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Kinderwunsch nach Krebstherapie – ein Plädoyer für proaktive und rechtzeitige Aufklärung

Selbstverständlich kann man auch ohne eigenen Nachwuchs glücklich sein. Wer aber Kinder hat, empfindet das Elternsein meist als bereichernd und sinnstiftend – Trotzphasen und Pubertätsgebarden mal ausgenommen :->. Und wer ungewollt kinderlos ist, weiß, wie schmerzlich es sein kann, wenn gerade dieser elementare Lebenswunsch unerfüllt bleibt.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 15.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren an malignen Tumoren. Zählt man noch die rund 2.000 pädiatrischen Krebsfälle und diejenigen von Erwachsenen – speziell auch Männern – jenseits des 40. Geburtstags dazu, so sind es tatsächlich nicht wenige, die das Thema Familienplanung zum Zeitpunkt der Diagnose noch vor sich bzw. noch nicht abgeschlossen haben.

Dass sie überhaupt derartige Hoffnung haben können, war vor einigen Jahrzehnten noch illusorisch – schließlich war das blanke Überleben schon ein großer Erfolg der Medizin. In Zeiten aber, da über 80 % der jungen Betroffenen geheilt werden und meist ein nahezu normales Leben führen können, nehmen viele eine krankheitsbedingte Infertilität als Bürde und Stigma wahr.

Kinderwunsch überraschend präsent

Gerade zeigte eine aktuelle Studie, dass das Thema Reproduktion bei jungen Krebspatienten wenige Jahre nach Behandlung eine große Rolle spielt: So gaben 76 % der Kinderlosen an, dass sie sich ein Baby wünschten und 29 % derjenigen, die bereits vor der Diagnose Eltern waren, wollten gern weitere Kinder. Insgesamt fühlten sich 93 % fit und gesund genug, um eine Familie zu gründen.

Leider bleibt das für nicht wenige ein Traum – was besonders bitter ist, wenn man der krankheits- bzw. therapiebedingten Fertilitätseinschränkung mit rechtzeitiger Planung und Intervention hätte entgegenwirken können. Obwohl medizinisch mittlerweile einiges möglich ist, bleibt eine diesbezügliche Überweisung junger Patienten oft dem Engagement des behandelnden Onkologen, und damit letztlich dem Zufall überlassen.

Hinzu kommt, dass das Zeitfenster eh schon sehr knapp ist, denn schließlich sollte eine fruchbarkeitserhaltenenen Maßnahme sinnvollerweise zwischen Detektion des Malignoms und Beginn der Behandlung stattfinden. Da die Betroffenen in dieser Zeitspanne oft erst den Schock der Diagnose verarbeiten müssen, wäre es wichtig, die Patienten sowie ihre Partner bzw. nahen Angehörigen, diesbezüglich proaktiv mit strukturierter Information und einem entsprechenden Beratungsangebot zu unterstützen.

Im Angesicht der existentiellen Bedrohung mag das für manchen Tumorpatienten nicht gerade das naheliegenste Thema sein – später wird er oder sie für die rechtzeitige Aufklärung aber vielleicht sehr dankbar sein. Auch kann es Patienten, die durch den Befund innerlich schon den Tod vor Augen sehen, psychologisch durchaus helfen, wenn erfahrene Spezialisten bereits für ihre, offenbar doch eingeplante Zukunft Vorsorge treffen.

Meist abhängig vom Geldbeutel

Nichtsdestotrotz ist die direkte Auseinandersetzung mit einer möglichen Unfruchtbarkeit erst mal natürlich eine zusätzliche Belastung. Entscheidet man sich für protektive Maßnahmen sind diese – mit Ausnahme der Spermien-Kryokonservierung – in der Regel auch mit invasiven, operativen oder hormonellen Maßnahmen verbunden, die zudem nur sehr eingeschränkt von den Kassen bezahlt werden. Mit etwa 500 Euro für Männer und bis rund 4.500 Euro für Frauen muss hier gerechnet werden. Mittlerweile gibt es Online-Petionen von Fachärzten und ehemaligen Patientinnen, die für eine finanzielle Übernahme durch die GKV kämpfen. Auch das 2006 von gynäkologischen und reproduktionsmedizinischen Experten gegründete Netzwerk FertiPROTEKT setzt sich seit Jahren für eine stärkere Wahrnehmung dieses Themas ein. Im Zusammenschluss von 100 öffentlichen und privaten Kliniken kann Patientinnen hier ganz individuell und nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen beim Erhalt der Fertilität geholfen werden. Auch können Onkologen hier weitergehende Info sowie Adressdaten zu Ansprechpartnern in Wohnortnähe bekommen.

