keinem Screening zu.

Nach reichlich 16 Jahren Nachbeobachtungszeit war die Inzidenz von Eierstock- oder Eileiterkrebs in den drei Gruppen gleich (1,0%), ebenso die Inzidenz von Todesfällen durch Eierstock- und Eileiterkrebs (0,6%).

Im Vergleich zu der Kohorte ohne Screening wurden in der MMS-Gruppe 47,2% mehr Karzinome in Stadium I und 24,5% weniger Karzinome in Stadium IV gefunden. Insgesamt war die Inzidenz von Erkrankungen im Stadium I oder II in der MMS-Gruppe um 39,2% höher als in der Gruppe ohne Screening, während die Inzidenz von Erkrankungen im Stadium III oder IV um 10,2% niedriger war. 

"Wir bedanken uns bei jeder einzelnen Person, die teilgenommen hat."

Die reduzierte Häufigkeit fortgeschrittener Erkrankungen in der MMS-Gruppe war jedoch nicht ausreichend, um sich in gerettete Leben zu übersetzen.
1.206 Frauen starben an der Erkrankung: 296 (0,6%) von 50.625 in der MMS-Gruppe, 291 (0,6%) von 50.623 in der Ultraschall-Gruppe und 619 (0,6%) von 101.314 in der Gruppe ohne Screening. Es war keine signifikante Reduktion der Todesfälle durch Eierstock- und Eileiterkrebs in der MMS- oder Ultraschall-Gruppe im Vergleich zu der Gruppe ohne Vorsorgeuntersuchung zu beobachten.

Erstautorin Professor Usha Menon, die als eine der führenden britischen Spezialisten für gynäkologische Malignome gilt, sagte: "UKCTOCS ist die erste Studie, die zeigt, dass Screening Eierstockkrebs definitiv früher erkennen kann. Diese sehr große, methodisch gründliche Studie zeigt jedoch eindeutig, dass das Screening mit keinem der von uns getesteten Ansätze Leben retten konnte. Daher können wir das Eierstockkrebs-Screening mit diesen Methoden für die Allgemeinbevölkerung nicht empfehlen."3
Sie schließt: "Wir sind enttäuscht, da dies nicht das Ergebnis ist, das wir und alle an der Studie Beteiligten erhofft und für das wir über so viele Jahre gearbeitet haben. Um Leben zu retten, brauchen wir einen besseren Screening-Test, der Eierstockkrebs früher und bei mehr Frauen erkennt als die von uns verwendete multimodale Screening-Strategie."

Referenzen:
1. Ovarian cancer survival statistics. Cancer Research UK https://www.cancerresearchuk.org/health-professional/cancer-statistics/statistics-by-cancer-type/ovarian-cancer/survival (2015).
2. Menon, U. et al. Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. The Lancet 0, (2021).
3. UCL. Screening for ovarian cancer did not reduce deaths. UCL News https://www.ucl.ac.uk/news/2021/may/screening-ovarian-cancer-did-not-reduce-deaths (2021).

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