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Mit Kopf und Herz gegen Kopf-und-Hals-Tumoren

Es gibt eine große Zahl internationaler Erinnerungstage, die den Menschen bestimmte wichtige Themen und Sachverhalte ins Bewusstsein rufen oder im Gedächtnis halten sollen. Viele von diesen wurden von Organisationen wie den "Vereinten Nationen", der UNESCO oder der WHO etabliert oder zumindest offiziell anerkannt und medial unterstützt.

Zu diesen "international observance days" gehören beispielsweise der Holocaust Rememberance Day oder Tage, die die Ozonschicht, die bedrohte Tierwelt, Folteropfer, spurlos Verschwundene oder Kinderarbeit im Fokus haben. Andere würdigen oder kämpfen für die Meinungsfreiheit, die Säuberung der Küsten oder die Alphabetisierung von Mädchen in Entwicklungsländern.

Ob man sich den Tag der Frankophonie, den Tag der Zugvögel, den Tag der Linkshänder oder das Datum für den "Tag ohne Nachrichten" rot im Kalender anstreichen muss, bleibt dabei jedem selbst überlassen...

Für Mediziner interessanter sind da wohl die Gesundheitstage, die weltweit mit verschiedensten Aktionen und Veranstaltungen Aufmerksamkeit auf sich ziehen und über relevante Krankheiten und deren Risiken informieren. Hierzulande kennt fast jeder den AIDS-Tag am 1. Dezember – doch gibt es auch eigene Jahresdaten für Tuberkulose, Hämophilie, Hepatitis, Osteoporose, Autismus, Malaria, Schlaganfall oder Krebs.

Erstmals prominente Fürsprache

Seit 3 Jahren gesellt sich zu dieser Liste auch der "World Head and Neck Cancer Day", der von einem internationalen Verband der Kopf-Hals-Tumor-Gesellschaften für den 27. Juli jeden Jahres ausgerufen wurde. Startpunkt war hier die größte je stattgefundene gemeinsame Tagung der Fachbereiche in New York City mit 3200 Teilnehmern aus 90  Ländern – inklusive Bill Clinton als prominentesten Redner sowie Michael Douglas, US-Schauspieler und selbst betroffen.

Dass gerade diese Malignom-Art derartig glamouröse Publicity erfährt, ist erfreulich und doch fast verwunderlich, fristet sie doch in der öffentlichen Aufmerksamkeit eher ein Schattendasein. Fast könnte man von einem Image-Problem sprechen, was viele andere Tumorkrankheiten so nicht haben – zumindest heutzutage, wo Krebs immer weniger ein Tabuthema ist. Für Brustkrebs, Kolonkarzinom oder Leukämie werden pink-ribbon-Läufe veranstaltet und aufwändige Kampagnen gefahren: "Wer seinen Partner liebt, schickt ihn zur Darmkrebsvorsorge" oder "Stäbchen rein, Spender sein".

Mit den immer besser werdenden Heilungschancen vieler Malignome, wird Krebs im gesellschaftlichen Bewusstsein langsam "eine Krankheit unter vielen". Fast jeder kennt jemanden, der seinen Tumorbefund bereits viele Jahre überlebt hat, Prominente outen sich mit ihrer eigenen Diagnose und Betroffene erfahren in aller Regel Unterstützung und Mitgefühl.

Die im Schatten sieht man nicht

Diese allgemeine Akzeptanz mag aber auch darin begründet sein, dass man den meisten  Krebspatienten – jenseits der akuten Therapiesituation – ihre Krankheit oft gar nicht ansieht. Ganz anders ist das bei vielen Kopf-und-Hals-Tumoren, die gerade in fortgeschrittenen Stadien häufig entsetzliche Entstellungen durch die Karzinome selbst oder deren Exzision mit sich bringen. Je nach Sitz des Tumors können Patienten sämtliche Sinnesfunktionen verlieren und auch Sprechen und Atmen manchmal nur mit technischer Assistenz vollziehen. Ein nasales Karzinom, welches den Augapfel zerstört, ein Tumor, der die gesamte Zunge anschwellen lässt, eine durch Parotislähmung veränderte Mimik oder aber Rekonstuktionen, die das halbe Gesicht betreffen – all das sind Phänomene, die – traurig, aber nicht unverständlich – gemeinhin eher Schock und Abscheu hervorrufen  und die Betroffenen in ihrem Leid noch mehr isolieren.