Vielversprechende Methoden in Sicht

Zu den ausgereiften Methoden gehören die Ovarientransposition (Oophoropexie), also die operative Verlegung der Eierstöcke aus dem Bestrahlungsfeld sowie das Einfrieren von Samen- bzw. befruchteten Eizellen. Erweitert werden die Option heute durch die Kryokonservierung und spätere Rückverpflanzung von Hoden- bzw. Ovargewebe, welche besonders bei Patienten vor der Geschlechtsreife geeignet ist und die darüber hinaus wenig Vorlaufzeit braucht. Weltweit wurden bereits mehrere Dutzend Kinder durch diese Methodik geboren – immerhin, wenn man bedenkt, dass dieses Verfahren noch sehr neu ist. Auch gab es schon Fälle, in denen sich aus dem Gewebe ein neuer, funktionstüchtiger Eierstock entwickelt hat. Dieses Verfahren gilt als Hoffnungsträger in der Fortpflanzungsmedizin, soll es doch künftig auch möglich sein, Eizellen außerhalb des Körpers reifen zu lassen und damit weitere Gefahren – z.B. die Rückführung von Tumorzellen – zu vermeiden.

Eine weitere moderne Methode besteht im Gefrieren unbefruchteter Oozyten

Will man die Chance durch die Punktion gleich mehrerer Follikel erhöhen, muss hier – ebenso wie bei der Embryokryokonservierung – allerdings eine mindestens zweiwöchige Hormongabe einkalkuliert werden. Die Wartezeit mag bis zum Therapiestart der meisten Tumore noch tolerierbar sein, allerdings muss z.B. bei hormonsensitiven Mammakarzinomen das Risiko einer Anregung rezeptorpositiver Tumorzellen berücksichtigt und abgewogen werden. Erste Studien zeigen jedoch, dass sich die Rückfallquote zumindest binnen der ersten Jahre nicht erhöht – längerfristige Daten stehen noch aus.

Kurzzeitige Ruhephase schützt Ovarien

Eine sanfte und vielversprechende Praktik ist auch die Verabreichung von Gonadotropin Releasing-Hormon-Agonisten im Vorfeld einer Chemotherapie. Hierbei werden die Ovarien aufgrund des resultierenden Hormonmangels in eine Art kurzzeitige Wechseljahre versetzt, wodurch sie die zytotoxische Behandlung unbeschadeter überstehen.

In jedem Fall ist es gut, Patienten auch nach einem bereits aktuell bestehendem Kinderwunsch zu fragen – schon, um Chemotherapeutika mit einem hohen gonadotoxischen Potenzial durch mögliche Alternativen zu ersetzen oder aber den empfohlenen Mindestabstand der Konzeption nach der Krebstherapie zu besprechen.

Trotz all dieser Möglichkeiten ist ein Ansprechen dieses Themas seitens der Onkologen keine Selbstverständlichkeit. Studien mit ehemaligen Krebspatienten zeigen, dass viele kein adäquates Wissen über die Möglichkeiten des Fertilitätserhalts hatten, denen aber bei rechtzeitiger Kenntnis positiv gegenüberstehen gestanden hätten.

Da es für die betroffenen Patienten häufig die einzige Möglichkeit ist, später gesunde, leibliche Kinder zu bekommen, sollte diese wichtige Thematik nach einer Diagnose routinemäßig angesprochen und ein Termin beim Fortpflanzungsexperten angeraten werden.

Quellen:

  1. Kinderwunsch und Krebs: Die wichtigen Fakten. ONKO-Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft
  2. Improvements in Clinical Practice for Fertility Preservation Among Young Cancer Patients: Results from Bundled Interventions. Bradford NK. J Adolesc Young Adult Oncol. 2017 Sep 21.
  3. Knowledge about and attitude towards fertility preservation in young female cancer patients: a cross-sectional online survey. Urech C1, Hum Fertil (Camb). 2017 Sep 22:1-7.
  4. Adolescent oncofertility discussions: Recommendations from a systematic literature review. Barlevy D et al. AJOB Empir Bioeth. 2017 Apr-Jun;8(2):106-115.
  5. New Promising Strategies in Oncofertility. Hudson J et al. Expert Rev Qual Life Cancer Care. 2017;2(2):67-78
  6. Website von FertiPROTEKT