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Die Essenz der Essenz – Best of ASCO 2017

Rückblick auf den gerade in den USA zuendegegangenen ASCO-Kongress 2017. Das Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology mit rund 38.000 Teilnehmern belegt Platz 3 unter den weltweit größten Medizinerkongressen – lediglich übertroffen von den Kardiologen und Radiologen.

Hallo und herzlich willkommen zum neuen Onko-Blog!

Mein Name ist Monika Steiner, ich bin Ärztin und ich werde hier ab sofort im Wochentakt Highlights und neuste Entwicklungen aus der Welt der Krebsmedizin vorstellen. Ob Besprechung spannender Studienergebnisse, Trends von den großen Kongressen oder aktuelle gesundheitspolitische Debatten –geplant ist eine bunte und praxisnahe Mischung aller onkologisch relevanten Themen.

Los geht’s heute mit einem Blick zum gerade in den USA zuendegegangenen ASCO-Kongress 2017. Das Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology mit rund 38.000 Teilnehmern belegt Platz 3 unter den weltweit größten Medizinerkongressen – lediglich übertroffen von den Kardiologen und Radiologen. Die letzten Jahre musste es immer in Chicago stattfinden, da für eine Veranstaltung dieser Größenordnung nur dort die passende Lokalität und Infrastruktur zur Verfügung steht.

Um die wichtigsten Erkenntnisse dieses 5-tägigen wissenschaftlichen Mega-Events auch für  Onkologen rund um den Globus zur Verfügung zu stellen, gibt es die Best of ASCO® -Konferenzen, die sukzessive an 36 Orten weltweit – darunter allein in 8 Städten der USA –  stattfinden.

Deutsche Ärzte konnten Mitte Juni in Berlin an dieser landesweit einzigen, von der ASCO exklusiv lizenzierten Konferenz teilnehmen. Die von der Nationalen Gesundheitsakademie (NGA) organisierte Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Krebsgesellschaft und unter wissenschaftlicher Leitung des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC).

An 2 Tagen boten 20 namhafte Referenten somit eine kompakte und vor allem patientenorientierte Nachlese der relevantesten Informationen – von denen auch in diesem Blog in den kommenden Wochen noch die Rede sein wird.

Zielgerichtete, individuelle Therapien im Fokus

Trotz der enormen Bandbreite gab es auch einige übergreifende Themen, die quer durch die Entitäten wichtig waren. Sicher nicht überraschend, stand vor allem die personalisierte Tumortherapie in vielen Studien und Diskussionen im Mittelpunkt. Hier vor allem die Präzisierung der molekularen Ansätze sowie die Diversifizierung der Immuntherapie, so Prof. Ulrich Keilholz, komm. Direktor des CCCC in Berlin und wissenschaftlicher Leiter der Konferenz. "Dabei ging es nicht nur um Wirkstoffe der nächsten Generation, sondern auch um das Wirkungsspektrum bereits zugelassener Medikamente und um die Frage, wie sie mit konventionellen Therapieformen kombiniert werden können, um den optimalen Benefit für die Patienten zu erzielen".

Wie sehr die genaue Typisierung der einzelnen Tumorarten derzeit im Zentrum des Interesses steht, wurde auch daran deutlich, dass ein bestimmtes Dia quer durch die Vorträge "bestimmt 10.000-mal gezeigt wurde", so Prof. Keilholz. Es handelte sich um eine Grafik, welche die Mutationslast der einzelnen Krebszelltypen in aufsteigender Reihenfolge darstellt, wobei die akuten Leukämien und diverse Hirntumore beispielsweise sehr weit links angeordnet sind. Äußerst rechts finden sich hingegen Lungen- und Blasenkarzinome und vor allem das maligne Melanom, welches also sehr viele genetischen Veränderungen aufweist. Genau hier will man unter anderem ansetzen, wenn es künftig darum geht, die jeweils aussichtsreichste Therapieoption zu wählen.

Perspektivwechsel auf allen Ebenen

Da Tumore mit einer hohen Zahl an Mutationen sehr gut auf Immuntherapien, insbesondere auf die Checkpoint-Inhibitoren ansprechen, liegt die große Hoffnung der Forschung darin, dass diese spezielle Aktivierung des körpereigenen Immunsystems bei ganz vielen Krebsarten effektiv sein könnte. Für großes Aufsehen sorgte hier eine "organübergreifende" Zulassung der US-Behörden kurz vor dem ASCO-Kongress: mit dem Antikörper Pembrolizumab  darf nun erstmals ein Arzneimittel sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen bei allen inoperablen, metastasierten soliden Tumoren mit einem bestimmten genetischen Merkmal angewendet werden.

Ein weiteres Top-Thema war auch die molekulargenetische Diagnostik. Wo bisher eine Gewebeprobe des Malignoms nötig war, könnte in Zukunft auch die Analyse von im Blut zirkulierender Tumor-DNA Standard werden. Auf dem ASCO-Jahrestreffen wurde erstmals ein hochempfindliches Verfahren vorgestellt, mit dem selbst der Nachweis extrem kleiner Mengen von Erbgut aus dem Tumor im Blut möglich ist. Keilholz: "In der gezeigten Studie war das Verfahren 100-mal empfindlicher als die derzeit verfügbaren Liquid-Biopsy-Tests, sodass man damit sogar das gesamte Genom einer Tumorzelle analysieren könnte."

Sehr empfehlenswerte Veranstaltung!

Last but not least spielte auch die Lebensqualität eine überragende Rolle beim ASCO-Jahrestreffen. Sehr interessiert aufgenommen wurde hier beispielsweise ein webbasiertes Alarmsystem, welches Ärzte und Pflegekräfte über bislang nicht erkannte Nebenwirkungen von Patienten unter Chemotherapie informieren und durch rechtzeitiges Einschreiten unnötiges Leiden reduzieren könnte. Laut Pressemitteilung der Berliner Konferenz hatten Patienten mit einer metastasierenden Krebserkrankung, die das System im Rahmen einer Studie nutzten, zahlreiche Vorteile gegenüber einer Kontrollgruppe von Nichtnutzern: Sie berichteten über eine bessere Lebensqualität, tolerierten die Chemotherapie besser und waren im Vorteil bezüglich ihres Gesamtüberlebens.

Alles in allem war diese zum dritten Mal stattgefundene Best of ASCO®-Konferenz eine sehr interessante und lohnende Veranstaltung, die die wichtigsten Entwicklungen in den einzelnen Fachbereichen prägnant zusammenfasste. Wer es 2018 also nicht zum Original nach Chicago schafft, kann hoffentlich auch im kommenden Jahr darauf setzen, nachträglich – und in deutscher Sprache – trotzdem noch umfassend informiert zu werden.