Darüber hinaus sind die "typischen Patienten" mit Kopf-und-Hals-Tumor oftmals ältere Männer mit jahrzehntelangem Alkohol- und Tabakkonsum – nicht wenige sozial und ökonomisch eher am Rande der Gesellschaft angesiedelt. Eben leider keine Gruppe, die allgemein mit besonderer Empathie rechnen kann.

Wobei sich auch dieses Klischee gerade wandelt – da tragischerweise immer mehr junge Menschen betroffen sind. Grund sind hier wohl auch orale Sexualpraktiken, die durch die Übertragung von hochriskanten humanen Papillomaviren eine epidemische Zunahme von Rachen-, Tonsillen- und Zungenkarzinomen nach sich ziehen.

Heterogen und herausfordernd

Global gehören "Head and Neck"-Tumore übrigens zu den häufigsten Krebsarten. Laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2012 sterben daran international mehr Menschen als an Brustkrebs. Der sperrige Begriff vereint dabei diverse Karzinome in den unterschiedlichsten Lokalitäten wie der Mundhöhle, dem Nasopharynx, dem Oropharynx, dem Hypopharynx, dem Larynx oder der Trachea. Rein anatomisch gehört auch die Schilddrüse in dieses Spektrum, wobei die exzellenten Prognosen beispielsweise der papillären SD-Karzinome keinesfalls klassisch für die Gesamtheit der Tumore sind.

Die Überlebenschancen der meisten, oft sehr spät entdeckten (Plattenepithel)-Karzinome im Kopf-und-Hals-Bereich sind im Allgemeinen leider immer noch schlecht – wobei sich auch hier in den letzten Jahren einiges getan hat. Neben verbesserten Maßnahmen in Chirurgie, Chemo- und Strahentherapie, werden auch innovative Behandlungen, z.B. mit monoklonalen Antikörpern, mit wachsendem Erfolg angewendet.

Aufmerksamkeit kann Leben retten

All diese Entwicklungen, Ausprägungsformen und Risikofaktoren sollen der Allgemeinheit durch eben solch einen speziellen Tag nähergebracht werden – welcher zuletzt von über 55 Fachgesellschaften und Zentren in 51 Ländern mit viel Engagement begangen wurde. Durch Informationsstände, Selbst-Screening-Programme, Austausch und professionelle Fortbildung konnten Interessierte, Patienten, Angehörige und nicht zuletzt Mediziner dabei Aktuelles rund um Prävention, Diagnostik, Therapie und praktische Hilfsmöglichkeiten erfahren.

Explizit sollen auch Haus- und Fachärzte verschiedenster Fachbereiche für dieses wichtige Thema sensibilisiert werden: die sorgfältige Untersuchung der Mundhöhle bei Routine-Checks oder die explizite Nachfrage bei Heiserkeit, Mundgeruch oder Schluckbeschwerden kann – auch jenseits der HNO-Praxen – manchen Tumor frühzeitig detektieren und damit einen verheerenden Verlauf vermeiden.

Diese empfohlene Aufmerksamkeit und Proaktivität wird seit einiger Zeit übrigens in einem humorig-stimmigen und im wahrsten Sinne des Wortes bissigen Slogan der Mouth Cancer Foundation ausgedrückt: Bite back at mouth cancer!

Referenzen:
Report: World Head & Neck Cancer Day 2017 - "Race Against Oral Cavity Cancers" / Website der International Federation of Head and Neck Oncologic Societies: www.ifhnos.net
Head and neck cancer: improving outcomes with a multidisciplinary approach. Lo Nigro C et al. Cancer Manag Res. 2017 Aug 18;9:363-371.
Update on Head and Neck Cancer: Current Knowledge on Epidemiology, Risk Factors, Molecular Features and Novel Therapies. Pezzuto F et al. Oncology. 2015;89(3):125-36.