esanum is an online network for approved doctors

esanum is the medical platform on the Internet. Here, doctors have the opportunity to get in touch with a multitude of colleagues and to share interdisciplinary experiences. Discussions include both cases and observations from practice, as well as news and developments from everyday medical practice.

esanum ist ein Online-Netzwerk für approbierte Ärzte

esanum ist die Ärzteplattform im Internet. Hier haben Ärzte die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Kollegen in Kontakt zu treten und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen. Diskussionen umfassen sowohl Fälle und Beobachtungen aus der Praxis, als auch Neuigkeiten und Entwicklungen aus dem medizinischen Alltag.

Esanum est un réseau en ligne pour les médecins agréés

esanum est un réseau social pour les médecins. Rejoignez la communauté et partagez votre expérience avec vos confrères. Actualités santé, comptes-rendus d'études scientifiques et congrès médicaux : retrouvez toute l'actualité de votre spécialité médicale sur esanum.

Cannabinoid-System als Target onkologischer Therapien – wo stehen wir?

Nicht immer muss Cannabis in einer wirksamen Darreichungsform auch psychoaktiv sein. Neue Reviews berichten nicht nur über Linderung von Therapienebenwirkungen und palliative Anwendungen, sondern auch über Verlangsamung von Tumorwachstum und –ausbreitung durch Cannabinoide.

Neben palliativen Anwendungen sind Cannabinoide – Phytocannabinoide, synthetische Agonisten und Substanzen, die die körpereigenen Endocannabinoid-Spiegel erhöhen – als mögliche systemische Therapeutika bei Krebs inzwischen in den Punkt des Interesses gerückt.

Cannabinoide wirken antiproliferativ, antiinvasiv und antimetastatisch

Eine wachsende Anzahl präklinischer Studien berichten über eine Hemmung von Tumorwachstum und -ausbreitung über mehrere parallele Mechanismen.1,2 Die zugrunde liegenden Effekte beinhalten die Herbeiführung von Apoptose, Autophagie und Zellzyklusarrest sowie die Unterdrückung von Tumorzell-Invasion, Neoangiogenese und EMT (epithelial-mesenchymaler Transition). Außerdem können Cannabinoide die Immunüberwachung gegen den Tumor stärken und eine sinnvolle Ergänzung zu gebräuchlichen Chemotherapien darstellen, da sie Chemoresistenz vermindern bzw. die Wirkung von Chemotherapeutika verstärken und einigen der schweren UAWs entgegenwirken.

Psychoaktivität sowie ein mögliches Risiko für eine Leberfibrose (durch CB1-Aktivierung) limitieren den klinischen Einsatz. Doch das nicht psychoaktive Cannabidiol vereint ein vergleichsweise gutes Sicherheitsprofil mit bemerkenswerten antineoplastischen Wirkungen. CB2-Agonisten sind ebenfalls nicht psychoaktiv und wirken überdies antifibrotisch.

Wenige Daten aus randomisierten klinischen Studien

Der jetzige Wissensstand lässt diese Substanzen für Krebspatienten sehr vielversprechend erscheinen, aber die positiven Erfahrungen sind bislang größtenteils auf in-vitro- und Tierversuche begrenzt. Wirklich große, randomisierte, doppelblinde Multizenter-Studien fehlen derzeit (noch). Während die direkten antineoplastischen Wirkungen am Menschen noch nicht belegt sind, gibt es zumindest zu synergistischen Effekten von Cannabinoiden und Chemotherapeutika kleine Pilotstudien, die bereits für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

So ergab eine placebokontrollierte explorative Phase-II-Studie an Patienten mit Glioblastoma multiforme-Rezidiv einen klinischen Nutzen von THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) als Zusatz zur Standard-Chemotherapie.3 Zwölf Patienten wurden zu THC+CBD und Hochdosis-Temozolomid randomisiert, die anderen neun erhielten nur Placebo und die Standardtherapie. Die 1‑Jahres-Überlebensrate lag in der Cannabinoid-Gruppe deutlich höher (83 % vs. 53 %, p = 0,042), ebenso das mediane Überleben (>550 Tage vs. 369 Tage).

Auch bei anderen Chemotherapeutika führt der Zusatz von THC und CBD zu einer Wirkverstärkung (bzw. einer Reduktion von Chemoresistenz) – darunter Vincaalkaloide, Cytarabin, Doxorubicin, Mitoxantron, Carmustin, Bortezomib, Carfilzomib und Cisplatin.1
Des Weiteren gibt es Daten zu einer möglichen Suppression von Nebenwirkungen der Chemotherapie bei Patienten mit Neuropathie und Nephrotoxizität.2

Auf Informationsbedarf der Patienten einstellen

Die wachsende Datenlage zeigt, dass es vielleicht an der Zeit ist, mit eventuell vorhandenen Vorurteilen gegenüber der Substanzklasse aufzuräumen. Auch bei MS (Erholung bei Spastiken), therapierefraktären Epilepsien (etwa ein Drittel sprechen auf die verfügbaren Therapien nicht vollständig an), Parkinson, Übelkeit und chronischen Schmerzen könnten Cannabinoide interessant werden bzw. sind es bereits.4

In immer mehr Ländern werden Gesetze verabschiedet, die Patienten Zugang zu medizinischem Cannabis ermöglichen. Die deutschen Autoren der beiden neuen, hier zitierten Reviews schließen mit einem Wunsch: es braucht dringend mehr klinische Studien, damit verlässliche Informationen zu Vor- und Nachteilen dieser Substanzen gewonnen werden können, bevor der wachsende Markt der Cannabinoid-basierten Nahrungsergänzungsmittel und die Medien ihre eigenen "Fakten" schaffen.

Referenzen:
1. Ramer, R. & Hinz, B. Cannabinoids as Anticancer Drugs. Adv. Pharmacol. 80, 397–436 (2017).
2. Hinz, B. & Ramer, R. Anti-tumour actions of cannabinoids. Br. J. Pharmacol. (2018). doi:10.1111/bph.14426
3. GW Pharmaceuticals Achieves Positive Results in Phase 2 Proof of Concept Study in Glioma. GW Pharmaceuticals, plc (2017). Available at: https://www.gwpharm.com/about-us/news/gw-pharmaceuticals-achieves-positive-results-phase-2-proof-concept-study-glioma. (Accessed: 18th August 2018)
4. Mouhamed, Y. et al. Therapeutic potential of medicinal marijuana: an educational primer for health care professionals. Drug Healthc Patient Saf 10, 45–66 (2018).